Kultur

Cindy Sherman Untitled (Lucille Ball), 1975 / 2001 Gelatinesilberabzug; 30,2 x 23,8 cm © Cindy Sherman / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Cindy Shermann – That’s me, that’s not me

30. Jänner 2012 • Kultur

Eine schöne Frau blickt im Dreiviertelportrait aus der in schwarz / weiß gehaltenen Fotografie. Sie ist elegant im Stil der 50er gekleidet, mit schwarzen Handschuhen und Lippenstift. Auf dem nächsten Foto ist eine Frau mittleren Alters abgebildet, ein bisschen zu stark geschminkt, mit einem gehäkelten Hut auf dem Kopf sieht sie frontal zum Betrachter. Nicht, dass man es gleich erkennen würde, doch die abgebildeten Personen werden allesamt von derselben Frau verkörpert: der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman, deren Frühwerk aktuell in der Sammlung Verbund ausgestellt ist.

Shermann ist in ihren Fotoarbeiten stets ihr eigenes Motiv. Mal posierend, mal frech, mal, elegant, mal jung oder gealtert – immer ist die 1954 geborene Künstlerin bis ins kleinste Detail perfekt verwandelt. Seit ihren künstlerischen Anfängen in den 1970er Jahren inszeniert sich die Künstlerin durch Einsatz von Make-up, Perücken, Kleidung, Mimik und Gestik zu stereotypen Rollenbildern, klischeehaften Frauenfiguren und verschiedensten weiblichen Identitäten. Bezeichnend für ihre Arbeit ist, dass Shermann sich nie als private Person ablichtet, sie verkörpert immer eine von Vielen.

Die Sammlung Verbund zeigt nun etwa 50 Arbeiten aus dem recht unbekannten Frühwerk der Verwandlungskünstlerin. Entgegen der allgemeinen Vermutung geben sich nicht die berühmten Untitled Film Stills aus den Jahren 1977–1980 als ihre ersten, frühen Werke aus, sondern jene Fotografien, die sie bereits zwischen 1975 bis 1977 in Buffalo schuf. Diese lassen sich in drei Phasen untergliedern: In der ersten Phase lässt sich in einer fotografischen Sukkzession die Verwandlung des Portraits nachvollziehen (wohingegen in späteren Arbeiten nur mehr das Resultat der Transformation präsentiert wird). In Phase II weitet Sherman die Verwandlung auf den ganzen Körper aus, während in ihrer dritten künstlerischen Phase diese Performance dramatisiert wird und den Fotografien somit etwas szenisch-narratives anhaftet.

That’s me – that’s not me ist ein paradigmatischer Titel für die sehenswerte Ausstellung wie auch für das Oeuvre Shermans im Allgemeinen. Ihr Werk kreist stets um die Frage nach der Stellung und der Identität der Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft, um die Frage nach weiblicher Künstlerschaft und der Furcht vor Vereinnahmung und Fremdbestimmung.

(BP)

That’s me – That’s not me. Cindy Shermans frühe Werke
Vertikalen Galerie der Verbund-Zentrale
bis 16. Mai
Eintritt frei.


Abbildungsnachweise:
Cindy Sherman Untitled (Lucille Ball), 1975 / 2001 Gelatinesilberabzug; 30,2 x 23,8 cm © Cindy Sherman / SAMMLUNG VERBUND, Wien
Cindy Sherman Untitled (ABCDE), 1975 / 1985 S/W-Fotografi e aus der fünfteiligen Serie; 41,6 x 28,1 cm © Cindy Sherman / SAMMLUNG VERBUND, Wien
Cindy Sherman Untitled (Murder Mystery People), 1976 / 2000 S/W-Fotografie aus der 17-teiligen Serie: The Maid, 25,4 x 20,3 cm © Cindy Sherman / SAMMLUNG VERBUND, Wien

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Sammlung Verbund

Wallnerstraße 3, Top 24a
1010 Wien
50313-50044
www.verbund.com

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