Kultur – Musik

URBAW

CD-Kritik: Universal Rhythm Blasters At Work „Windfire“.

27. Oktober 2011 • Musik

"Windfire" heißt das neue Album (erschienen via office4music) von den Universal Rhythm Blasters At Work, kurz URBAW. Eine musikalische Achterbahnfahrt: dekonstruierend, perkussiv, oft fragmentarisch.

Alte Musikrezipier-Weisheit: manche Musiken erschließen sich einem nicht beim ersten Durchhören, beim zweiten, beim dritten. Oder anders gesagt: oft gefällt einem etwas anfangs überhaupt nicht. Erstere Formulierung ist durchaus positiv konnotiert, erinnert an verstörende Alben, die einen dennoch gefesselt haben, einem zum Weiterhören gezwungen und sich nach x Hördurchgängen auf eine Art und Weise erschlossen haben, wie es Offensichtlicheres vielleicht nicht getan hätte. Im anderen Falle passiert es oft, dass man WILL, dass einem Alben gefallen, sich selbst dazu bringt – und sich am Ende des Tages damit ein wenig ins Fäustchen lügt.

URBAW

Im Falle von Universal Rhythm Blasters At Work, fortan URBAW genannt, bin ich nach dem ersten Hördurchgang unschlüssig. Wir haben es hier mit einem der merkwürdigsten Alben zu tun, die man sich seit langem zu Gemüte geführt hat, heißt es in der Vorab-Info zum neuen Album von Universal Rhythmblasters At Work, und damit trifft das den Kern der Sache schon ganz gut.

Und wir nehmen das Wort "merkwürdig", in unserem Falle, mal als neutral konnotierten Ausgangspunkt an. Dass ich das Album anfangs mit Stirnrunzeln rezipiere liegt nicht daran, dass hier sehr vertrackten Rhythmen gefrönt wird. Ja, schon: hier werden Klänge dekonstruiert, vertrackt, aus Kontexten gezerrt. URBAW, so die Abkürzung fortan, arbeiten über weite Strecken assoziativ, abstrakt und jederzeit perkussiv. Und das ist auch gut so, das mag ich als Hörer.

Aphex Twins, Waits und so.

Ja, ich kann mir schon denken, warum die Namen Tom Waits, Aphex Twins und Portishead in der Assoziationskette auftauchen. Dass das alles durchaus so gedacht ist, dass hier musikalische Defragmentierung als roter Faden hergenommen wird, dass das alles so angedacht ist. Dass das Album eine Reise durch Musiken, Stile und Länder ist. Stücke wie das gelungene "Fall Light" erinnern dann wirklich an Portishead. Oder "Space Fly" zwingendermaßen an Massive Attack und deren Überhit "Teardrop".

Bei aller Verspieltheit und Vertracktheit muten manche Soundfragmente auf "Windfire" ein wenig generisch an, und vielleicht liegt es auch daran, dass man mit "Sailor" den schwächsten Track des Albums als Opener genommen hat, mit dieser ein wenig aufgesetzt tief-effektierten Männerstimme und einem komisch generisch-plastischem Sound.

Songhaftes vs. Fragmentarisches

Es hat zweifellos viele interessante Momente, das Album – und am besten sind URBAW immer dann, wenn nicht das Fragmentarische, sondern das Songhafte im Mittelpunkt steht. Eben jenes "Fall Light", jenes "Space Fly". So reminiszent diese Songs auch sein mögen. Und auf den Dancefloor, da passen viele dieser Stücke auch gut.

Es ist durchaus eine musikalische Achterbahnfahrt, wie angekündigt. Durch Stile, Ansätze, Songs, Sounds. Und die macht manchmal auch viel Spaß, ist hörenswert – manchmal ist man dann aber froh wenn der nächste Looping, der nächste Synth, der nächste Song auch wieder vorbei ist.

MB

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