Buchrezension „Gute Geschäfte“ - eine Hommage an Wiens Schaufenster aus vergangenen Tagen.

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Kultur

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Buchtipp: Gute Geschäfte!

3. April 2013 • Kultur

Die beiden Autoren Attila Corbaci und Thomas Voburka nehmen uns mit ihrem Bildband „Gute Geschäfte“ auf ihre Suche nach den vernachlässigten, verstaubten, verschrobenen Schaufenster im städtischen Asphaltdschungel mit. Das Buch ist eine Hommage an jene Wiener Geschäftslokale, die uns in die goldenen Zeiten des Wirtschaftswunders in den 60er bis 70er Jahren führen. Innerhalb von 23 Tagen haben die Autoren in den 23 Wiener Gemeindebezirken Schaufenster aus vergangenen Tagen aufgespürt und machen damit Stadtstrukturen sichtbar, die sonst meist im Verborgenen bleiben. Denn wer sich darauf einlässt einmal bewusst durch die Seitenstraßen der Stadt zu flanieren und sich die Schaufenster genauer anzuschauen, dem eröffnen sich vielfältige Stil- und Bildwelten.

In der Einleitung erfährt man mehr über die Beweggründe der Autoren, dieses Buchprojekt zu realisieren. Sie wollten die Schaufenster aus vergangen Tagen darin festhalten, solange es sie noch gibt: "Die letzten Überlebenden fotografieren. Kranke. Dahinsiechende. Und ein paar Leichen. Schöne Leichen. Wir sind ja in Wien.“  Mit ihrer Entdeckungsreise durch Wiens Seitengassen, die „düsteren Winkeln der Stadt“ haben sie es geschafft, etwas festzuhalten, was als ein Produkt der Nachkriegszeit in der heutigen Zeit keinen Bestand mehr hat.

Wer kennt sie nicht, die oftmals recht trostlos wirkenden Schaufenster jener Lokale, die ihre Tore schon lange geschlossen haben, aber trotzdem noch das Stadtbild zieren. Oder jener Geschäftslokale, die noch von einer immer kleiner werdend Gemeinschaft frequentiert werden. Wie stumme Zeitzeugen aus jenen Tagen, an denen man in Geschäftslokalen noch mit „Gnädige Frau“ begrüßt wurde und vom Fleischhauer ums Eck noch eine Scheibe Wurst zum Kosten geschenkt bekam. Jener Zeit also, wo man nach der Schule ins Zuckerlgeschäft ging, wo saure Schlangen oder einzelne Bonbons über den Tresen gingen.

Wer also gerne durch Wiens Straßen flaniert und dem verstaubten Charme von Geschäften aus jenen Tagen erlegen ist, dem kann man das Buch „Gute Geschäfte“ nur empfehlen. Jene, die sich bisher noch nicht davon in den Bann ziehen ließen, sei das Buch als Einstiegsdroge empfohlen. Beim Durchblättern des Buches beginnt man automatisch zu rätseln ob man die Geschäftslokale erkennt, die im Bildband festgehalten wurden. Schön sortiert findet man sie hier, leerstehende Fleischereien, Likörstuben oder aufgelassene Trafiken. Es sind hier aber auch Schaufenster von Betrieben vertreten, die ihre Tore noch geöffnet haben, wie alte Kinos, Drogerien, Schuh- und Fotogeschäfte, Kleidungs- und natürlich Zuckerlgeschäfte.

Würde man die Fotos einzeln in einem Artikel sehen, könnten sie nie eine derart starke Wirkung auf den Betrachter ausüben, wie in diesem Bildband, denn erst in der Gesamtschau erkennt man die Vielfalt und mit welcher Liebe zum Detail hier die „schönsten Leichen“ gesammelt wurden.

Gute Geschäfte
Attila Corbaci, Thomas Voburka
Metroverlag

Auch stadtbekannt macht sich jede Woche auf Entdeckungsreise durch den Stadtraum. Auf der Suche nach skurrilen Fundstücken wie Schaufenstern aus anno dazumal. Jeden Dienstag kann man auf unserer facebook Seite mitraten.

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