Kultur – Film / TV

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Das Wort zum Tatort vom 10.3.2013: „Willkommen in Hamburg“

11. März 2013 • Film / TV

Til Schwieger alias Nik Tschiller feiert im Hamburger-Tatort seinen Einstand als Kommissar und bringt mit einer ordentlichen Portion Action neue Farbe in’s Krimiformat. "Willkommen in Hamburg" donnert mit Schusswechsel im Minutentakt, Herumgeblute und einer guten Kameraführung über den Bildschirm, und Til Schwieger rennt als verbeulter Actionheld den bösen Buben hinterher.

Die "Fleischmarkt"-Story

Mord ist sein Hobby, könnte man meinen. Gleich in der Auftaktszene richtet Kommissar Tschiller ein Blutbad an: drei Gangstertode (ein Unglücklicher wurde mit einem Toaster verprügelt) am ersten Arbeitstag beim LKA-Hamburg. Sein Kollege Yalcin Güter landet bei der Jagd auf eine Mädchenhändler-Mafia im Krankenhaus und hackt sich im Krankenbett liegend in alle denkbaren Netzwerke ein, während er sich nebenbei seinen Aufenthalt in Big-Brother-Manier versüßt. Im Alleingang versucht Tschiller schließlich die Hintermänner des Astan-Clans zu stellen und seine Zeugin, eine minderjährige Zwangsprostituierte, zu schützen. (By the way, das Thema Kommissar beschützt einsames Mädel wurde gerade erst im Bremer-Tatort thematisiert.) Dabei kommen sie Tschiller’s ex-Kollegen Max Brenner auf die Spur, – dem man eigentlich eine Piloten-Brille aufsetzen und ein Goldketterl umhängen müsste, um seinen Zuhälter-Look zu vervollständigen -, der aufgrund einer nicht bewilligten Beförderung nun auf dem "Fleischmarkt" beratend tätig ist und seine ex-VE-Connections mit dem Astan-Clan teilt.

Der Schweiger-Man und die Frauen

Nick Tschiller verkörpert dabei alles andere als einen klassischen Kommissar, vielmehr stellt er eine Symbiose aus klassischen Schweiger-Rollen ("Schutzengel" trifft auf "Kokowääh") dar: Mal macht er den minderbemittelten, mimiklosen Actionhelden, der einem fahrenden Van hinterherrennt und ihn (natürlich) erklettert, oder durch ein Fenster springend mal eben das Stockwerk wechselt; mal spielt er den den fürsorglichen, nuschelnden Vater, der jeden Morgen daran scheitert, seiner Tochter ein weiches Ei zu kochen.

Ach, und die Frauenfiguren wurden außerdem etwas überzeichnet. Die rennen hier entweder als blondes Krankenschwestern-Engelchen, hinterlistige Geliebte, hilfloses Mädchen oder strenge Anwältin durch die Handlung.

Blockbuster-"Tatort"

Gut, dieser "Tatort" war stellenweise durchaus überzogen, aber die Formel "Action statt überpsychologisierte Kommissare" sorgte diesmal für nette Abwechslung. In Summe war "Willkommen in Hamburg" gar nicht so übel.

Heißer Tipp: Im Brennraum (Wallgasse 28, 1060) gibt’s übrigens jeden Sonntag ein gemeinsames Tatort-Schauen – bei freiem Eintritt , günstigem Bier und gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre. Wer den besten Platz vorm Kamin haben will, sollte auf jeden Fall früher kommen.

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