Kultur – Musik

The Sound of Sehnsucht CD Cover Bunny Lake

Bunny Lake: „The Sound of Sehnsucht“

7. Mai 2012 • Musik

The Sound of Sehnsucht? Da war doch schon mal was. Stimmt. Österreichs größter Popstar Falco besang schon 1986 den „Sound of Musik“. Bunny Lake, die 2004 gegründete Electropopband aus Wien, ließen es sich auch nicht nehmen, dem Falco-Kulthit „Ganz Wien“ einen neuen Anstrich zu verpassen. Damit aber genug der Legenden-Huldigung. Der für Falcos Stücke stilprägende Sprachenmix aus Englisch und Deutsch, beschränkt sich bei Bunny Lake bloß auf den Titel des Albums.

Die Elektroniker finden zur Akustik

Oliver Koletzki tut es, Parov Stelar tut es – und auch Bunny Lake tun es mittlerweile. Die Electro-Szene scheint die Akustik für sich zu entdecken und entzieht ihrer brummenden Strommusik ein bisschen Spannung. Während Musikenthusiasten hyperventilieren, reagiert das tanzwütige Partyvolk wohl eher etwas verschnupft. Egal, sagen sich Bunny Lake. Die Amadeus Gewinner von 2009 – bisher bekannt durch ihre fetzigen Electro-Nummern über Exzess, Euphorie und schweißtreibende Nachtunterhaltung – schlagen mit „The Sound of Sehnsucht“ einen neuen Weg ein.

Die Party ist in der Afterhour angelangt

Vor Veränderung schreckt man bei Bunny Lake prinzipiell nicht zurück. Bereits 2008 schien sich mit der Hitsingle „Into the Future“ ein musikalischer Richtungswechsel abzuzeichnen. Ein Plattenvertrag beim Major-Label Universal folgte und mit dem Ö3-Hit „1994“ war man auch kommerziell angekommen. Die gefühlsnostalgische Single von 2010 schien einem aber auch irgendwie zu sagen: Die Jahre waren schön, du hattest Spaß, doch die Party ist vorbei – oder zumindest in der weit fortgeschrittenen Afterhour angekommen. Zeit nach Hause zu gehen und sein Leben zu überdenken, so die mitschwingende Botschaft. Statt nach Hause, trieb es Bunny Lake in die steirische Provinz, um weniger das Leben, sondern vielmehr den Sound zu überdenken. Gemeinsam mit Erfolgsproduzent Gareth Jones, entdeckten Christian Fuchs und Suzy On The Rocks gänzlich neue Facetten an sich.

Wiese gegen Discotempel

Eine Vielzahl akustischer Klänge, ja selbst Kirchenglocken, kennzeichnen den neuen Sound von Bunny Lake. Die leicht melancholische, aber stets optimistische Grundstimmung des Albums erschließt sich dem Hörer bereits mit dem acht Minuten langen Opener „Follow The Sun“. Schlagwörter wie Sun,Woods,Sea und Sky zeigen ganz klar wohin die Reise geht. Merkbar nachdenklich geworden, scheinen Bunny Lake im Zeitalter der Romantik angekommen zu sein und tauschen kurzerhand den Discotempel gegen ein Stück blühende Wiese ein.

Zwei Stücke für‘s Hitensemble

Mit „Young Lovers“ gelingt den Electropoppern ein atmosphärischer Song, der eindeutig das Highlight der Platte darstellt und somit weit über die restlichen Titel zu stellen ist. Mit dem Closer „Sehnsucht“, eine Coverversion des Einstürzende Neubauten-Songs, zerreisst man jedoch die zuvor geschaffene Pop-Idylle und verschafft dem Album keinen guten Abgang. Bis auf „Young Lovers“ und „Follow The Sun“ fehlt den Stücken etwas der Hit-Charakter, wenngleich der Mut zur musikalischen Horizonterweiterung anerkennend beklatscht werden darf. Mit dem neuen Album gibt‘s also zwei neue Stücke für‘s Hitensemble, der Rest erschließt sich aus dem Zusammenhang. Für echte Bunny Lake Fans auf alle Fälle eine Bereicherung. Mehr braucht‘s für ein gutes Album dann ja auch gar nicht.

Mit einer fetten Release-Party, präsentieren Bunny Lake ihr neues Album am 16. Mai in der Pratersauna.
Foto Credits: Alexander Nussbaumer

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