Wien – Debatte

Operation Payback

Cyberwar!

13. Dezember 2010 • Debatte

Keine Zeitung, kein Magazin, keine Nachrichtensendung, ja fast keine Konversation kommt derzeit ohne Wikileaks und Julian Assange aus. Eine Geschichte wie aus einem Hollywoodblockbuster, oder eher einem Science Fiction Roman, Gut gegen Böse, eine Bewegung gegen die Mächtigen, ein Kampf gegen Ungerechtigkeit und für Freiheit. Eine Gruppe von Hackern, die der Enthüllungsplattform Wikileaks den Rücken stärkt, so öffentlich, wie noch nie zuvor. Stadtbekannt hat für euch zusammengefasst, was passiert, denn der Überblick geht leicht verloren.

Wikileaks und Julian Assange

Für alle die, die die letzten Wochen geschlafen haben, ein kurzer Überblick über die Geschehnisse. Wikileaks wurde als Plattform gegründet, die Informationen sammelt und frei zur Verfügung stellt. Diese Informationen betreffen öffentliche Angelegenheiten und sollen Missstände oder Skandale aufdecken, wobei Wikileaks selbst die Leaks sammelt, bereitgestellt werden sie von Whistleblowern auf der ganzen Welt. Seit 2007 sorgte Wikileaks immer wieder für Aufsehen, 2010 wurde ein Video zu den Luftangriffen in Bagdad 2007 veröffentlicht, was zu internationalem Medienecho führte.

Ende November 2010 wurden dann die Veröffentlichung von 250.000 diplomatischen US-Berichten angekündigt, die seitdem in Häppchen ins Netz tröpfeln. Einige große Zeitungen wie der Spiegel, die New York Times oder Le Monde haben die Infos schon vorab erhalten und in Eigenregie aufbereitet und zugänglich gemacht. Dieser Leak scheint die Welt in zwei Lager geteilt zu haben, die sich entlang der Konfliktlinien Meinungsfreiheit, Kontrolle und Macht über die Berechtigung der Enthüllungen streiten.

Julian Assange wurde kürzlich in London verhaftet, nachdem er sich dort der Polizei gestellt hatte. Ende August/ Anfang September wurde er wegen Vergewaltigung angezeigt, wobei die Vorwürfe der beiden vermeintlichen Opfer  von verschiedenen schwedischen Staatsanwältinnen unterschiedlich beurteilt wurde. Die beiden Schwedinnen gaben an, dass Assagne von ihnen ungeschützten Sex verlangt hatte, mit geschützten wären sie einverstanden gewesen. Es wurde ein Haftbefehl gegen Assagne gestellt, sogar Interpol suchte mittels internationalem Haftbefehl nach dem Wikileaks-Kopf. UnterstützerInnen von Wikileaks sehen der Anzeige und besonders der unter den Umständen seltsamen Fahndung durch Interpol skeptisch gegenüber, in der Huffington Post bedankte sich eine Journalistin bei Interpol dafür, dass sie nun als "Dating-Police" agiert, was den Nagel auf den Kopf zu treffen scheint. Auf jeden Fall eine sehr interessante Grundlage für eine internationale Fahndung. 

Operation Payback

Was sich nun abspielt, kann getrost Cyberwar genannt werden. Jedem Angriff auf Wikileaks wird von Seiten seiner UnterstützerInnen ein Gegenangriff entgegengesetzt. Besonders intensiv involviert ist die Gruppe „Anonymous“, die mit ihrer „Operation Payback“ Wikileaks und Assagne den Rücken stärken. Die Hackergruppe startete Angriffe auf die Webseiten von Visa, Mastercard, Paypal und andere Finanzunternehmen, die entweder Wikileaks oder Julian Assange ihre Dienste verweigerten. Passend zu ihrer Mission lehnen sich die Hacker an "V for Vendetta" an, siehe Bild oben. Also ein sehr symbolbehafteter Konflikt, indem Assange und Wikileaks heroisch gerächt werden sollen. Auch nach der Festnahme eines 16-jährigen Aktivisten lassen sich Anonymous nicht von ihrer Mission abbringen. Das Motto von Anonymous wie folgt:

We Are Anonymous,
We Are Legion And Divided By Zero.
We Do Not Forgive Internet Censorship
And We Do Not Forget Free Speech.
We Are Over 9000,
Expect Us!

Cyberwar

Was sich derzeit abspielt, hat es zuvor in der Form noch nie gegeben. Zwar gab es natürlich auch schon vor "Operation Payback" Angriffe seitens Hackergruppen, sowohl gegen Webseiten von Finanzunternehmen als auch von internationalen Organisationen, aber das Ausmaß der Schlacht, die Anzahl an Akteuren und die breite Debatte darüber in der Öffentlichkeit machen die "Operation Payback" zu einem Cyberwar ungekannten Ausmaßes. Das Schlachtfeld wandert in einen Raum, der vielen nicht einmal mehr zugänglich oder verständlich ist, ein Kampf, der so symbolträchtig ist, dass Millionen von Menschen zu lautstarken UnterstützerInnen werden. Der Schaden wird nicht Privatpersonen zugefügt, sondern großen Unternehmen, die plötzlich vor einer Gruppe Nerds zu zittern beginnen, dass hier viel Schadenfreude mitspielt, ist klar. Wie weit das ganze gehen wird, was mit Assagne passieren wird, was Wikileaks noch in Peto hat und wie weit die Operation Payback noch gehen wird, ja, das verfolgen wir mit großer Spannung.

Was meint ihr?

Stadtbekannt steht Wikileaks übrigens um nichts nach, mutig veröffentlichen wir Dokumente, die uns von anonymen Quellen zugespielt werden, nämlich in der Reihe Stadtbekannt-Lecks!

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