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Bulb Fiction

16. September 2011 • Film / TV2 Kommentare zu Bulb Fiction

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Licht ist erst auf den zweiten Blick ein spannendes Thema. Dafür dann aber richtig: Christoph Mayr hat gemeinsam mit Moritz Gieselmann einen hochspannenden Film über das Ende der Glühbirne und den Aufstieg der Sparlampe gemacht.

Seit einer EU-Verordnung aus 2009 ist das Verbot der regulären Glühlampe amtlich; momentan dürfen noch Restbestände verkauft werden und ab 1. September 2012 wird in ganz Europa keine mehr über den Ladentisch wandern. Daraus folgt der Zwang zur Sparlampe, deren geringerer Stromverbrauch und längere Haltbarkeit und damit höhere Umweltverträglichkeit die schlagenden Argumente für ihr baldiges Monopol sind. Der Preis für diese Vorzüge kommt mit der Nutzung von Quecksilber, dem giftigsten unter den nicht-radioaktiven Elementen, wovon „jedes kleinste bisschen ein bisschen dümmer macht, weil es sich im Gehirn anlagert und Nervenzellen zerstört, auch wenn kein Grenzwert überschritten wird.“

Umweltgift per Verordnung

Die Beschneidung der Konsumentenfreiheit wird gemeinhin dann akzeptiert, wenn solide Umweltschutzargumente vorliegen und für Produkte sprechen, die sich unter normalen Wettbewerbsbedingungen nicht durchsetzen würden. Nachdem Basiswissen über Quecksilber ausreicht, um an der Richtigkeit des Umweltarguments zu zweifeln, stellt Mayr in ‚Bulb Fiction‘ die Frage danach, wer von der Verordnung profitiert. Die Kette der Involvierten arbeitet er penibel und beharrlich ab und spricht dabei mit Strahlenphysikern, anderen WissenschafterInnen, MedienvertreterInnen und allen, die dazu bereit sind.

Von Seiten der EU gelingt es Mayr passenderweise nicht, ein Interview mit den Endverantwortlichen zu bekommen. Die gibt es nämlich nicht. Während der damalige Energiekommissar Piebalgs sagt, er sei dafür nicht mehr zuständig, meint der derzeitige, er war noch nicht im Amt, als die Verordnung beschlossen wurde. Beides stimmt, und zeigt uns das gigantische Accountability-Problem, das es in diesem Zusammenhang gibt.

Neben der offensichtlichen Gesundheitsbeeinträchtigung, die entstehen wird, wenn Europa flächendeckend mit quecksilberhaltigen Lampen ausgestattet wird, bei deren Entsorgung zwangsläufig laufend kleine Mengen von dem Gift austreten werden, das bereits in kleinsten Mengen Trinkwasser verseucht, geht es Mayr aber vor allem auch um die größere Frage, wo die persönliche Freiheit aufhören soll und darf.

Die einst gute Sparlampe

‚Bulb Fiction‘ ist kein neutraler Dokumentarfilm, der Vor- und Nachteile aufzeigt und unter ‚Informatives Werbematerial über Licht‘ eingereiht werden kann. Mayr’s Film hat die Mission, Wachsamkeit zu schärfen und zu Widerstand gegen Fremdbestimmung aufzurufen. Das gelingt ihm vor allem vor dem Hintergrund, dass nur mehr wenige anzweifeln, dass wir in der Tat ein Europa der Konzerne geschaffen haben und Lobbying kein vernachlässigbares Begleitphänomen im europäischen Entscheidungsprozess ist. Damit wagt er es auch, die prinzipiell als eher positiv wahrgenommene Lobbying-Arbeit von NGOs kritisch zu beleuchten, denn der Angriff auf das Produkt Sparlampe ist zugleich einer auf Greenpeace und dergleichen, die sich seit Jahren für die Umstellung einsetzen und diese als Erfolg feiern.

Christoph Mayr hat uns mit Bulb Fiction nach ‚Plastic Planet‘ einen weiteren wertvollen Dokumentarfilm beschert, und scheint auch in Zukunft den Fokus auf kritische Themen bewahren zu wollen: Momentan arbeitet er an einem Film über die mexikanische Drogenkultur.

Unser Fazit zu ‚Bulb Fiction‘: besonders sehenswert.

‚Bulb Fiction‘ kommt am 16. September 2011 in unsere Kinos.

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2 Antworten auf Bulb Fiction – Verstecken

  1. Mascha sagt:

    Licht ist erst auf den zweiten Blick
    ein interessantes Thema. Das trifft es ziemlich gut finde ich.

  2. Siggi Pop sagt:

    Glübirne bleibt Glühbirne
    Bevor ich mir einen Film über glühbirnen ansehe, kaufe ich mir lieber neue Energiesparlampen. Ich fidne das Thema fad, sind doch nur Lampen.

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