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WienundderTod

Buchtipp: Wien und der Tod

5. Juli 2013 • Kultur

Wien und der Tod

Das im Metroverlag erschienene Buch "Wien und der Tod" nimmt sich der Verbindung Wiens zum Sensenmann an.

Der Tod muss ein Wiener sein: nicht umsonst heißt ein Lied von Georg Kreissler so. Mit Wien hat man immer schon ein wenig das Morbide verbunden.

Irgendwie, so das Wiener Klischee, sitzt der Sensenmann immer ein wenig mit am Tisch, in jedem Wienerlied steht er hinter der Theke, prostet einem zu. Wien und der Tod, das sind zwei Sachen die irgendwie zusammengehören – sei es der liebe Augustin, sein es die Friedhöfe, das in der Kapuzinergruft spazieren gehen, sei es den Begriff der "Schenen Leich".

Sabine Klein hat sich diesem Thema in ihrem Buch "Wien und der Tod", erschienen beim Metro Verlag, angenommen. "Irdische Orte zwischen Himmel & Hölle" heißt der Untertitel des Buches.

Auf 123 Seiten nimmt sich die Autorin historischen und mythischen Fakten rund um die Stadt Wien und den Sensenmann an. In Kapiteln á zwei Seiten gibt’s in "Wien und der Tod" kurioses, wissenswertes, erschreckendes und interessantes.

Historische Plätze, Sagen, Epidemien, Selbstmordwellen und Politik. In Wien wurde das Sterben zwar nicht erfunden, schreibt Sabine Klein, aber perfektioniert.

Zum Beispiel von den Erdbeben, die Wien seit dem Jahr 456 immer wieder heimgesucht haben, unter anderem das Erdbeben von 1590. Abgebrochene Kirchentürme, unter Gasthäusern begrabene Menschen – ein Bild der Verwüstung. Oder die Pest, die von den Wiener Behörden falsch behandelt wurde, und für deren Beseitigung der Mediziner Paul de Sorbait unermüdlich kämpfte.

Pest, Cholera, Brände, soziale und politische Katastrophen: das alles ist untrennbar mit Wien verbunden. Sabine Klein beleuchtet das kurzweilig und interessant: einerseits die unglücklichen Umstände und Katastrophen, die Wien gebeutelt haben, andererseits fängt sie auch diese Liebe zum Morbiden ein, diese Todessehnsucht, die Wien immer zugeschrieben wird, diese „Friedhofskultur“, wie sie sagt. Von Moritäten und Trinkerliedern, die das alles wunderbar einfangen. Das Wichtige aber: sie geht über das Bild vom todessehnsüchtigen Wiener hinaus, beleuchtet das dahinter, gibt sich nicht mit dem Stereotyp zufrieden. Ein dunkles Anekdotenbuch, das ist „Wien und der Tod“.

Schön auch das Ortsregister am Ende des Buches: so kann man jederzeit seinen Lieblingsort in Wien nachschlagen und dessen Verbindung zum Sensenmann in Erfahrung bringen.

„Wien und der Tod“ ist natürlich kein sonniges Lesevergnügen, aber ein kurzweiliges, oft erschreckendes, manchmal auch beinahe lustiges. Die Autorin erzählt in „Wien und der Tod“ interessante geschichtliche Anekdoten unkompliziert und wunderbar direkt.

Das Haus zum großen Jordan, der ehemalige Hof des Grafen Cilli, das Sterbehaus von Joseph Ferro, das Sterbehaus Beethovens, der Hochstrahlbrunnen, der ehemalige Schlachthof St. Marx, die Feuerhalle Simmering, der Karl-Marx-Hof und natürlich die Kapuzinergruft: diese, und viele mehr im Buch beschriebene Orte, sind Ziele unserer Reise.

Ein unglaublich interessantes Buch ist der Autorin da geglückt, dass man in einem Durchgang durchliest.

Das Buch ist beim Metroverlag erschienen.

Sabine Klein
Wien und der Tod
Irdische Orte zwischen Himmel & Hölle

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