Kultur

Ich und die anderen

Buchtipp: Ich und die anderen

11. April 2013 • Kultur

„Ich ist ein Anderer“ – kein Satz könnte auf Matt Ruffs rasanten Roman „Ich und die Anderen“ besser zutreffen: Denn ein Frühstück für Andrew ist keine halbe Sache, sondern erfordert ein ausgeklügeltes System. Tante Sam besteht auf Kräutertee und Weizentoast, der Teenie Adam schwört auf Bacon, der kleine Jake will Cheerios, der riesige Seferis liebt Marmelade und Andrew selbst braucht Rührei. Das Gute wie Schlechte: Die ganze „Familie“ lebt in ein und demselben Körper – und zwar in dem von Andrew, der als multiple Persönlichkeit alle Hände voll zu tun hat, seine innere Rasselbande im Zaum zu halten und zufrieden zu stellen. Doch dank einer findigen Psychotherapeutin hat er seine sehr unterschiedlichen Ichs gut unter Kontrolle.

Es könnte also alles relativ entspannt sein, wenn, ja wenn seine Chefin Julie (in die er unsterblich verliebt ist) nicht eines Tages die verschüchterte Penny alias Mouse zur Arbeit mitbringen würde. Andrew merkt recht schnell, dass mit Mouse etwas nicht stimmt. Und es stellt sich heraus: Sie ist multipel wie Andrew – nur leider weiß sie davon nicht nichts.

Zuerst widerwillig, dann immer herzlicher und fürsorglicher beginnt Andrew in enger Absprache mit seinen anderen Identitäten, sich um Mouse zu kümmern und ihr zu helfen – nicht ahnend, dass er damit auch für sich selbst ein Räderwerk in Gang setzt, das ihn und Mouse auf eine Reise durch die USA schicken wird, die es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich hat“. So machen sich die beiden verletzten Seelen auf den Weg, sich ihren größten Ängsten und ihrer beider traumatischen Kindheit zu stellen. Und als ob das nicht schon eine ganze Menge wäre, steht auf einmal die Frage im Raum, ob Andrew einen Mord begangen haben könnte…

Matt Ruff, 1965 in New York geboren, wuchs als Sohn eines lutherischen Pfarrers in Queens auf. Er studierte Englische Literatur und Creative Writing und lebt heute in Seattle. Mit seinem ersten Roman „Fool on the Hill“ landete er einen Riesenerfolg und gewann mit seiner Mischung aus absurdem Humor, seinem Gespür für aberwitzige Situationen und schillernden Charaktere glühende Fans. „Ich und die Anderen“ lebt ebenso von überbordenden, teils wahnwitzigen Einfällen, einem wilde Haken schlagenden Plot und Ruffs großer Empathie für die beiden jungen Protagonisten Andrew und Mouse, die ihren Dämonen mit großem Witz entgegentreten, denn: „Wenn mir jemand blöd kommt, bin ich ja in der Überzahl“.

Da empfehlen wir beherzt: Auf ins Abenteuer, lesen, lachen, genießen!

Matt Ruff
Ich und die anderen
dtv, 10,30 €

Fotos: Cover (c) dtv / Autor (c) 2006 Michael Hilliard/MHHM

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