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Flohmarkt Naschmarkt (c) stadtbekannt.at
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Der Fund für‘s Leben

6. Juni 2013 • Skurriles

Millionenfunde auf dem Dachboden, der Schatz im Keller, oder das in den Kriegswirren verloren gegangene Meisterwerk, das auf wundersame Weise wieder auftaucht: Wir alle kennen sie, die nahezu im Monatsrhytmus über uns hereinbrechenden Meldungen über sensationelle Kunstfunde.

Was für eine Aufregung: 83 bislang unbekannte Werke Caravaggios im Wert von 700 Millionen Euro in einem Mailänder Schloss gefunden. Erste Experten und Kunsthistoriker, welche die Funde bestätigten, waren schnell zitiert. Wenig später stellte sich heraus, dass die vermeintlichen Millionenfunde längst bekannt, untersucht und publiziert waren. Demnach stammen die Arbeiten ganz und gar nicht aus der Hand des Meisters, sondern allenfalls aus derselben Werkstatt, in der Caravaggio in jungen Jahren lernte. Pünktlich zum Klimt-Jubiläumsjahr wollte ein Oberösterreicher einen echten Gustav in seiner Garage entdeckt haben. Postwendend kam die Absage – auch hier handle es sich wohl oder übel um einen anderen Pinselschwinger. Geschichten wie diese gibt es viele – doch nicht alle enden in einem Streit, indem übereifrige Experten der Sensationslust freien Lauf lassen und kurzerhand einen Millionenfund beschwören, um danach von anderen Experten zurückgepfiffen zu werden.

Geheime Sammlungen und Kunst unter der Erde

Im Fall der Picasso-Funde von 2010 stand die Echtheit der Werke von Anfang an außer Zweifel. Ein französisches Ehepaar zeigte dem Sohn Picassos 271 unbekannte Werke im Wert von 60 Millionen Euro, die sich über vierzig Jahre in ihrem Besitz befanden, um ein Echtheitszertifikat zu erhalten. Dies bescheinigten Picassos Sohn und zahlreiche Experten auch. Dumm nur, dass man die Werke für Diebesgut hielt und sogleich beschlagnahmte. Gegen den französischen Rentner wird seither ermittelt. Einige Ermittlungsarbeit kommt auf die Behörden meist auch zu, wenn in Berlin gegraben wird. In der geschichtsträchtigen Stadt stößt man immer wieder auch auf Funde aus dem 20. Jahrhundert, die unter dem Kriegsschutt begraben wurden. So entdeckte man beispielsweise Otto Baums „stehendes Mädchen“ wieder, welches einst in der Nazi-Wanderausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen war.

Die Restauration macht‘s möglich

Auch die besser werdenden Restaurationsmethoden sorgen immer wieder für Sensationen. Oft finden sich unter der Ölschicht bekannter Werke, frühere Gemälde, oder Vorstudien, die einfach übermalt wurden. Hoch technische Durchleuchtungsmethoden machen diese Werke heute sichtbar. Eine zunächst für minderwertig gehaltene Replik der Mona Lisa von Leonardo Da Vinci, wurde nach aufwendigen Restaurationen als zeitgleich mit dem Original entstandenes Werk identifiziert. Vieles deutet auf einen Geliebten Leonardos als Urheber hin, der in der Werkstatt des Meisters arbeitete und nach dessen Tod die originale „la jaconde“ erbte. Ein stark beschädigter und bis dahin unentdeckter Velàzquez schlummerte im Keller der US-Universität Yale. Restauratoren machten auch dieses Gemälde wieder hübsch.

Rembrandt im Flohmarkt-Rahmen

Einen häufigen Fundort stellen sperrige Rahmen dar, wo nicht selten beim Abnehmen der Rückwand ein bisher unentdecktes Werk zum Vorschein kommt. 2006 erstand ein deutsches Ehepaar für fünf Euro einen verdreckten Rahmen auf einem Flohmarkt. Dieser sollte für die folgenden fünf Jahre in die Abstellkammer wandern, ehe sich Andrea Gosen daran machte, den Rahmen zu säubern. Im Rahmen entdeckte sie eine 70 000 Euro schwere Rembrandt-Radierung. Rahmen-Funde sind zahlreich. So stießen Wissenschfaftler beim Neurahmen einer Kölner Bildersammlung auf unbekannte Werke von Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner.

300 Millionen hinterm Sofa

Ein US-Amerikaner stellte den alten Ölschinken, den man für eine billige Michelangelo-Kopie hielt, hinter das Sofa, um das Bild vor Tennisball-Attacken seiner Kinder zu schützen. 27 Jahre später war der Kunsthistoriker Antonio Forcellino überzeugt, dass es sich bei dem Bild um einen echten Michelangelo im Wert von 300 Millionen Dollar handelt. Statt hinterm Sofa, fristet das Gemälde seither in einem Banksafe sein Dasein. Für eine weitere Sofa-Geschichte sorgte eine Berliner Studentin. Auf einem Flohmarkt kaufte sie für 150 Euro eine Couch, die monatelang in der Wohnung herumstand, ehe sie das erste mal ausgezogen wurde, um als Gästebett zu dienen. Zum Vorschein kam ein 400 Jahre altes Gemälde im Wert von 19 000 Euro. Die Schnäppchencouch wanderte auf den Müll. In diesem fand eine New Yorkerin im Jahr 2007 ein 55 000 Dollar-Bild. Nach langer Recherche fand die junge Frau schließlich die ursprünglichen Besitzer. Mehr als 15 000 Dollar Finderlohn und eine Belohnung des Auktionshauses Sotheby‘s gab‘s allerdings nicht.

Angesichts dieser Fülle an Schätzen, die nur darauf warten gefunden zu werden, bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Runter in den Keller, rauf auf den Dachboden und ab zum Flohmarkt!

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