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(c) proverbis
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Buchtipp: Morbuso geht ab

1. Dezember 2013 • Kultur

Charles Marbuso will nichts mehr wissen von seinem alten Leben. Er will entkommen, die Gesellschaft hinter sich lassen. Auf der Straße leben, frei von Konventionen wie Job oder Zuhause. Frei für seinen Traum, Dichter zu sein.

Nur: seine Werke lesen sich wie Kindergedichte („Heute spazierte ich im Klee / plötzlich sang ein Vogel / und es fiel Schnee. / Was für ein Gejodel!“)

Trotz Absenz jeglichen lyrischen Talents und der offensichtlichen Sinnleere seiner Werke verfolgt der obdachlose Dichter nach Eigendefinition ein Ziel. In Chaträumen träumt Marbuso sein Leben. Und sagt über sich:

"Mein Kreuz ist die Kunst. Meine Bestimmung, der ich gezwungen bin zu folgen."

Eine Chatgeschichte

Morbusos Geschichte erzählt Autor Clemens Ettenauer in einer ungewöhnlichen Form: dem Chat-Dialog. Stilistisch hält er sich nah am Wiener Umgangston, die Worte kommen ehrlich, direkt und unverblümt daher. Immerhin befinden wir uns im Medium Internet, wo unter dem Mantel der Anonymität die Sprache entfesselt wird.

Die Gesprächspartner, die Morbusos Kampf um Sinn und Anerkennung mittragen, sind vielfältig, mehr oder weniger vernünftig, witzig und schrullig bis verstörend-ungustiös. Ettenauers Text strotzt vor Alltagsabsurdität und Tragikomik. Mittendrin: eine gute Portion Sozialkritik. Lesenswert und zum Nachdenken anregend!

Morbuso geht ab
Clemens Ettenauer
proverbis, 11,99 €  

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