Kultur – Musik

Soap&Skin "Narrow"

CD-Kritik: Soap&Skin „Narrow“

10. Februar 2012 • Musik1 Kommentar zu CD-Kritik: Soap&Skin „Narrow“

"Narrow" von Soap&Skin erscheint heute, am 10.Februar. Am Abend wird sie, gemeinsam mit ihrem Ensemble, ein (bereits ausverkauftes) Konzert in der Arena geben. 

Stell dir vor es ist Katharsis und alle hören zu. Wobei, ob das hier noch Katharsis ist, oder schon der geglückte Versuch einer Entgrenzung, erschaffen in einer strengen selbstauferlegten Mischung aus Ekstase und Kontrolle, weiß ich nicht. Ein Triumph über das Leiden oder ein Triumph des Leidens über alles andere? Jedenfalls sticht es, zwickt es, macht gleichermaßen glücklich wie traurig, ist dringlich und erhebend: diese acht Songs, diese dreißig Minuten die Anja Plaschg alias Soap&Skin heute veröffentlicht.

Narrow.

Das Schlüsselstück, das ihr soviel Kraft abgerungen hat, dass sie an der Möglichkeit alles Weiteren gezweifelt hat, eröffnet das Album, lamentiert den Tod ihres Vaters, bedrückend, alles offenlegend was übrig ist. „Ich wollte noch nie lieber eine Made sein“, singt sie in "Vater". Eine rührend schöne, auf Klavier und Gesang reduzierte Nummer die am Ende mit erhebenden Elektronikelementen ihren Klimax findet. Der Einsatz von Elektronik ist im Vergleich zu früher ein wenig in den Hintergrund getreten, über weite Strecken tragen nur Stimme und Klavier das Album, meist werden Soundscapes als Erhebungen eingesetzt, als Verdichtung, Augmentation.

Narrow fesselt, befreit, überrascht. Wie bei „Voyage, Voyage“, jenem Desireless-Song von 1986, den Soap & Skin als zweites Stück des Albums uminterpretiert, mit wunderschönen Streicherlinien unterlegt. „Deathmental“ ist dann wieder von industriellen Rhythmen getragen, eine bedrückende Symphonie: „Life lays in our heart like a coffin / Stop faking suffering like a child / Bonds of silk and vows of lead weight / in rotten milk- this was your feast plate“. Bei „Wonder“ singt dann ein kleiner Chor (aus dem man Sir Tralala aka David Hebenstreit raushört, wenn man es weiß) mit, „Lost“ kanalisiert Franz Schubert, genauer gesagt dessen Sehnsuchtswalzer. „I really lost you“, singt Plaschg.


Soap&Skin. Foto (c) Marco Prenninger.

Boat turns toward the port.

Boat turns toward the port“ und „Big Hands Nails Down“ schließen dann den Zyklus, mit dem Einsatz von tragendenden elektronischen Elementen. Ein fragmentiertes Beatkonstrukt treibt ersteren an, in eine immer dichter werdende Distanz, ehe Reste von Fanfarenklängen das Album in das letzte Stück loslassen. Die immer lauter tickende Uhr, bedrohliche Mollklänge, Beats und Geräusche prägen „Big Hands Nails Down“. „Vacuum of god, and there you go“.

Was bleibt.

Die immerwährende Präsenz des Todes, die Beklemmung, Entfernung, Vergänglichkeit – kanalisiert in einem konsequenten, auf den Punkt gebrachten und in sich geschlossenem Rahmen. Soap&Skin hätte kein schöneres, bemerkenswerteres Album nachfolgen lassen können.

(Markus Brandstetter)

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Eine Antwort auf CD-Kritik: Soap&Skin „Narrow“ – Verstecken

  1. Charles sagt:

    Schöne Kritik
    gefällt mir sehr gut. Schon Katharis oder schon nicht mehr, schöne Formulierung(en).

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