Kultur – Musik

Extracello

CD-Kritik: eXtracello „Nr.One“

24. Februar 2012 • Musik

Seit 2004 bilden die Cellistinnen Melissa Coleman, Gudula Urban, Margarete Deppe und Edda Breit das Quartett „extracello“, das sich dem viersaitigen Holzinstrument in unterschiedlichsten Weisen widmet. Von Orchestralem bis Geräuschhaften, von Klassischem bis in Popsphären reicht auch die Bandweite ihres neuen Albums „Nr One“. Von Eigenkompisitionen Colemans und Urbans bis zu Adaptionen quer durch die Epochen und Ansätze.

Die Kompositionen von Melissa Coleman und Gudula Urban

Aus der Feder von Melissa Coleman stammt der Opener „Metallic Angels“. Coleman, gebürtige Australierin, zeichnet sich bei eXtracello für die experimentelleren Kompisitionen verantwortlich, bei denen das Cello neben melodie- und bassfigurformenden Rollen auch Geräuschkulissen und ungewöhnliche Klangeffekte kreiert. So beginnt „Nr. One“ beinahe mit einer Ambient-Klanglandschaft, ehe es sich im Laufe des Stücks immer wieder in Dynamik und Dramatik weiter nach oben bewegt.

Vielleicht noch ein Stück experimenteller ist Colemans zweite Komposition, das vorletzte Stück des Albums, „In The Belly“. Während die zwei Kompositionen von Gudula Urban ins Jazzige, Bluesige gehen, mit Groove arbeiten, wird „Blues by Gu“ von perkussivem Klopfen, einer Basslinie die auch auf dem Kontrabass bestens funktionieren würde und einer Melodieführung, aus denen die Blue Notes nur so herausgreinen. „Let’s Have Talk“ getragen. Urbans zweite Komposition hingegen strotzt nur so vor melodischer Eingängkeit und Groove.

Quer durch die Epochen: von Dowland bis Dylan

Virtuos wird hier gezeigt, wie wenig das Cello Berührungsängste mit Stilen quer durch die Epochen und obsoleten Unterscheidungen zwischen E- und U- Musik zu haben braucht. So adaptiert man mit dem „One Note Samba“ ein Stück von Antonio Carlos Jobim Jr., der Renaissance-Komponist John Dowland wird gleich mit zwei Stücken thematisiert, den von Edda Breit arrangierten „I Saw My Lady Weep“ und „Five Knacks For Ladies“.

Bei Queen’s „Crazy Little Thing Called Love“ wird man ein wenig gar „kulinarisch“ im Ansatz (bei derartigen Adaptionen von Popsongs sehr oft ein Risiko), vielleicht die einzige vernachlässigenswerte Adaption auf dem Album. Bob Dylan’s „Just Like A Woman“ funktioniert hingegen, weil man es (arrangiert von Martin Ptak)– wie einige Stücke gesungen von Gudula Urban – beinahe auf eine kitschig-elegisch musicalhafte Weise anlegt.

Samba, Tango, Dowland, Gershwin, J.S. Bach und Dylan: alles funktioniert auf verschiedene Art, mit unterschiedlichen Zugängen zu Arrangement und Funktion. Und genau diese Diversität im Zugang zu Komposition und Adapation macht das Album kurzweilig, abwechslungsreich und entdeckenswert.

(Markus Brandstetter)

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