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28. März 2013 • Film / TV

Der unglückliche Doktor Faust, der auch nach intensiver Studiererei so klug als wie zuvor ist, versetzt in ein düster-romantisches Setting aus verschwommen weichgezeichneten Nahaufnahmen in einem in grünliches Sepia getauchten Städtchen.

Der ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts katapultierte Faust Sokurows, gespielt vom österreichischen Theaterschauspieler Johannes Zeiler, ist ein Melancholiker, depressiv und aufgerieben von der Welt und der eigenen Provokation, die das Einzige ist, zu der ihm seine Lebensgeister noch verhelfen. Georg Friedrich spielt den zwischen Unterwürfigkeit, Gottesfurcht und Vatermord oszillierenden Famulus Wagner. Mephistopheles wird zu der an Gollum erinnernden Figur des Mauricius Müller (Anton Adasinskiy), der, selbst schwächlich anmutend, zu Faust steht wie der Psychoanalytiker zum Patienten: Einer, der das Dilemma zwar verstanden hat, aber von der Auswegslosigkeit des menschlichen Daseins selbst nicht unbetroffen ist. In der Art und Weise, wie er sein merkwürdiges, buckliges und geschlechtsloses Wesen offen zur Schau stellt, ist er dabei selbst verletzlich.

Die Erde hat ihn wieder

Dieser Faust und sein Wucherer sind beide Ausgestoßene und Aufgegebene, wenig heldenhaft, fast unmündig in ihrer Lethargie. Kein leidenschaftlicher Mephistopheles, keine leidenschaftliche Abwehr durch Faust. Der schert sich wenig um seine Seele, immerhin hat er sie auch nach intensiver Suche im menschlichen Körper nicht aufspüren können, diese Seele. Im Zweifel also für die Wissenschaft. So scheint ihm die Vertragsschließung egal, einzig die Schreibfehler des Wucherers sind ihm eine Demütigung wert.

Schall und Rauch

Alexander Sokurows ‚Faust‘ ist der letzte Teil einer Tetralogie über Männer, die im großen Stil riskieren und ebenso fulminant scheitern. Bei ‚Moloch‘ (1999) war es Hitler, in ‚Taurus‘ (2000) Lenin, in ‚Die Sonne‘ (2005) der japanische Kaiser Hirohito, deren Machtstreben und Zerfall seziert wurden. Wohl basierend auf der Vorlage Goethes ist der Stoff sehr frei adaptiert hin zu einem düsteren, märchenhaften Epos, das mehr an den Herr der Ringe als an frühere Adaptionen des Materials erinnert.

Eine düster-faszinierende Adaption des unsterblichen Materials. Die Unglücklichen werden gefährlich bleiben.

Maxi Lengger

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