Kultur

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Der Fotograf Bernhard Blume ist tot

6. September 2011 • Kultur

Seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn waren die beiden Künstler und Eheleute Anna und Bernhard Blume unzertrennlich. Als Pioniere der inszenierten Fotografie wurden sie berühmt, meist waren sie selbst als Akteure integraler Bestandteil ihrer Arbeiten. Nun ist Bernhard Blume nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren verstorben.

Anna und Bernhard Blumes serielle Fotoarbeiten entstanden immer in Gemeinschaftsarbeit, in denen sie in der Regel immer auch als Darsteller in ihren eigenen Arbeiten auftraten. Als Vorreiter einer künstlerischen Auseinandersetzung, in deren Fokus das erzählerischen Moment liegt, inszenierten sie ein lustvolles Spiel mit kunstgeschichtlichen Zitaten und dem Leben an sich.

Auseinandersetzung mit kulturellem Background

In einem Teil ihrer Fotoinszenierungen geht es um die Beschäftigung mit dem Alltag, die nicht selten als Parodien auf das Kleinbürgertum gestaltet sind. So beispielsweise in der Serie „Trautes Heim“ (1985-87), welche die Konventionen ebendessen persifliert. Ihr ist der Platz in der Küche zugewiesen, im hübschen Kleid ist sie von Geschirr und Hausrat umgeben. Demgegenüber hantiert er im Anzug mit technischen Konstruktionen. Diese scheinbare Ordnung wird im nächsten Moment jedoch wieder relativiert: Türme aus Geschirr schwanken, Teller zerbrechen, Möbel und Menschen fliegen durch die Luft. Die Ordnung entpuppt sich als totales Chaos.

Erzählerisches Moment

In den Arbeiten der letzten Jahre ist verstärkt eine Auseinandersetzung mit Themen und Zitaten aus der Kunstgeschichte, insbesondere der klassischen Avantgarde, ablesbar. Bereits 1992/94 schuf das Künstlerpaar unter dem Titel "Transzendentaler Konstruktivismus" eine Serie, die sich mit den formalen und spirituellen Kriterien der konkreten, konstruktiven Kunst beschäftigt. Das Thema der elementaren Form und deren scheinbarer Verselbständigung war seit je her ein wichtiges Motiv. In das Zitate-Spiel eingewoben, sind immer auch Geschichten, die sich zwischen Mann und Frau abspielen. Immer gibt es eine Story und eine Storyline, also ein Anfang und ein Ende, die dann ins Symbolhafte übertragen werden.

Voller Einsatz

Dabei gehen die beiden Künstler in ihren Arbeiten, die meist mit viel Aufwand betrieben wurden, oft an die eigenen Grenzen. In der Serie „Im Wald“ (1980-91) klettern sie selbst im fortgeschrittenen Alter noch auf Bäume, sie stürzt herab, während er am obersten, dünnsten Ast sitzt. Um diese teilweise nicht ganz ungefährlichen Aufnahmen machen zu können, arbeiteten die Künstler mit Sicherungskonstruktionen, Halterungen, Matratzen und Ähnlichem.

Langjährige Künstlerpaarschaft

Anna und Bernhard Blume, beide Jahrgang 1937 und aus Nordrhein-Westfalen, lernten sich in den 60er Jahren an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen. Nach Einzelarbeiten begannen sie in den 80er Jahren als Künstlergemeinschaft und wurden zu Pionieren auf dem Gebiet der inszenierten Fotografie. Gemeinsam mit seiner Frau lebte Bernhard Blume in Köln und in Hamburg, wo er Professor an der Hochschule für Bildende Künste war.
(Barbara Pflanzner)

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