Kultur – Musik

Copyright.

Copyrights von Musikstücken auf 70 Jahre verlängert.

19. September 2011 • Musik1 Kommentar zu Copyrights von Musikstücken auf 70 Jahre verlängert.

Fünfzig Jahre lang blieb bis dato das Copyright von Musikstücken bestehen. Das soll sich jetzt ändern.

Dass die Regelung des Haltbarkeitswerts von Copyrights von Musikstücken früher oder später geändert und die Zeitspanne des Bestehenbleibens jener Rechte ausgedehnt werden würde, war absehbar. Nun soll es soweit sein, und jener Haltbarkeitswert von fünfzig auf siebzig Jahre ausgeweitet werden. Höchste Eisenbahn für die Musikindustrie – schließlich fällt die Musik der sechziger Jahre (also quasi jene Dekade, ab dem das ganze von einem finanziellen Standpunkt so richtig interessant wurde) in jenes Raster.

Was würde das aber heißen, wenn jetzt zum Beispiel nach 50 Jahren das Copyright für ein bekanntes Musikstück erlöschen würde ? Heißt das, dass, der Komponist des Lieds, nach wie vor am Leben und über einen kontinuierlichen Fluss seiner Tantiemen ja auch nicht unglücklich, nun mehr jegliches Recht über sein geistiges Eigentum verliert ?

Das Leistungsschutzrecht

Prinzipiell dreht es sich hier um das sogenannte Leistungsschutzrecht, und dessen bisher fünfzigjähriger Rahmen sagt noch nichts über die Urheberrechte, also Text und Musik aus. Diese sind mit einem Zeitrahmen von siebzig Jahren nach Tod des Komponisten versehen. Um was aber geht es dann?

Angenommen, Album X von den Beatles feiert den fünfzigsten Geburtstag. Nach der alten Regelung würde also das Copyright somit enden und jeder hätte das Recht, eine eigene Pressung auf den Markt zu bringen und damit Geld zu verdienen. Man kennt ja zum Beispiel die ganzen TV-Werbungen aus Verkaufskanälen, in denen irgendwelche alten Elvis-Sampler von irgendeiner Hinterhof-Plattenfirma (die mit Elvis-Originallabel natürlich nichts in der Welt zu tun hat) angeboten werden. Sowas wäre fortan auch beim jeweiligen, wiederum als Beispiel, Beatles-Album möglich.

Hinterhof-Pressungen und deren Relevanz

Nun stellt sich natürlich schon die Frage, ob derartige Pressungen überhaupt außerhalb des Quellekatalogs oder vielleicht der Drei Euro-Wühlkiste bei Libro einen Funken an Marktrelevanz hätten. Andererseits schlägt die ohnehin bereits bis ans Knochenmark abgemagerte und gebeutelte Musikindustrie hier natürlich Alarm. Auch jene, die nicht als primäre Komponisten und Texter an derartigen Alben beteiligt waren, unter anderem auch tantiemenbeteiligte Musiker in den jeweiligen Musikstücken, wären bei einem derartigen Erlöschen natürlich klar im finanziellen Nachteil.

In erster Linie geht es also um die Labels, um die Plattenfirmen, die bei einer solchen Regelung natürlich die Arschkarte in der Hand haben – auch wenn es wie gesagt äußerst fraglich ist, ob eine vom Hinterhoflabel Fritzi Müller gebrannte Compilation-CD mit Photoshop-Cover (nicht zu vergessen hier natürlich auch, dass Photographien auch ein Copyright besitzen) überhaupt in irgendeiner Form relevant sind.

Für die Popmusik-Industrie – die in den Sechzigern erst so richtig erblüht ist, ein paar beinahe biblische, fette Jahre(-zehnte) feierte und dank aufkommenden Technologien und sich dadurch änderndem Kauf- und Ethikverhalten beim Musikkonsum sowie falschen Entscheidungen und Einschätzungen von Entwicklungen, Problemen und deren Lösungen ratlos dahinschwimmt – ist das natürlich dennoch eine wesentliche und neue Frage.

Reden wir in zwanzig Jahren nochmal weiter.

Siebzig Jahre also – in zwanzig Jahren reden wir weiter, wie es dann aussieht.

(Markus Brandstetter)

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Eine Antwort auf Copyrights von Musikstücken auf 70 Jahre verlängert. – Verstecken

  1. Charles sagt:

    Des Plattenlabels letzter Seufzer.
    Einmal geht noch aber das wars dann. Ärgerlich genug, dass die lobbyiingkraft zu dieser Tat noch reichte. Egal ist der Spuk halt etwas später vorbei.

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