Lifestyle – Im Gespräch

Clemens Haipl.

Clemens Haipl im Gespräch über „Goodbye Rock’n’Roll“.

15. Oktober 2011 • Im Gespräch

"Goodbye Rock´n´Roll" heißt Clemens Haipl neues Buch, das er gemeinsam mit dem Drehbuchautor Max Witzigmann geschrieben hat – ein elektronischer Briefwechsel rund um das Vatersein. "Goodbye Rock´n´Roll" ist mittlerweile sein viertes, nach "Die 100.000 wichtigsten Österreicher" mit Florian Scheuba und der Kolumnensammlung "Ich scheiß mich an" erschien letztes Jahr "Sind wir bald da – Clemens Haipl sucht den Jakobsweg".

Clemens Haipl im Gespräch mit Markus Brandstetter.

Langweilig war ihm in der Zwischenzeit wohl eher nicht, seit damals, als ich ihn das erste Mal zum Gespräch traf – so gab es neben seiner Arbeit bei FM4 als Programmgestalter wie Projekt X-Hauptprojektleiter und seiner musikalischen Tätigkeit, die sich derzeit auf Depeche Ambros konzentriert, vor allen Dingen seinen bald zweijährigen Sohn Jakob – Sohnemann Nummer zwei ist unterwegs und wird im Dezember das Licht der Welt erblicken. 

Clemens Haipl war bei stadtbekannt ja der erste Prominente in unserer "Im Gespräch"-Reihe, mittlerweile gab es drei ausführliche Gespräche mit dem Berufskreativen (ein ausführliches Gespräch über sein Jakobsweg-Buch wie auch über Projekt X an dieser Stelle, ein Interview speziell über Depeche Ambros und das Musikmachen hier).

"Das einzig humorfreie, das ich gerne lese”, erzählt mir Haipl in einem stundenlangen Gespräch, sind Sachbücher. Geschichtsbücher, Sachbücher: die dürfen ruhig humorfrei sein. Oder die müssen halt so spannend sein, dass es wieder fetzt. Und so spannend bin ich nicht, deswegen muss ich ein bisschen zynisch sein. Das ist das selbe bei spannenden Bands: mir fällt keine spannende ein, die nicht über ein bisschen Humor verfügt. Rammstein, zum Beispiel: tschuldigung, extrem lustige Leute: sind die erfolgreichste Band, und sind sich nicht zu blöd, in einem vollen Stadion in München zu Schuhplatteln". Wir haben über viel geredet an dem Abend. Über Depeche Mode und Rammstein, über Projekt X und seine anderen Projekte. Irgendwann haben wir das Aufnahmegerät ausgeschalten und weitergeredet, und das eine oder andere Bier getrunken. Hier ein Auszug.

Ist der Rock´n´Roll echt weg?

Hallo, es ist halb sechs, wir trinken das zweite Bier und rauchen Zigaretten. Und morgen spiel ich mit Depeche Ambros (lacht). Da kann der Rock´n´Roll nicht weg sein.

Dein Sohn, der jetzt zwei Jahre alt wird, ist ja auch Rock´n´Roller, du hast mir letztes Jahr mal erzählt, dass er AC/DC so gerne mag.

Ja, und zwar "You Shook Me All Nite Long" in der Live At Donington Version. Sobald da das Intro ertönt, jauchzt er schon. Und wenn er zwei mal auf den Tisch trommelt, dann weiß ich, dass heißt jetzt dass ich zum Radio gehen muss und We Will Rock You von Queen aufdrehen soll. Klar, er mag viele Kinderlieder, die er im Kindergarten lernt – AC/DC und Queen mag er aber auch sehr gerne nach wie vor, glaube ich. Mein Vater hat damals Jazz und Klassik gehört, das war für mich damals die Fahnenstange der Argheit. Bei Rammstein muss man allerdings ein wenig aufpassen, nicht weil es zu böse ist sondern weil es zu viele Sinneseindrücke sind. Du kannst einem kleinen Kind auch keine schnell geschnittenen Videoclips vorspielen, da ist es überfordert. Wenn da tausend Sounds und Eindrücke auf dich einprasseln, ist dein kleines Hirn völlig überfordert – AC/DC ist aber ein gemütlicher Blues, ein bisschen lauter gespielt.

Du meintest ja übers Kinder kriegen, dass es – so schön es auch ist – man das mythologisch jetzt nicht überbewerten sollte.

Ja, weil es eigentlich lächerlich ist: meine Mutter hat ja auch ein Kind bekommen, vier sogar. Für mich selber war es natürlich super, aber universell muss man das dann doch relativieren, dass man nicht der Erste ist. Klar könnte man sagen, es schreibt doch eh jeder ein Buch drüber, ich aber finde, es ist egal was man schreibt, es kommt darauf an wie man es schreibt". 

Weil ja auch bei einer Geburt lustige Dinge passieren, wie die eine Dame, die dich beinahe dazu zwingen wollte, endlich etwas zu essen.

Ich glaub die wollt eher, dass ich endlich verschwinde. Das war irgendwann zwischen zehn Uhr Abends und vier Uhr früh. Die wollte, dass ich mich endlich schleich´. Bei der Geburtsvorbereitung vorher war’s so langweilig, dass ich dauernd mit dem iPhone gespielt habe – am Ende war dann der Akku leer und ich konnte nicht einmal jemanden anrufen, um zu sagen dass das Kind da ist (lacht). Aber im ernst, es ist eben das Normalste auf der Welt, Tod und Geburt. Ich finde es aber interessant über Normales, auch mal Banales zu schreiben, meine meisten Kolumnen handeln von so etwas. 

Du meintest mal, dass es als Künstler leichter ist, Eltern zu sein weil man sich die Zeit einteilen kann.

Ich habe das zumindest gehofft. Klar ist das ein Vorteil, dass man sich die Zeit einteilen KANN, es gibt aber auch den Nachteil, dass ich mir selbst einteilen MUSS. Zu entscheiden, ich gehe jetzt etwas arbeiten oder ich spiele mit dem Kind – manchmal ist das nicht so einfach. Aber ich mag das, ich möchte das nicht anders haben. Ich habe mir überlegt, ein Büro einzumieten und dann dezidiert dorthin zu gehen um zu arbeiten. Nick Cave meinte vor einigen Jahren ja auch, er geht zu fixen Zeiten ins Büro um zu schreiben. Ich glaube auch nicht, dass Mötley Crüe in einer Hand das Kind haben und in der anderen die Bassgitarre und losdrücken. Man muss das trennen – aber klar, es ist schön, sich dass frei einteilen zu können.

Zuhause arbeiten ist logischerweise schwierig…

Ja, klar – ein Zweijähriger kann nicht unterscheiden ob du vor dem Computer sitzt und einfach so Internet surfst oder ob du etwas arbeitest. Er sieht den Computer, und will lieber Barbapapa schauen drauf. Da kann ich ihm hunderttausend Mal sagen, du, ich muss jetzt die Steuer machen, das ist dem völlig wurscht, nicht einmal das, er versteht das natürlich nicht.

Ein zweites Kind ist unterwegs, ein Bub, stimmts? Planst du eine Eishockeymannschaft?

Ja, oder eine Band. Einer kriegt ein Schlagzeug und der andere ein E-Gitarre. Und dann wollen sie beide Jus studieren, schön blöd (lacht). ist ja oft so, dass die Kinder das absolute Gegenteil von den Eltern machen vollen, bei bürgerlichen Eltern wird das Kind rebellisch, und bei Alt 68ern will es auf einmal zu einer Burschenschaft gehen. In dem Fall habe ich aber Glück gehabt, weil mein Sohn einen guten Humor zu haben scheint. Ein kleiner Freigeist, tut gerne kritzeln – jetzt ist aber krank und schlecht gelaunt. Er haut mich ziemlich viel zur Zeit.

Nimmt er schon wahr, dass er einen Bruder kriegt?

Derzeit geht er davon aus, dass alle Leute ein Baby im Bauch haben. Natürlich macht man sich Gedanken, aber das geht schon, das ist normal. Mein Bruder hat auch damit leben müssen, dass ich auf die Welt komme (lacht). Der hat damals gehört, dass Obst gesund ist für kleine Kinder und hat mir den Kinderwagen dermaßen mit Fallobst zugeschüttet, dass ich fast erstickt wäre (lacht). Das war eh lieb gemeint, er hat gehört, wie die Erwachsenen reden im Garten und er hat alles an Obst gesammelt und in den Kinderwagen geschmissen. Ich hab nur noch faule Äpfel gerochen.

Anmerkung:

Clemens Haipls Buch “Goodbye Rock´n´Roll”, geschrieben zusammen mit Max Witzigmann, ist im Oktober erschienen. Es geht ums Eltern sein, auf eine nicht-klugscheißerische Art und Weise. Ratgeber für Eltern, erzählt Clemens, hat er einige bekommen. Die meisten hat er nach zehn Seiten weggelegt. Hier geht es eben um Anekdoten, aus der Feder Haipls und Witzigmanns, mit ihrer ureigenen Blickweise auf Dinge, rund ums Kinder haben. Der eine Ende Dreißig (Witzigmann), der andere 43. Ersterer bereits mit mehreren Kindern, der zweitere begeisterter quasi Jungvater.

Clemens Haipl macht auch neben dem Bücher schreiben viele Dinge, zum Beispiel Depeche Ambros. Oder Projekt X. Das sind getrennt zu sehende Dinge, und das kommt in jedem Gespräch, das ich mit ihm geführt habe, heraus. Zwar wird ein Mensch wie Haipl auch in düsteren Klanglandschaften als Mensch nicht bierernst agieren oder sich mit Literaturpäpsten über die Stilmittel seiner Bücher streiten, allerdings geht’s nicht um einen Kabarettisten, der Musik macht oder einen Autor, der während Lesungen auf Bananenschalen ausrutscht und lustig sein muss.  

Vielmehr, aber sollte eh klar sein, geht’s hier einfach um einen sehr speziellen Kopf, der unterschiedliche Dinge macht. Als nächstes, erzählt Clemens, würde er gerne ein Buch mit Kurzgeschichten schreiben, fiktiv und absurd, seinem Humor eben gerecht. Ja, ein wenig wie Projekt X vielleicht – etwas, bei dem Menschen vielleicht Sonnenschirme und Sitze aus Hotels klauen oder andere absurde Sachen passieren. So wie damals, als er sich im Fernsehen in den Westbahnhof verliebt hat, wir erinnern uns gerne. Oder vielleicht als Kellnerdompteur gearbeitet hat.

Das Buch sei sehr empfohlen – dem Rock’n’Roll tschüss gesagt hat aber sicherlich niemand, angeschissen darf sich weiterhin werden, um es mit dem Titel seines Kolumnenbuches, frei, zu sagen. Weil: wenn Depeche Ambros endlich mit einem Longplayer kommen, dann werden wir ihn wieder treffen. Und NUR über Rock’n’Roll reden! Versprochen und fix!

(Markus Brandstetter)

, , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »