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Buchtipp: Diese Dinge geschehen nicht einfach so

10. Mai 2013 • Kultur

Salman Rushdie schätzt sie, Toni Morrison ebenso: Wer so viele Vorschusslorbeeren kassiert, auf dessen Debütroman schaut jeder ganz besonders neugierig. Taiye Selasi, geboren in London, aufgewachsen in den USA, lebt als Fotografin in New York, Neu-Delhi und Rom. In einem ihrer Essays prägte sie den Begriff der „Afropolitans“: gut ausgebildete, kosmopolitsche junge Menschen mit afrikanischem Familien-Hintergrund.

Nun ist Selasis erster Roman – im Englischen „Ghana must go“ – erschienen, kongenial übersetzt von Adelheid Zöfel unter dem Titel „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“. Er dreht sich um vier junge „Afropolitans“; Geschwister, die entwurzelt zwischen New York und Lagos, zwischen Boston und Akkra, der Hauptstadt Ghanas.

„Ein außergewöhnlicher Chirurg. Und ein gewöhnlicher Herzinfarkt.“

Alles beginnt mit dem Tod des Vaters: Kwaku Sai, hochbegabter Chirurg, der nach einer erzwungenen Operation an einer Society-Lady geschasst wird und aus Stolz seine Familie zuerst belügt, dann ohne Vorwarnung verlässt. Nun sehen sich die vier Geschwister gezwungen, nach Hause zurückzukehren: Olu, der Älteste, der seinem Vater nacheifert und ein erfolgreicher Arzt geworden ist, aber seiner Liebe zur Kollegin Ling nicht trauen kann; die wunderschönen, aber traumatisierten Zwillinge Taiwo und Kehinde, beide hochtalentiert, Taiwo als Jura-Studentin, Kehinde als teuer gehandelter Maler; und Sadie, die Nachzüglerin, die genauso wenig wie ihre Geschwister weiß, wo sie hingehört und fest überzeugt ist, dass sie nichts kann.

Sie alle kehren zurück nach Ghana, nach Afrika, in die Heimat ihrer Eltern, von denen sie alle viel zu wenig wissen, als dass sie sich in ihrem Land verorten oder zugehörig fühlen könnten. Und doch geschieht etwas mit den Vieren: Alte Wunden brechen auf, Enttäuschungen und Ängste werden sichtbar, dunkle Familiengeheimnisse bahnen sich ihren Weg ans Licht …

Mit ihrem Erstling schafft Selasi einen großartig und kunstvoll komponierten Familienroman, dessen bildhafte Sprache schon auf den ersten Seiten einen Sog entwickelt, dem man sich kaum entziehen kann. Schon bald wachsen einem die ebenso starken wie zerbrechlichen Charaktere ans Herz, man will sie schützen, in den Arm nehmen, ihnen Mut zusprechen:, nicht aufzugeben, weiterzumachen – einfach dafür, sie selbst zu sein. So etwas kann nur große Literatur – Rushdie und Morrison haben Recht behalten.

Taiye Selasi
Diese Dinge geschehen nicht einfach so
S. Fischer Verlag, 22,70 €

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