Kultur – Musik

Chris Schermer

Chris Schermer: Acoustic Roots Musician for the new Millennium

27. März 2012 • Musik

Musikalischer Weltenbummler, Songschreiber zwischen Acoustic, Pop, Fingerstyle, travelling bluesman, Gitarrist im Sinne des Fingerstyles oder einfach jemand, der gute Songs mit viel Seele schreibt : viele Attribute treffen auf den Austro-Australier Chris Schermer zu, und doch ist es am zielführendsten, sich selbst ein Bild davon zu machen. 

Am 27.3. gastiert Schermer beim Vienna Blues Spring im Mozarthaus. „Diamonds from Demons“ heißt Schermers aktuelles Album (ein nächstes ist in der Mache), und die titelgebenden Dämonen werden mit einer kathartischen Mischung aus einzigartigem Gitarrenspiel (hier übernimmt die Gitarre, ganz im Sinne des Fingerstyles, gleich multidimensionale Funktionen) und erdigen Songs mit einer Menge Seele. Wir baten Chris Schermer zum Gespräch.

Chris Schermer im Gespräch mit Markus Brandstetter

Lass uns kurz über deinen Gitarrenstil sprechen. Du verbindest ja da "Fingerstyle", wo die Gitarre beinahe die Funktion einer ganzen Band übernimmt (Rhythmus, Percussion und Melodien) und sehr songdienliches Spielen. Wie würdest du deinen Zugang zum Instrument beschreiben?

Mehrstimmig. Es ist mir wichtig, dass sich Basslinien, Akkorde, Melodien und perkussive Elemente auf musikalische Weise songdienlich verbinden. Diese Art zu spielen hat eine gewisse Komplexität, soll aber trotzdem einfach klingen und es soll noch genug Platz sein, damit ich ausdrucksvoll dazu singen kann.

Die Akustikgitarre hat ja auch in der Popmusik durch Leute wie Dave Matthews, Jack Johnson und John Mayer wieder eine prominente Funktion übernommen, die über die Lagerfeuer-Romantik weit hinausgeht. Wer hat dich beeinflusst, wer hat dein Spiel geprägt?

Meine musikalischen Einflüsse waren sehr oft Leute, die auf der Akustikgitarre einen Großteil ihrer Songs geschrieben haben oder die sehr gute Akustikgitarren- Instrumentalisten waren. Dazu zählen die alten Blues Gitarristen wie Blind Blake oder Robert Johnson. Dann Gitarristen wie Leo Kottke, Davey Graham oder auch Eric Roche. Vom Songwriting, Feeling und Handwerk besonders Jimi Hendrix ,Bob Marley,Bob Dylan und Neil Young, Eric Clapton. Später hörte ich sehr viel Ben Harper. Neuerdings, wie du bereits erwähnt hast, John Mayer.

"Diamonds from Demons" heißt dein aktuelles Album – das klingt nach einem sehr karthatischen, befreienden Zugang: die Dämonen wegspielen, aus negativen Emotionen etwas Schönes kreieren. Ist das Schreiben für dich Katharsis?

Genau so ist es! Ich habe in meinem Leben viele Extreme erlebt, bereits mit 2 Jahren pendelte ich zwischen London und Zell am See (Austria) mehrmals jährlich hin und her. Ich war immer ein sehr neugieriger Mensch, der sehr offen für viele Einflüsse ist. Das Schreiben an Songs und Musik ist eine Möglichkeit, um Erfahrungen und im Körper und Geist gespeicherte Energien und Erinnerungen zu transformieren und sogar teilweise prophetisch zu agieren. Vieles von dem, was ich mit 20 Jahren geschrieben habe, ist 10 Jahre später auch wirklich passiert.

Du bist ja bekanntermaßen Austro-Australier. Erzähl uns ein wenig über deine Herkunft und wie die verschiedenen Orte dich beeinflusst haben, musikalisch wie auch persönlich.

Meine Mutter war aus einer sehr wohlhabenden australischen Familie und heiratete nach Kaprun in AUT (meinen Vater), das zu dieser Zeit ein kleines Bauerndorf war. Dies ging nicht lange gut und so zog meine Mutter nach London – was quasi in der Nähe lag, auf halben Weg zwischen Australien und Österreich. Mein Vater heiratete nochmals eine Australierin und somit wurde bei uns immer eine Art Mischsprache gesprochen: Denglish.

Wie oben erwähnt pendelte ich zwischen verschiedenen Orten, Zell am See, London und Perth, aber auch zwischen den verschiedensten Gesellschaftsschichten. In England saßen wir oftmals am Mittagstisch mit Prinz Charles zusammen und am Nachmittag ging ich zum Battersea Park Playground, und spielte mit den Kindern, die meist aus ärmeren Verhältnissen kamen. Ich hatte dadurch die Möglichkeit, unterschiedliche Lebensweisen kennen zu lernen, musste aber auch lernen mich von früh an zu behaupten und mich selbst zu beschäftigen. Daher war ich oft als Kind im Sport sehr aktiv – war zb. mit elf Jahren österreichischer Breakdance Staatsmeister, Skiläufer, Skateboarder, Surfer, Snowboarder und blieb schlussendlich dann bei der Musik.

Mein Vater hatte eine Diskothek/Bar und dort hörte ich schon als Kleinkind viel Musik von den Beatles bis zu Led Zeppelin und der Nachbar meiner Mutter in London war Cat Stevens. Ich war oftmals nachmittags im Alter von 6 /7 Jahren bei ihm, als meine Mutter in der Arbeit war.

Du hast unter anderem mit Wallis Bird, Donavon Frankenreiter und Ben Harper (auch ein sehr großes Kaliber in Punkto Akustikgitarren-Pop) gespielt und gearbeitet, erzähl uns ein wenig darüber. Welche Zusammenarbeiten würden dich noch reizen?

Da gibt es sehr viel. Am meisten Bob Marley, der leider nicht mehr lebt. Ich würde gerne mal mit John Mayer spielen oder mich mal mit Bob Dylan hinsetzen, um einen Song zu schreiben. David Leach (Percussionist von Ben Harper, Donavon Frankenreiter, Earth Wind and Fire ) hat ja auf meiner letzten Platte gespielt und Axel Wolph, ein Produzent der in Wien lebt, produziert mit mir mein neues Album (mit dem wir gerade begonnen haben), er arbeitet eng mit Ben Harpers ehemaligem Producer in Los Angeles zusammen.

Ich habe gerade für Jonathan Jeremiah (London) Support gespielt und es würde mir großen Spaß machen, wenn es die Möglichkeit gäbe, ihn auf einer gesamten Tour zu supporten. Da ich selber schreibe, würde mich besonders eine Zusammenarbeit mit dem Produzenten von Ben Harper und Jack Johnsen, J.P. Plunier, interessieren.

Du spielst ja sowohl Solo, hast aber mit "The Fonk" auch deine eigene Band. Inwiefern unterscheiden sich Solospielen und Auftritte mit der Band für dich voneinander – vom Zugang zu deinem Instrument, emotional et cetera?

Bei Solo- Auftritten hört man sich selber meistens sehr gut. Man kann die Akustik Gitarre von der tiefsten Bassfrequenz bis hinauf zu den Höhen voll ausreizen, aber man ist durchgehend sehr gefordert, alle Stimmen selbst zu produzieren. Man kann sich niemals auf jemand anderen zurücklehnen und muss von daher immer sehr konzentriert sein. Trotzdem darf die Lockerheit nicht fehlen.

Wenn man mit anderen Musikern zusammenspielt, ergibt sich eine Interaktion und Musikalische Kommunikation, die sehr Emotional sein kann und man kann sich auch mal auf den anderen verlassen und etwas mehr Platz lassen. Ebenso profitieren viele Songs von der Kreativität und dem handwerklichen Geschick der anderen Musiker.

Dein letztes Album ist ja auch eine Weile her, ist ein neuer Longplayer in Planung und wenn ja, kannst du uns schon ein wenig darüber erzählen?

Wir haben bereits mit einem neuen Album begonnen und wir werden es in Österreich und Los Angeles produzieren. Da ich über 400 Songs fertig geschrieben habe ist die Auswahl der Songs etwas schwierig… Als Produzent habe ich den in Wien und Los Angeles lebenden Axel Wolph. Am Schlagzeug Alex Pohn, der jetzt bei Hubert von Goisern die Trommeln rührt und Alex Kerbl, der in meiner Band Chris Schermer and the FonK spielt.
Wir werden versuchen bei diesem Album einen etwas reduzierten Sound zu finden, der die Wärme des Klangs der 60er und 70er Jahre bewahrt und gleichzeitig mit einem Fuß im 21. Jahrhundert steht. Bei den Songs wird es weniger politisch zu gehen, sondern wie auch auf dem Album „Diamonds from Demons“ um persönliche Erlebnisse, Liebe, Beziehung, Glücksmomente, Scheitern, Gewalt und Sex gehen. Aber trotzdem mit einer Portion Surf- Feeling, es soll die Vielschichtigkeit meines Lebens und teilweise ambivalente Persönlichkeit und Erlebnisse widerspiegeln.

Was sind deine Pläne für die nächste Zeit? Was steht an?

Das Voting des Bite my Music awards wo ich mit dem Song „smalltowngraveyard" in 2 Kategorien unter den Top 20 bin.Also bitte voten bis Ende März. Dann spiele ich heuer sehr viel live, wie bereits erwähnt arbeite ich an meiner neuen CD, mache im September einen langen Surf- Trip in die Tropen.
Schifahren, noch ein paar Mal Freeriden gehen und Zeit mit meiner Freundin Anna verbringen.

Drei Alben, die sich gerade im Mp3-Player/CD-Player von Chris Schermer befinden?

Paul Simon „So beautiful or what“, John Mayer „live at abbey road“ und Bob Marley „Africa unite“.

Abschlussworte an unsere Leser?

Ich würde mich freuen, wenn dein Interesse geweckt wurde und wir uns mal bei einem Chris Schermer Konzert sehen würden .Besuch mich im Internet www.chrisschermer.com

Weitere Termine auf der Homepage des Künstlers. Ich danke fürs Gespräch.

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