Kultur

Cover Der Fall Jane Eyre

Buchtipp: Der Fall Jane Eyre

23. Mai 2013 • Kultur

England, im Jahr 1985. In Jasper Ffordes Paralleluniversum ist so einiges anders, als wir es kennen: Das Großbritannien, wie wir es kennen, existiert nicht, nichts ist so, wie es die Weltgeschichte geschrieben hat. Statt dessen existiert Großbritannien nicht, Wales ist eine sozialistische Volksrepublik, England hingegen befindet sich seit über 100 Jahren im Krimkrieg. Das Flugzeug wurde nie erfunden, dafür verbinden unterirdische Tunnelsysteme London mit Städten wie Paris, New York oder Tokio.

Der größte Unterschied jedoch: Literatur ist das mit Abstand höchste Kulturgut und einzelne Schriftsteller und Werke haben derart glühende Fans, dass es mitunter zu Straßenkämpfen kommt und eine eigene Spezielagenten-Einheit, die „LitAgs“, dafür sorgt, dass mit der Literatur kein Schindluder getrieben wird. Und hier kommt die unerschrockene Thursday Next ins Spiel: Kriemkrieg-Veteranin, ihr Vater ist ein in Ungnade gefallener Zeitreisender und sie eine der besten LitAgs, die das Land hat. Doch einer ihrer Einsätze geht in guter Agentenfilm-Tradition kolossal schief, es sterben viele ihrer Kollegen – und sie wird in ihre Heimatstadt Swindon versetzt.

Wenn Thursday die Hoffnung hatte, hier erst einmal ihre Ruhe zu haben, hat sie sich geirrt: Der Erzschurke Acheron Hades ist mehrerer Orginalmanuskripte habhaft geworden, und verschafft sich mithilfe von Thursday Nexts entführtem und hochintelligenten Onkel Mycroft durch ein „Prosaportal“ Zugang zu den Büchern, manipuliert deren Handlung und entführt wichtige Charaktere, um die Regierung zu erpressen. Als schließlich Jane Eyre aus dem gleichnamigen Buch verschwindet, ruhen alle Hoffnungen, die Romanheldin wiederzufinden, auf Thursday Next – als hätte diese nicht schon genug damit zu tun, ihrem Bekannten Spike bei der Vampirjagd zu helfen, sich mit ihrem Ex-Verlobten Landen zu streiten, herauszufinden, wer Shakespeares Bücher wirklich geschrieben hat oder so manch andere Rechnung aus ihrer Vergangenheit zu begleichen ..

Bücher über Bücher – kurz: Metafiktion – können manchemal ganz schön anstrengend sein. Der Walise Jasper Fforde aber hat mit seinen „Thursday Next“-Romanen ein ungemein schräges Universum entworfen, das vor Querverweisen auf literarische Großmeister wie Dickens oder Shakespeare nur so strotzt. Atemlos jagt man mit der Heldin Thursday durch eine Welt, die haarsträubend anders und gleichzeitig unserer eigenen unglaublich ähnlich ist – und die irrwitzigen Einfälle und Wendungen, die Fforde eingebaut hat, machen schnell süchtig. Zum Glück muss man nach dem Ende von „Die Jane Eyre Affäre“ nicht aufhören zu lesen: Schon fünf weitere Fälle, wie „In einem anderem Buch“ oder „Im Brunnen der Manuskripte“, sind Gott sei Dank bereits auf Deutsch erschienen.

Jasper Fforde

Thursday Next: Der Fall Jane Eyre
dtv, 10,30 €

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