Kultur – Film / TV

Crazy Heart

DVD Tipp: CRAZY HEART

18. Juni 2013 • Film / TV

Gut sieht es nicht aus für den Country-Sänger Bad Blake: die fetten Jahre sind vorbei, der Name eine Erinnerung an erfolgreichere Tage, an große Songs rund um Verzweiflung, Dämonen und Liebe – konzertiert wird mittlerweile in Provinz-Bowlingbahnen, runtergekommenen Bars, gewohnt wird in Motels. Gerade genug Geld fürs Benzin vom Pick Up, und weil der Whiskey nicht mehr gratis fließt, aber ohne auch nichts geht, muss Blake eben improvisieren.
Neue Songs hat er sowieso seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben, die Band ist jeden Abend eine andere, lokale Musiker, zur Probe kommt er nur ungern. Die Performances sind beherzt aber besoffen, einmal rennt er während dem Konzert raus, kotzt sich in einen Mülleimer aus, wischt sich den Mund ab , geht wieder auf die Bühne und beendet das Konzert.
Von ein paar Leuten wird Bad („I’ve been bad all my life“, sagt er, als er nach seinem echten Namen gefragt wird) noch hofiert, ein paar alternde Groupies gibt es noch, der Name ist größer als die Realität – und als eine junge Journalistin namens Jean, gespielt von Maggie Gyllenhaal, ein Interview mit ihm macht, verliebt er sich in sie.
„Crazy Heart“ besticht in erster Linie durch zwei Dinge: einerseits durch den grandiosen Soundtrack (inklusive dem vielprämierten, wunderschönen „The Weary Kind“), und andererseits durch den großartigen Jeff Bridges. Dieser bietet in „Crazy Heart“ eine fabelhafte schauspielerische Leistung.
Grummelnd, versoffen, scheinbar am Ende, für die totale Verzweiflung aber einfach zu stur. Dass der Film, trotz vielerlei Stereotypen, nie zu gefühlsduselig wird, ist einzig und allein ihm zu verdanken.
Der Plot an sich ist eher unaufregend: Der Barde, zum Anachronismus verkommen und dem Suff verfallen, richtet sich wieder auf, ist irgendwann wieder auch bei den Jungen angesagt und steigt wieder auf, kriegt sich wieder ein. Die Story ist auch in der Realität nicht unbekannt, der abgehalfterte County-Star von gestern, der zig Jahre und zig Entzüge (im Falle Blakes einen) später wieder zu neuer Popularität gelangt.
„Crazy Heart“ ist vor allen Dingen deshalb sehenswert, weil Mr. Bridges diesen Film trägt. Dessen stoisches Understatement  in Emotion, Mimik und Gestik rettet den Film über viele Strecken vor all zu argem Pathos – und das ist in einigen Situationen ein Kunststück.
Alles in allem, wie gesagt vor allem wegen Bridges, ein absolut sehenswerter Film.

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