Kultur – Musik

Ani DiFranco "Which Side Are You On"

CD Kritik: Ani DiFranco „Which Side Are You On?“

11. Februar 2012 • Musik

They stole a few elections
still we the people won
we voted out corruption
and big corporations
we voted for an end to war
and new direction
and we ain’t gonna stop now
until the job is done

War ihr Album „Red Letter Year“ 2008 noch ein nach innen gekehrtes Werk über persönliches Glück, übers Mutterwerden und über die positiven inneren Entwicklungen, die das älter werden mit sich bringt, so geht Ani Di Franco mit „Which Side Are You On“ wieder nach ganz außen. „Which Side Are You On“ ist ein Protestsong, der in den Dreißigern von Pete Seger bekannt gemacht wurde. Seeger, mittlerweile 92 Jahre alt, steuert auch den einleitenden Banjo-Part des Songs zu, ehe ein Arrangement aus einer angezerrten Gitarre, emergierenden New Orleans Streichern und Beats den Song in eine Richtung treibt, die das Protestlied ins Jetzt modifiziert – und das nicht nur musikalisch. Ein US-amerikanisches Protestlied 2012 durch DiFrancos Schreibefilter gebracht, beinhaltet die Enttäuschung der „Change“ Bewegung, die Empörung über Banken, Konsum, die mittlerweile gänzlich verloren gegangene Unschuld eines ganzen Landes und dem unveränderten Patriarchat.

Feminism ain’t about women
that’s not who it is for
it’s about a shift in consciousness
that will bring an end to war
so listen up you fathers
listen up you sons
and tell me which side are you on now
which side are you on?

Eine gewichtige Rolle hat wieder einmal New Orleans gespielt, wo DiFranco auch ihr Studio hat. So hat sie neben einer Fraktion ihrer Tourband auch eine Gruppe von New Orleans-Bläsern an Bord geholt, die DiFrancos Arrangments auch auf „Red Letter Year“ schon eine zusätzliche Dimension klanglicher Dringlichkeit gaben. Auch einige prominente Mitstreiter hat Madame DiFranco mit dabei: Neben Pete Seeger sind auch Ivan und Cyril Neville (The Neville Brothers), der Saxophonist Skerik (Pearl Jam, R.E.M., The Meters), der Gitarrist Adam Levy (u.a. Norah Jones) und Anis Labelkollegin Anaïs Mitchell mit dabei.


Ani DiFranco.

„Which Side Are You On“ ist viel weniger ein reines Protestalbum als ein durch und durch politisches Album im allumfassenden Sinn geworden. Klug und auf den Punkt gebracht erzählt DiFranco Geschichten von Straßen und deren Bewohnern, von geschundenen Städten, von Enttäuschungen , Regierungsversprechen die nicht eingehalten wurden und der Wut des Bürgers. Die Wut ist nicht weniger geworden bei Ani DiFranco, sie sei politisch verzweifelter, frustrierter geworden, sagte die Künstlerin. Aber da gibt es in ihren Liedern auch diese andere, zärtliche, zuversichtliche Seite, die auf „Red Letter Year“ tragend war und auch bei „Which Side Are You On“ oft durchschimmert:

Look at that honeymoon
in the albacore sky
look with all of you
not just your eye
look at its dancing light
through the whispering trees
look how i love you and you love me
look how i love you and you love me

Schließlich summiert Ani DiFranco: „If you’re not getting happier as you get older, then you’re fucking up“. Großartiges, zärtliches, wütendes, schlaues Album einer Ausnahmekünstlerin.

(Markus Brandstetter)

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