Kultur – Film / TV

Colombiana

DVD-Tipp: Colombiana

2. Juli 2013 • Film / TV

Es ist keine lustige Zeit in Kolumbien zu Beginn der 1990er Jahre. Mit eigenen Augen muss die neunjährige Cataleya (Zoe Saldana) mitansehen, wie ihre Eltern von Mafiaboss Don Luis niedergemetzelt werden. Nur mit viel Mühe kann sie sich vor den Mördern retten und zu ihrem Onkel Emilio (Cliff Curtis) nach Chicago fliehen. Schnitt – fünfzehn Jahre später. Cataleya ist in der Zwischenzeit zu einer erfolgreichen Profi-Killerin herangereift. Insgeheim verfolgt sie jedoch nur ein Ziel. Sie will Rache. Rache an Don Luis und an denen, die ihre Eltern ermordet haben. Mit einer spektakulären Mordserie will sie den Gangsterboss auf sich aufmerksam machen und aus der Reserve locken. Wird dieser doch seit Jahren schon als Informant von der CIA in den USA versteckt. Schneller als ihr lieb sein kann nehmen seine Schergen wieder ihre Fährte auf und auch das FBI ist der geheimnisvollen Killerin auf der Spur. Eine mörderische Hetzjagd beginnt und Cataleya ist viel lieber Jägerin als Gejagte…

Profi-Killerin?! Da war doch was…

Auch er ist ein Serientäter. Nach seiner furiosen Nikita zu Beginn der 1990er lässt Luc Besson auch mit Columbiana als Produzent wieder eine eiskalte Expertin Kopfschüsse verteilen. Und wie in Léon – Der Profi geht es der Nachwuchskillerin vor allem um Rache. Rache für den Mord an der eigenen Familie. So kann man im Plot des Action-Thrillers von Regisseur Olivier Megaton eine Hommage an seinen Meister und ordentliche Versatzstücke seines Oevres erkennen. Cataleya mordet perfekt und kaltblütig wie Nikita und weiß schon in jungen Jahren wem sie an den Kragen will und was sie dafür zu lernen hat, ebenso wie Léons Mathilda.

No hugging, no learning

Trotzdem schafft es Megaton der Geschichte einen neuen Drall zu geben. Im Spannungsfeld zwischen ihrem unstillbaren Durst nach Vergeltung, der sie immer weiter in das Blickfeld der Öffentlichkeit und ihrer Feinde zwingt, und dem notwendigen Understatement, das in der Szene der professionellen Problemlöser das Leben verlängern kann, droht sie sich selbst aufzureiben. Ihr eigener Furor, der sie einst am Leben erhalten hat, zieht sie nun in den selbstentfachten Strudel aus Gewalt hinunter. Kann man ihre Motive und ihre Mittel (sie bringt eben ohnehin nur Bösewichte um) bis hierher mit etwas Hollywooderfahrung noch verstehen, schreckt sie im Laufe ihres Feldzuges auch vor Morddrohungen an Unschuldige nicht mehr zurück. Sine ira et studio erzählt Megaton eine Geschichte, die mit einem Blutbad begonnen hat und auch nur mit einem noch viel größeren enden kann. Hier stört weder ein moralischer Dudu-Finger, noch eine retrospektive „Das-kommt-dabei-heraus“-Pädagogik oder fade Larmoyanz. Rache kann eine Sucht sein und Gewalt ist Realität. Punkt aus.

Jason Bourne auf Rachefeldzug

„Mir schwebte ein Actionfilm á la Jason Bourne vor, nur eben mit einer Heldin statt eines Helden“, beschrieb Megaton seine Ausgangsidee zu Colombiana. „Und der Film sollte auf jeden Fall ernsthafter und weniger albern als Transporter 3 werden. Dafür war Colombiana ideal. Es ist eine Art Hommage an Nikita und Léon – Der Profi. Ich wollte die Psychologie der Hauptfigur ausloten und an ihre Grenzen gehen.“
Mit Zoe Saldana tat er bei der Auswahl der tief gespaltenen Killerin einen guten Griff. Nach ihren wenig erdnahen Rollen in Avatar und Star Trek schafft sie es in Colombiano wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen und muss sich damit hinter keiner Nikita verstecken.
Etwas schwerer tut sich da Cliff Curtis als Zieh-Onkel Emilio, der, vielleicht ob seiner kürzeren Leinwandpräsenz, vor allem wohl aber wegen des übermenschlichen Schatten von Léon Jean Reno als Aufpasser und Lehrmeister, nicht so wirklich an Format gewinnen mag.

Colombiana behelligt nicht übermäßig mit althergebrachter Hollywoodmoral und bietet spannende und actionreiche Unterhaltung. Wer Léon und Nikita mochte wird hier mit Sicherheit auch seinen Spaß finden. Dass es einen aber nicht vor lauter neuen Ideen aus den Latschen kippt liegt in der Natur der Sache. So ist das halt mit den Hommagen. Dennoch lohnt sich diese DVD-Investition für Fans dieses Genres.

Trailer:

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