Kultur – Musik

(c) Anton Corbijn
(c) Anton Corbijn

CD-Kritik: Lou Reed & Metallica „Lulu“

3. November 2011 • Musik

Soeben ist das neue Album von Lou Reed und Metallica erschienen. "Lulu" heißt das gute Teil, basiert auf Wedekind und beinhaltet Songs, die Lou eigentlich längst in der Schublade liegen hatte.

"I would cut my legs and tits off
 when I think of Boris Carloff
 and Kinski
 in the dark of the moon"

Lyrisch beginnt der Opener "Brandenburg  Gate" auf diese Weise durchaus unterhaltsam, Onkel Lou schwadroniert über Nosferatu, Doctor Moreau, Peter Lorre und das namensgebende Brandenburg Gate – und siehe da: da kommen auch die Buben von Metallica mit einem beherzt-tragenden E-Gitarrenteppich und Lars Ulrichs ewig schleppenden Drums daher und Hetfield darf "Smalltown Girl" reinsingen, immer wiederholen – das ist überhaupt seine Hauptaufgabe auf "Lulu". Und über den auffrisierten V8-Takter den Hetfield & Co Herrn Reed unterlegen, croont dieser in gewohnt launiger und ein wenig schräger Manier durch eigensinnige Textfetzen.

Das Problem mit Lulu

Ein gewisses Wagnis sind da beide Seiten durchaus eingegangen, und die Kritik vernichtet "Lulu" dieser Tage auch gekonnt: Dass ein Album, wo die Red Hot Chili Peppers die schlimmsten Primus-Songs für eine Starbucks-Compilation spielen, immer noch interessanter sein würde als Lulu. Oder, dass es sich eher lohnen würde, seine Zeit damit zu verbringen, dem Gras beim Wachsen zuzusehen oder zu masturbieren.

Das Hauptproblem bei diesem Album welches einen ein wenig verwundert zurücklässt, ist, dass es etwas  hingeschleudert, unvollendet, demohaft klingt. So, als hätten Metallica einen Demomitschnitt aus dem Proberaum klanglich aufgeblasen und Lou Reed hätte in seinen Notizbüchern gekramt. Und auch wenn Reed durchaus mit schönen Textfetzen kommt, wirkt auch die lyrische Gesamtheit ein wenig skizzenhaft, fragmentarisch. Von der musikalischen Unterlegung ganz zu schweigen.

Epilog

Beim letzten Song, "Junior Dad", hat man dann einen 20-minuten Brocken vor sich, dessen letzte Hälfte den absoluten Höhepunkt darstellt: Das Bollwerk ist still, Laurie Anderson und John Zorn gesellen sich zu Reed und ein zehnminütiger musikalischer Epilog beschließt "Lulu".

Um das Hörerlebnis "verstörend" zu nennen, dazu offenbart "Lulu" einfach zu wenig musikalische Substanz.

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