Kultur – Musik

Haight Ashbury.

CD-Kritik: Haight-Ashbury „Haight Ashbury 2: The Ashburys“.

12. Jänner 2012 • Musik

„Haight Ashbury 2: The Ashburys“ heißt das Zweitlingswerk des Glasglower Kollektivs „Haight-Ashbury“, das am 27. Februar via Lime Records/Rough Trade erscheint. Am 24.1. gastiert die Band im Haus der Musik. Wir haben vorab in das Album reingehört.

Beats, Hippies und Counterculture.

Zwischen der Haight und der Ashbury Street liegt in San Francisco das legendäre Stadtviertel „Haight Ashbury“, ein Stadtteil, der vor allem im US-Amerika des späten mittleren letzten Jahrhunderts relevant war– das heißt geschwollen etwa soviel wie: zu Beat Generation und Hippie-Zeiten war das eine sehr essentielle Location, in der viel der damaligen Bohemian-, Counter- und Pop-Kultur passiert ist. Ähnlich wie North Beach, wo früher Kerouac als der King der Beats durch die Bars zog, Lawrence Ferlinghetti auf der Columbus Avenue seinen legendären und heute noch existierenden und relevanten „City Lights Bookstore“ eröffnete – nur eben ein wenig günstiger als North Beach. Leute wie Janis Joplin oder Jerry Garcia haben dort für eine Weile gelebt, und die Ortschaft hat sich so, wenn schon vielleicht nicht unbedingt als Epizentrum, zumindest aber als legendärer Spot in der Geschichte der amerikanischen Gegenkultur eingebrannt.

Geht man heute durch Haight Ashbury, sieht die Sache natürlich ein wenig anders aus, aber es zeugt noch viel von dem damaligen Geist – wenngleich in erster Linie durch zahlreiche kleinere Bookstores, Hippieläden und Souvenier-Shops, wo sich auch heute noch eine Auswahl an Batik-Shirts mit Jamband-Motiven und dergleichen findet.

Meet The Ashburys.

Und nach diesem Fleck der Popkultur haben sich die Vocalistin und Bassistin Kirsty, und Jen – Schlagzeug und ebenso Vocals – (unter Freunden verwenden wir einfach die Vornamen!) benannt, nachdem sie ihre Band Acoustic Love verlassen haben. Komplettiert vom Multiinstrumentalisten Scott, Kirstens Bruder, veröffentlicht die Band wie schon gesagt ihren „sophomore effort“, wie das so schön heißt.

Mit „Maastricht – a treat“ eröffnet eine von einem tabla-ähnlichen Beat getragene Sitar psychedelisch das Album, als hätten sich Nico, Ravi Shankar und Lou Reed gemeinsam auf einem Acid-Heroin Cocktail geeignigt, dass man die 68er auch durchaus etwas dunkler hätte angehen können, irgendwo dort „in the sweet morning chill“.

Das sakral-ekstatische und das Beastialische, Sinistre.

Aber im Ernst jetzt, „Haight Ashbury 2“ ist ein einzigartiges Album geworden. Die beiden hellen, klaren Stimmen von Kirsty und Jen mit einer Klangkollage aus Psychedelischem, Eingängigem und jeder Menge Dunklem, Sinistren. Bei „2nd Hand Rose“ trägt dann eine verzerrte Saite alleine die Strophe, während sich die ätherischen Stimmen merkwürdig anschmiegend und doch im Grunde konträr darüberlegen.

In schönster Acidumnebelung versprüht das Album neben jeder Menge Popappeal, etwas sowohl beinahe Sakral-Ekstatisches als auch etwas Beastialisches, nicht ganz Greifbares. Und genau diese vermeintlichen Widersprüche machen „Haight Ashbury 2: The Ashburys“ zu etwas Einzigartigem, Rausch-, Fieberhaftem.

Looking forward to the winter / can’t be worse than the summer“. Schwer, sich nicht in dieses Album zu verlieben.

Markus Brandstetter

Where there’s music and there’s people and they’re young and alive.

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