Kultur – Film / TV

NDR/ Sandra Hoever

Das Wort zum Tatort vom 6.5.2012 – „Die Ballade von Cenk und Valerie“

7. Mai 2012 • Film / TV

Cenk Batu stirbt also, oder zumindest geht sein Auftrag gehörig schief, das ist schon in den ersten Sekunden des Tatorts zu sehen: die Spannung ist also schon mal raus. Was bleibt, ist trotzdem großes Trash-Kino – ein Abgang mit Knalleffekt.

Wenn schon gehen, dann noch einmal alle Register ziehen, das war wohl Prämisse beim schreiben des Drehbuchs, und mit großen Gesten hat man wirklich nicht gespart: eine Gruppe völlig durchgeknallter Trader-Yuppies beschließt tatsächlich, den (fiktiven) deutschen Bundeskanzler Grasshoff erschießen zu lassen, damit sie mit dem darauf folgenden Zusammenbruch der Aktienkurse ordentlich Geld machen kann. Für diesen läppischen Auftrag haben sie auch schon jemanden vorgesehen: Frau Valerie, eine Autistin im besten Alter mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf; nachdem diese nämlich im Alter von vier Jahren auf einer Autobahnraststätte ausgesetzt wurde und nach 19 Jahren betreutem Wohnen plötzlich verschwindet, wird sie plötzlich eine der weltweit profiliertesten Auftragskillerinnen – bevor sie dann 22 Jahre lang mit ihrem Sohn im Wald untertauchen kann.

Falsche Zeit, falscher Ort

Klingt das schon etwas an den Haaren herbeigezogen kommt es dann allerdings noch besser: als Cenk Batu dann in die Bank der Mord-Auftraggeber eingeschleust wird um deren illegale Finanztransaktionen zu überwachen, wird die eiskalte Valerie doch etwas nervös; also entführt sie Cenks Freundin und lässt einfach diesen den Mord durchführen, sonst sieht er diese nie wieder – und schließlich erwarten die beiden ein Kind.

Eine altbekannte Hollwood-Story also (bereits Johnny Depp fand sich 1995 in dieser etwas unangenehmen Zwickmühle) und auch alle anderen Komponenten des Tatort bedienten eher Filmklischees zwischen 90er-Psychothriller und Skandinavien-Krimi, abgeschmeckt mit dem völlig überzeichneten (aber amüsanten) Bild von bekoksten Tradern und deren Weltbild und viel, viel Action. Was in seinen Einzelteilen allerdings nach furchtbarem Müll klingt war dann doch etwas mehr als die Summe seiner Teile: ein spannendes und dicht erzähltes B-Movie auf relativ hohem Niveau.

Die Latte ist also hoch gelegt: das soll Till Schweiger erstmal toppen. Und übrigens, ja, Batu liegt am Ende in seinem Blut – aber hat er sich vor dem Abblenden nicht noch ganz kurz bewegt? rmd

 

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