Kultur

Installationsansicht, kunstraum BERNSTEINER 2011, Foto: Peter Sandbicher

Der Künstler ist anwesend

12. Oktober 2011 • Kultur

Zur Vernissage im kunstraum Bernsteiner war der Künstler Peter Sandbichler natürlich anwesend, in der Ausstellung werden die BesucherInnen aber erst einmal in die Irre geführt. Denn obzwar der Titel der Präsentation eine irgendwie geartete Präsenz des Künstlers in der Ausstellung assoziieren lässt, bleibt dieser Gedankengang im ersten Moment unerwidert.

In der Ausstellung präsentiert werden vielmehr skulpturale Objekte, die sich mit der Konstruktion und der Wahrnehmung von Wirklichkeit auseinandersetzen. So muss man nach Betreten des Kunstraumes erst einmal einen „Gang“ entlang schreiten, den Sandbichler mithilfe der Installation „Labyrinth“ – eine Aneinanderfügung von mehreren recycelten Fahrradkartons – gebaut hat, um überhaupt ins Innere des kunstraum Bernsteiner zu gelangen. Hat man das geschafft, steht man vor einem überdimensionalen Spiegel, dessen einzelne Teile wie ein Fliegenauge zusammengefügt sind und der auch ebendiesen Titel trägt. Die kleinen einzelnen Spiegel geben das Abbild jedoch nicht korrekt wider, sondern nur Ausschnitte davon und lassen je nach Perspektive den Ausstellungsraum überblicken. Die Ambivalenz des Erscheinungsbildes, die durch den Einsatz modularer Konstruktionen bedingt ist, spielt eine wichtige Rolle. So auch bei der großen, in sich tragenden Skluptur, die von der Decke des Raumes hängt.

Weiterführung traditioneller bildhauerischer Qualitäten

Die Wahrnehmung spielt auch in den anderen Arbeiten eine Rolle, die zudem rund um die Verflechtung von Form, Material und Inhalt oszillieren. Bei den „zerknautscht“ wirkenden Hockern mit dem Namen „Alte Schachtel“ glaubt man einen weiß angestrichenen Karton zu erkennen, der leicht aufgehoben und an einen anderen Ort gestellt werden kann. Probiert man dies, wird klar das das nicht der Fall ist: es handelt sich um Abgüsse von herkömmlichen Kartons, die sehr schwer sind und kaum aufgehoben werden können. Diese sehr alltäglichen, eigentlich „unglamurös“ erscheinenden Materialien, verwendet Sandbichler häufig, um bestimmte Aspekte aus der Alltagswelt herauszustellen und die BesucherInnen einzubinden.

Objekte als Träger soziokultureller Bedeutungen

Gesellschaftsrelevante und systemkritische Fragen sind wichtige Kriterien im Schaffen des Künstlers. Zeitungsausschnitte mit Artikeln und Fotos aus Politik und Kultur, die einerseits die Oberfläche einer Tischplatte bedecken, andererseits gerahmt an den Wänden hängen, verweisen auf die Medienwelt, der wieder eigene Gesetze zur Konstruktion von Wirklichkeit inhärent sind. Die Ausschnitte sind in der japanischen Origami-Technik gefaltet und verfremden dadurch die Form wie auch den Inhalt, denn der Text ist so nicht mehr lesbar. Gleichzeitig wird das ein- bzw. zweidimensionale „Bild“ durch die Faltung ins dreidimensionale übergeführt.

Und der Künstler ist doch anwesend

Der an den Schauraum angrenzende Lagerraum wird für die Dauer der Ausstellung zum Atelier des Künstlers umfunktioniert. Hier schließt sich der Kreis, denn Peter Sandbichler wird vor Ort arbeiten und ist somit doch in der Ausstellung „anwesend“. Durch die Arbeit vor Ort wird sich die Ausstellung permantent verändern und weiterentwickeln, was durch Besuche überprüft und vielleicht sogar durch Gespräche mit dem Künstler beeinflusst werden kann. (Barbara Pflanzner)

Der Künstler ist anwesend
kunstraum Bernsteiner
12.10. – 20.11.2011
Eintritt frei.

Peter Sanbichler Homepage

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kunstraum Bernsteiner

Schiffamtsgasse 11
1020 Wien
+43 (0) 664 3077097
http://www. friendsandart.at

 

werktags 12:00 – 18:00 Uhr
\r\nsowie nach telefonischer Vereinbarung unter
\r\nTel: 0699 17163610

 

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