Kultur

Rohstoff

Buchtipp: Rohstoff von Jörg Fauser

13. Juli 2013 • Kultur

„Und ist das auch alles authentisch?“, fragte man Fauser des Öfteren. Es ist. Der 1944 geborene deutsche Schriftsteller hatte mit Ende Zwanzig alles erlebt, was die 60er und 70er Jahre an Gegenkultur und Sozialutopie hergaben. Den Studienabbrecher verschlug es 1967 nach Istanbul, wo er sich mit Gleichgesinnten eine Junkie-Bude teilte. Von der Drogenhölle am Bosporus zog es ihn in die Kommunen Berlins und in die Hausbesetzerszene Frankfurts. Ein Getriebener. Mal bürgerlich mit Frau, festem Job und festem Wohnsitz, dann wieder mittellos und asylsuchend. Was Jörg Fauser 1984 in Rohstoff niederschrieb, war das pure Leben. „Man soll nur schreiben, was man auch selbst erlebt hat“, pflegte der Autor zu sagen.

Autobiographie eines Grenzgängers

Sein Alter Ego Harry Gelb im autobiographischen Roman Rohstoff steht exemplarisch für die große Sinnsuche der 60er und 70er Subkulturen. Als schreibender Junkie – der später die Nadel gegen die Flasche eintauscht – zieht es Harry Gelb von Verleger zu Verleger, von Herausgeber zu Herausgeber und von Aushilfsjob zu Aushilfsjob. Und ja – beinahe hätte ich es vergessen – von Kneipe zu Kneipe. Beeinflusst durch die Literatur der Beat- Generation um William S. Burroughs, war es vor allem das rohe, ungeschminkte Leben, das Fauser faszinierte. Dies fand er in seinen Stammkneipen in Frankfurt und Berlin. Auch nach Wien verschlägt es Harry Gelb im Roman für kurze Zeit. Hawelka und Schliwowitz vermochten den Abenteurer dennoch nicht zu begeistern.

Ein Roman wie ein Kneipenmonolog

Rohstoff ist Fausers Meisterstück und doch nur eine nüchterne Erzählung seines holprigen Werdegangs vom Underground-Journalisten zum Berufsschriftsteller. Voll ironischer Seitenhiebe auf einen selbstverliebten Kulturbetrieb und die politischen Gegebenheiten seiner Zeit, beschreibt der Autor eine Geschichte vom heroischen Selbstversuch, vom grandiosen Scheitern und vom ruhelosen Weitermachen. Fauser erzählt seinen Roman wie einen Kneipenmonolog von dem man nicht genug bekommt. Ein beeindruckendes Werk deutscher Pop-Literatur. 1987 verunglückte Jörg Fauser nach einer durchzechten Nacht beim Überqueren einer Autobahn.

Rohstoff
Jörg Fauser
Diogenes Verlag

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