Kultur – Musik

David Hasselhoff in der Wiener Stadthalle. Ein Konzertbericht.

5. Februar 2011 • Musik3 Kommentare zu David Hasselhoff in der Wiener Stadthalle. Ein Konzertbericht.

Ironisch gesinnte Endzwanziger mit akademischem Hintergrund, die gerne Chuck Norris-Witze auf Facebook posten, an diesem Abend mindestens einen Witz mit dem Wort „Burger“ gemacht und vor der Halle mindestens ein schief gesungenes Medley aus des Rettungsschwimmers Liedkatalog zelebriert haben. Die sich durchaus Gedanken um die passende Kleidung gemacht zu haben scheinen (entweder das Hasselhoff’sche Antlitz alleine oder kombiniert mit einen ironischen Spruch beziehungsweise das Motto des davidianischen Flaggschiffs ‚don’t hassel the hoff‘). Dann die Hasselhoff Ultras, einer mit blinkender Jacke, andere als Rettungsschwimmer kostümiert. Fast keine Kinder (die kennen ihn wahrscheinlich nicht mehr, da die Endzwanziger die letzte Generation waren, für die Knight Rider, Baywatch und „Looking For Freedom“ relevant und heldenhaft war), das geschätze Durchschnittalter des Publikums so circa 30.

Ja, wir waren David Hasselhoff schauen, anders kann man das nicht nennen – und ein guter Freund, der in seiner Tourband spielt, meint am Telefon vorab noch, dass er mir zwar nicht zuviel verraten kann, aber dass Hasselhoff wirklich NICHTS auslassen würde. Also nichts wie rein in die Stadthalle, ab in den Frohnsinn: hier regiert das Gschnas.

Zurück da, wo er hingehört

Irgendwann, gegen halb neun, kommt dann Hasselhoffs Manager Herbert Fechter auf die Bühne um eine selbstgefällige Rede zu halten und um uns einzureden, dass wir quasi bei der Geburt eines neuen Staatsfeiertags oder einer himmlischen Wiederkehr Zeuge sein dürfen. „Drei Stunden Show“, kündigt der Fechter an und schleicht sich, dem Herren sei Dank, irgendwann auch wieder von der Bühne.

Dann ist es soweit: „THE HOFF IS BACK“ blinkt es von der Bühne, auf den Monitoren kommt eine Retrospektive von Momenten wie Hoffs Auftritt auf der Berliner Mauer, Knight Rider, Baywatch, die ganze Palette. Und die Endzwanziger toben, huldigen, schreien. Weil vor allem der Auftritt auf der Berliner Mauer und Hoff’s Aussage, er wäre ein Teilfaktor des Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinung gewesen, in Wirklichkeit natürlich nur belächelt wurde.

Die Figur Hasselhoff ist mittlerweile ein ironisierter Kindheitsheld, in Wirklichkeit eine Art Witzfigur – ein Witz auf den sich eine große Gruppe von Leuten einigen kann, ein bisschen Kindheitsnostalgie augmentiert das Wohlgefühl noch – eine Mischung aus Superheld und Hofnarr.

Epizentrum der Schlagerhölle

Durchs Publikum spaziert er dann durch rauf die Bühne, mit der Glitzerjacke mit dem Adler drauf und ein „Looking For Freedom“ später wissen wir, wo wir in Wirklichkeit sind: nämlich im Epizentrum der Schlagerhölle, schunkelnd und klatschend. Wir SIND der Musikantenstadl, und Hoff ist der Zeremonienmeister.

Hasselhoff bedient das alles, so gekonnt wie auch hilflos. Lässt sich feiern und fühlt sich sichtlich wohl bei all den Hoffierern, die seinen Namen brüllen. Messianische Gelüste und Gesten, tanz mit mir den Limbodance. Sein großes Comeback ist das jetzt. „It took me twenty years to get back here“, sagt er und singt anschließend sogar das Baywatch Intro, im Mitch Bucchannon Büro-Outfit (also nicht Badehose und Brusthaar-Ausstellung sondern Jacke und Sonnenbrille). Ein Medley aus von Jack White (nicht White von den White Stripes und den Raconteurs – von Jack White, dem Hansi Hinterseer Mastermind) komponierten Schunklern aus einer Zeit, wo Youtube noch Wurlitzer hieß und Thomas Brezina noch einen fantastischen Schnauzbart im Gesicht trug. „Is everybody happy“? Sicher, hombre. Sogar „Country Roads“. Und einen neuen Song von einem angeblichen neuem Album, irgendwas mit „California Girls“, gleiche Kerbe. Rettungsschwimmerinnen, Tänzerinnen, alles dabei.

Um ehrlich zu sein, irgendwann bin ich raus- und nicht wieder reingegangen. Der Hoff wiederum bretterte nach dem Konzert in das Praterdome für ein weiteres Konzert. Gut möglich, dass er den Hasselhoff Ultras vielleicht soweit entgegenkam, dass er auf der Bühne einen Burger gegessen hat – so, als würde Chuck Norris auf Facebook einen Chuck Norris-Witz posten.

Hauptsache everybody happy.

Ein Bericht vom ersten Teil des Comebacks im Musikantenstadl, von mir viel huldigender geschrieben als dieser, hier.

Foto: wikipedia.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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3 Antworten auf David Hasselhoff in der Wiener Stadthalle. Ein Konzertbericht. – Verstecken

  1. charles sagt:

    du hast ja so recht
    aber manchmal möchte der mensch doch auch ein moik sein oder?

  2. enne sagt:

    .
    hahaha, beste story! danke markus 😉

    ps. der arme hoff.

  3. Anne Panne sagt:

    Super
    geschrieben.

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