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Das Hohe Haus

3. April 2013 • Kultur1 Kommentar zu Das Hohe Haus

Das Recht geht vom Volke aus – so steht’s seit mehr als neunzig Jahren in der österreichischen Verfassung – und der Souverän hat die Macht sogleich an das Parlament weiterdelegiert. Wer den Volksvertretern also einmal in die Karten schauen will, kann das nicht nur einmal die Woche bei „Hohes Haus“ auf ORF2 tun, sondern bei vielen Debatten und Sitzungen live dabei sein. Klingt langweilig – ist aber durchaus unterhaltsam.

Volle Galerie, leere Ministerbank

Der Besuch im Parlament ist natürlich gratis, wer also einen Lichtbildausweis bereit hält und die Sicherheitskontrolle ohne gröbere Zwischenfälle überwindet, der kann die drei Stockwerke hinauf auf die Galerie in Angriff nehmen und versuchen, einen Sitzplatz zu ergattern. Denn erstaunlicherweise waren die Ränge selbst an einem Märztag voll besetzt: so groß kann die Politikverdrossenheit der Wiener gar nicht sein. Vor allem Schulklassen, Studierende und Senioren drängen sich in den Reihen. Auf den Bänken und Fauteils der Abgeordneten im Nationalrat allerdings herrscht eher Leere, aber auch die leeren Sitze sind ja durchaus einen Blick wert: braunes Leder und grüner Samt- und Marmorboden sind so traumhaft 1950er – das sollte man vor der Renovierung unbedingt noch einmal live gesehen haben.

Die Politikstars hautnah

Leere Bänke also, denn die zahlreichen wirklich eher am unteren Ende der Rhetorik-Skala angesiedelten Reden vieler der 183 Abgeordneten wollen sich die meisten derselben wohl ersparen. Den Rest kennt man ja aus seinen eigenen Schulzeiten: Hin und wieder kommt ein liebloser Zwischenruf aus den Reihen der „gegnerischen“ Partei, aber hauptsächlich ist der Widerstand ein passiver. Während die Abgeordneten der FPÖ bei den grünen Reden lustlos in der Krone blättern, wischen diese bei den blauen Rednern gelangweilt auf ihren iPads herum – man verzeihe die klischeehafte Darstellung. Applaudiert wird ebenfalls, natürlich meistens nur für die eigene Partei. Zu den Abstimmungen trudelt dann aber doch noch die gesamte Riege der Spitzenpolitiker ein – ein erhebender Moment.

BesucherInnenzentrum

Wesentlich mehr Edutainment bietet das BesucherInnenzentrum des Parlaments im ersten und zweiten Untergeschoß, das man direkt hinter der Statue der Pallas Athene betreten kann. Dort kann man sich nicht nur über diese Grande Dame des Parlaments informieren, sondern auch über den Rest des Gebäudes – und vor allem über die österreichische Demokratie. Der Zugang zum BesucherInnenzentrum ist frei, der zu den Debatten ebenfalls. Wer also einen günstigen Tag zwischen Bildung und Entertainment mit der österreichischen Demokratie verbringen will: das Programm der nächsten Monate findet man auf der offiziellen Seite des Parlaments.

Parlament



 

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Eine Antwort auf Das Hohe Haus – Verstecken

  1. hoozn sagt:

    tv-tipp
    auf orf3, der auch über die hausantenne empfangbar ist, werden liveübertragungen öfter (oder zumindest länger) als auf orf2 angeboten.

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