Kultur

Franz Graf: Blick in die Ausstellung

DERR SCHRECKEN JEDOCH VERMEERTE MEIN INTERESSE

8. August 2011 • Kultur

Unverhüllt und direkt kommen sie daher, die Bilder der Ausstellung DERR SCHRECKEN JEDOCH VERMEERTE MEIN INTERESSE, auf denen großteils die Spielarten der Liebe thematisiert sind. In seinem unverkennbaren Stil stellt Graf die Liebe und den Tod gegenüber und heizt die Bawag Contemporary mit einer gehörigen Portion Sex auf.

Betritt man die Räume der Bawag Contemporary, findet man sich plötzlich in einer Art Lustkabinett wieder. Auf schwarz-weiß gehaltenen Malereien sind wogende Frauenbrüste und Schenkel in Bondage-Technik, einer Form der lustvollen Stimulation, gefesselt. Die Gesichter sind dem Betrachter entweder abgewandt oder nicht mehr erkennbar, da durch Arabesken, Kreuze oder Masken verdeckt. Letztere sind auch als Objekte neben kleinen Skulpturen und Sexspielzeug ausgestellt.

Bereits der Titel der Ausstellung spielt auf den ob der Obszönität der Bilder erschrockenen Betrachter an, der sein neugieriges Interesse gleichzeitig unverholen kundtun darf. Der erotischen Körperlichkeit der Abbildungen stellt Graf drei rostige Friedhofskreuze, die auf Holzstapeln liegen, gegenüber. Die Kreuze hat der Künstler von seinem Zweitwohnsitz im Waldviertel mitgebracht. Das Kreuzmotiv zieht sich wie ein roter Faden auch durch die Bilder, mal als feine Zeichnung, mal kaum wahrnehmbar in die schwarze Farbe eingeritzt. Diese Gegenüberstellung bzw. Verbindung des Eros mit der religiösen Symbolik des Todes irritiert im ersten Moment. Für den Künstler entzieht sich die Zuschreibung aber einem Gut oder Böse.

Irritationsmomente dieser Art sind im Werk Franz Grafs häufiger anzutreffen – seine Arbeiten, denen Arabesken, Ornamenten, florale sowie geometrische Formen inhärent sind, verdichten sich zu einem vielschichtigen Code, dessen Entschlüsselung allein dem Betrachter überlassen bleibt.

Die Ausstellung hatte der Künstler innerhalb eines Tages ganz alleine gesetzt, das Aufbau-Team der Bawag Contemporary vorher nach Hause geschickt. Für die Präsentation seiner Arbeiten scheinen die Räume der Bawag Contemporary geradezu geschaffen zu sein. Die hellen lichtdurchlässigen Räume lockern auf und nehmen der lustvollen Folterkammer ihren Schrecken. (Barbara Pflanzner)

Konzert "Franz Graf and guests"
Mittwoch, 24.8., 21 Uhr

Bawag Contemporary
täglich 14 – 20 Uhr
Führungen jeden Donnerstag 18 Uhr
Eintritt frei.

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BAWAG Contemporary

Franz Josefs Kai 3
1010 Wien
http://www.bawag-foundation.at/

Öffnungszeiten: täglich 14:00 – 20:00 Uhr
\r\nFührungen: jeden Donnerstag, 18:00 Uhr

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