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David versus Facebook

12. September 2011 • Debatte2 Kommentare zu David versus Facebook

Dass Facebook nicht nur daran interessiert ist, uns das adden, liken und poken von Personen, Events und anderem zu ermöglichen, wissen wir schon länger. Unsere Daten sind Geld, und mit dem Datenschutz nimmt es Facebook nicht besonders genau.

Abseits von gelegentlich als Status-Meldungen kursierenden Anleitungen, wie man seine Privatssphäre besser schützt oder Vorkehrungen dazu bei sich ändernden Nutzungsbedingungen vornimmt, ist man dem minimalistischen Datenschutzverständnis des Unternehmens aber grundsätzlich ausgeliefert, wenn man das Portal nutzen möchte. Eine Gruppe Wiener Studenten begehrt nun auf und hat Anzeige gegen Facebook Irland in 16 Punkten erstattet. Nach Dublin hat Facebook seine Übersee-Zentrale hauptsächlich aus steuerrechtlichen Gründen verlegt. UserInnen außerhalb der USA und Kanada haben folglich einen Vertrag mit Facebook Irland, auf den das europäische Konsumten- und Datenschutzrecht anwendbar ist.

Für den Initiator Max Schrems von Europe-v-Facebook waren neben seinem generell großen Interesse im Bereich Datenschutzrecht ausschlaggebend, welches Bild ihm von diversen Datenschutzverantwortlichen amerikanischer Großkonzerne über Datenschutz hierzulande vermittelt wurde: “Kernaussage war: Die Europäer mit ihrem Datenschutz sind zwar ganz süß, aber halten muss man sich eh nicht dran. Da hab ich mir dann gedacht es wäre mal Zeit, dass jemand zumindest versucht, etwas zu tun.”

Facebook behält Daten auf

Demzufolge dürfen UserInnen von Unternehmen verlangen, ihnen eine Kopie der Daten zuzuschicken, welche über sie gespeichert sind. Die WienerInnen haben genau dies gemacht und waren erst nach einigen Anläufen semi-erfolgreich: Facebook wimmelt solche Anfragen ab. Erst nach Drohungen, sich bei der Irischen Datenschutzkommission zu beschweren, trafen die Dokumente mit den Daten ein. Pro Person ist mit über 1000 Seiten an Daten zu rechnen, von denen einige längst nicht mehr vorhanden sein sollten. So wurden Informationen wie Email-Adressen, geänderte Nutzernamen, gelöschte Freunde, Statusmeldungen, Fotos und dergleichen nicht wirklich gelöscht, sondern lediglich deaktiviert und für die NutzerInnen nicht merkbar weiterhin gespeichert.

Irreführende Datenschutzrichtlinie

In einem weiteren Anklagepunkt geht es um die unverständliche Datenschutzrichtlinie, innerhalb derer Facebook auf zahlreiche andere Dokumente verweist und ein schnelles und unkompliziertes Verstehen dessen, worauf man sich datentechnisch einlässt, verunmöglicht. Auch das kann vermutlich von den meisten UserInnen bestätigt werden: wer auf der Suche nach mehr Datenschutz ist, muss sich durch unverständliche und auf der Seite meist gut versteckte Verweise plagen. Dabei kann mitunter der Eindruck entstehen, dass Absicht dahinter steckt. Die Anzeige ist nun ein mutiger Schritt, interessant ist laut dem Initiator jedoch “was am Ende rauskommt.” “Wir wissen nur, dass die Behörde versprochen hat, intensiv zu ermitteln und wenn nötig alle rechtlichen Befugnisse auszunutzen. Leider ist es im Datenschutz noch immer so, dass die Behörden mit Rechtsbrechern ‚verhandeln‘. Vergleicht man solche Datenskandale mit einer Parkstrafe, stellt sich die Frage warum mit Facebook „verhandelt“ wird und mit einem einfachen Parksünder nicht”, so Max Schrems. “Das ist alles noch sehr in den Kinderschuhen.”

Wer es den StudentInnen gleichtun und ebenfalls persönliche Daten von Facebook einfordern möchte, findet hier die Anleitung dazu. Sollten auch von euch Daten auftauchen, die es nicht mehr geben sollte, könnt ihr euch bei www.europe-v-facebook.org melden. Dort haben übrigens alle noch ein Profil bei Facebook: “Unseren Ansatz könnte man mit ‚verbessern statt verweigern‘ zusammenfassen. Warum sollen wir uns in unserer Kommunikation beschneiden lassen, nur weil der Monopolist bei sozialen Netzwerken sich nicht an die Gesetze hält?”

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2 Antworten auf David versus Facebook – Verstecken

  1. martha sagt:

    daten
    ich habe jetzt meine daten eingefordert – bin gespannt wie dick meine akte ist 😉

  2. Mario B. sagt:

    Sehr informativ. Danke!
    Werde auch mal Daten anfordern gehen.

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