Kultur

Zobernig Ohne Titel

Den (Stadt-) Raum sichtbar machen

1. Februar 2011 • Kultur

  • Zobernig Ohne Titel
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Kunst im öffentlichen Raum ist oftmals auf den ersten Blick nicht als solche ersichtlich und erkennbar. In vielen Fällen geht man tagein, tagaus am Weg zur Arbeit oder zur Uni daran vorbei, ohne dass man Installationen oder Interventionen als solche wahrnimmt. Das passiert auch leicht mit Heimo Zobernigs Mosaik „Ohne Titel“ in der unterirdischen Straßenbahnstation Laurenzgasse im 5. Bezirk.

Stadtwahrnehmung und Natur verschränken

In dem Zwischenstock der Passage hat Zobernig die Wände mit einem abstrahierten Efeumosaik überzogen und greift so zwei Themen auf, die sich beide auf den Stadtraum beziehen: Einerseits strukturieren und ordnen Wände die Wahrnehmung der Stadt, sie dirigieren unsere Wege als Gebäudefassaden, Schaufenster, Plakatwänden oder eben als Gangsysteme in U-Bahnstationen. Andererseits kommt mit der Ornamentalik des Efeus das Thema Naturalisierung des Stadtraums ins Spiel. Der Efeu ist in diesem Zusammenhang ein spezielles Motiv, da er sowohl mit Natur und Wand gleichzeitig konnotiert ist.

Zobernigs Efeu ist einerseits durch seine in diesem Fall naturgegebene Flächigkeit flach wie eine Wand, vermittelt aber gleichzeitig durch die farbliche Schichtungen auch Dreidimensionalität und Raumtiefe. Außerdem trifft hier eine der ältesten Bildverfahren, das Mosaik, auf moderner Technologie: Die Auflösung des Fotos in Pixeleinheiten korrespondiert mit der Größe der Glasmosaiksteine, die Zobernig mithilfe digitaler Computertechnik eine fotografische Vorlage übersetzen.

Die Mosaikarbeit verschränkt also Dinge miteinander, die normalerweise einander als Antagonismen gegenüberstehen: Indem die Efeuranken einer Außen- oder Hauswand in das unterirdische Innen wandern, verschränkt der Künstler Innen und Außen, die mit der Pflanze assozierte Natürlichkeit trifft auf die kühle Ästhetik eines funktionales Verkehrstransitstops im öffentlichen (Stadt-) Raum, der biologischen Ornamentik stellt er Mosaikpixel gegenüber.

Tiefenraum erzeugen wo keiner ist

Zobernigs Wandarbeit erzeugt also in einem Raum nüchterner Funktionsästhetik ein Wechselspiel aus fiktiver Raumtiefe, Inversion von Innen- und Außenraum und Pixelwahrnehmung. Das Motiv des Efeus erschließt sich dem Betrachter außerderm erst durch dessen Durchqueren der unterirdischen Passage. Wie bei alten Plakatwänden erkennt man von der Nähe nur die einzelnen Mosaiksteine bzw. Pixel, erst durch die notwendige Entfernung erkennt man das Efeumotiv.

Zobernig präsentiert in der Laurenzgasse Vexierbilder, die die Wahrnehmung herausfordern. Er erzeugt Tiefenraumillusionen und Farbspiele, die Spaß machen und die in der tristen Passage dann doch so etwas wie ein Ereignis für die Sinne kreieren.

Bilder (c): http://www.koer.or.at

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Station Laurenzgasse



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