Kultur – Musik

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CD Neuerscheinungen im Oktober

21. Oktober 2011 • Musik

Tom Waits meldet sich mit "Bad As Me" zurück, die Österreicher Son Of The Velvet Rat veröffentlichen mit "Red Chamber Music" ein wunderschönes Songschreiber-Album und Noel Gallagher hält seine Versprechung. Albumneuerscheinungen im Oktober.

Tom Waits
„Bad As Me“
(Anti)

Dass sich Tom Waits 2011 neu erfinden würde war nicht zu erwarten. Sieben Jahre nach seinem letzten Studioalbum „Real Gone“ kommt der große Songschreiber also mit seinem neuen Album „Bad As Me“ zurück, dass er bereits mit einer grandios obskur-launigen Listening Party und der Singleauskopplung „Back In The Crowd“ angekündigt hat.

Viel mehr als eine Neuerfindung ist „Bad As Me“ beinahe so etwas wie ein Streifzug durch den Pantheon aus Waits‘ Charakteren, Orten und Mythen. So rumpelt die Swamp-Blues Jukebox wie zu besten Zeiten, im Vergleich zu anderen Alben seines Spätwerks („Blood Money“ und „Real Gone“) ist das manisch-rhythmische etwas in den Hintergrund getreten.

Bei „Pay Me“ erinnert Waits Stimme gar an die frühen Alben wie „Closing Time“ oder „The Heart Of Saturday Night“. Dass Waits‘ Balladen nachwievor Weltklasse sind, hat er auf "Orphans" mit Songs wie „You Can Never Hold Back Spring“, „Take Care Of All My Children“ oder dem von Norah Jones bekannt gemachten „Long Way Home“ ja bewiesen – wer diese Seite bei späteren Waits-Alben vermisst hat, wird mit eben jenem „Pay Me“ oder auch „Back In The Crowd“, „Last Leaf“ und dem Abschlusstrack „New Year’s Eve“ jenen Waits wiederfinden. Bei Songs wie „Hell Broke Luce“ kommt auch der Manische wieder ins Spiel.

Und beim letzten Song, „New Year’s Eve“ stehen sie alle an der Bar und singen: „Should auld acquaintance be forgot for the sake of auld lang syne“.

Es ist beinahe so, als würde er uns einen kleinen Einblick in all seine Tricks geben, die er über die Jahre gesammelt hat, uns sie alle noch einmal kurz vorstellen, seine Charaktere: die Irren und die Trinker, die Spieler und die Straßenköter, die Zirkusartisten und die Aussteller. Und das ohne irgendwelchen Erneuerungen, dafür großartig erzählt wir immer. Wir staunen.

Hier das Video zur Listening Party:

Son Of The Velvet Rat
„Red Chamber Music“
(monkey)

„Red Chamber Music“ heißt das neue Album von Son Of The Velvet Rat, dem Bandprojekt rund um Sänger und Songschreiber Georg Altziebler. Ein großer Wurf, für den sich die Band Alternative Country-Queen Lucinda Williams als Gastsängerin und den Produzenten Peter Jesperson (u.a. The Replacements) an Bord geholt hat.

Das Mädchen mit den Tarotkarten, mag sein dass sie unsere Zukunft vorhersagen kann – denk nicht darüber nach, wird uns in „Vampire Song“ gesagt, das mit dem Zukunft vorhersagen lassen ist schon deswegen hinfällig weil die anderen in Reihe und Glied vor ihrem Zimmer stehen und wir die Zeit nicht haben. Schließlich gilt es für uns, in die Nacht reinzudonnern und bei Morgengrauen zurück zu sein, wenn alles klappt.

Am schönsten aber sagt es Altziebler bereits im ersten Song des Albums, „Prayers (You’re Not Bold Enough To Say)“: „If you turn off the light / where does it go, nobody knows / this song goes out to those who think they can tell / I wish them well, I wish them well“.

Wunderschöner Alternative Country im besten Sinne, getragen von Altzieblers charismatischer, zerbrechlichen Stimme, die auf zwei Songs perfekt von der großartigen Lucinda Williams unterstützt wird – beinahe so wie damals bei Ryan Adams und Emmylou Harris auf „Oh My Sweet Carolina“ auf dessen Geniestreich Heartbreaker.

Schönes Album.


Noel Gallagher’s High Flying Birds
Noel Gallagher’s High Flying Birds
(sour mash/indigo)

Und auf einmal ist er wieder hier, hat uns gar nicht so lange warten lassen, so wir wie das befürchet haben. Seit dem Sommer gab es nach und nach neue Songs von Noel Gallagher, zuerst die Single „The Death Of You And Me“, dann wurde mit „AKA What A Life“ nachgelegt – und nun ist es endlich da, sein Solodebüt.

Und all die Erwartungen jener, die schon froh waren, dass Liam Beady Eye hat, ihre Karten aber dennoch auf Noel gesetzt haben, werden mit einem durch und durch großartigen Solo-Debüt von Gallagher belohnt. Oasis haben das so nicht mehr hinbekommen seit, nun, Morning Glory. Ehrlich.

Gitarrenwände, orchestrale Arrangements, Akustikgitarren, Streicher: Noel hat erwartungsgemäß dick aufgetragen, aber nichts wirkt überzogen, überfüttert, im Gegenteil: vom ersten bis zum letzten Song wirkt Noel unangestrengt. Vielleicht, weil er es nicht mehr beweisen muss, und es dennoch zum ersten Mal seit so langem wieder auf voller Linie tut.

Es ist beinahe zu schön: die Strophen in Moll und die Refrains, die so perfekt aufgehen. Vom mächtigen Opener „Everybody’s On The Run“ über „The Death Of You And Me“ bis zu „Stop The Clocks“, letzterer ein Song aus Oasis-Zeiten.

Volle Punktezahl.

(Markus Brandstetter)

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