Kultur

Cover - Das ist nicht wahr

Buchtipp: Das ist nicht wahr, oder?

2. Mai 2013 • Kultur

Dieses Buch ist absolut wahr, bis auf die Stellen, die es nicht sind. Es ist im Grunde wie UNSERE KLEINE FARM, nur mit mehr Kraftausdrücken.“ Willkommen in der Welt von Jenny Lawson! Die Amerikanerin, mit ihrem Blog „The Bloggess“ eine Ikone im Internet, lässt ihr absolut unglaubliches bisheriges Leben Revue passieren – und dabei spielt es in ihrem episodischen Roman schon bald keine Rolle mehr, was nun wahr und was erfunden ist. Und das mit den Kraftausdrücken – ja, stimmt, Laura Ingalls hätte im Kreis ihrer Fernsehfamilie niemals mit soviel Leidenschaft geflucht wie Jenny Lawson.

Der Klappentext verspricht nicht zuviel: Lawson ist eine liebenswerte Irre. In vielen aberwitzigen Episoden blickt sie auf ihre Kindheit im tiefen Hinterland des Bundesstaats Texas zurück. Und bald wird klar: Wer von seinem Tierpräparator-Vater nachts gerne mal mit einem zur Handpuppe umfunktionierten Eichhörnchen-Kadaver aufgeweckt wird, wer im Winter mit Schuhen aus Brotbeuteln herumläuft und sich vor aggressiven Truthähnen, die eigentlich Wachteln sind, in Sicherheit bringen muss, den schreckt so leicht nichts mehr.

Und so begleiten wir Lawson nicht nur durch Erlebnisse mit ihrer Familie, sondern auch bei ersten – natürlich furchtbar aus dem Ruder laufenden – Drogen-Experimenten, dürfen mit ihr über ihre schlimmsten Erlebnisse im Büro von Personalagenturen lachen und lernen schließlich den Mann kennen, der mit stoischer Geduld und viel Humor ihre zahlreichen Schrullen erträgt. Ein großartig absurdes Kapitel besteht nur aus Post-It-Nachrichten von Lawson an Victor: Was harmlos als geradezu prototypischer Streit um liegen gelassene Handtücher auf dem Boden des Badezimmers beginnt, wächst sich zu einem wahren Zettelkrieg aus, in dessen Verlauf Nachrichten wie „Im Kühlschrank liegt etwas, das ich vergiftet habe. Viel Glück damit.“ noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sind. Das alles ist vor allem eines: unglaublich lustig.

Lawsons Texte leben von ihrer sympathischen Unverfrorenheit, von ihrer Bereitschaft, auch mal dahin zu gehen, wo’s weh tut und vor allem davon, dass ihr absolut nichts peinlich oder zu abwegig ist, um es aufs Papier zu bringen. Ihr größter Trumph ist wohl die Fähigkeit, über sich lachen zu können. Zwar schlägt sie an manchen Stellen ein kleines bisschen über die Stränge, aber die liebevoll zugewandte Art, mit der sie ihre eigenen und die zahlreichen Macken ihrer Familie beschreibt, ist entwaffnend. Und wenn Ihr nun noch herausfinden wollt, wer oder was um Himmels willen eigentlich „Hamlet von Schnitzel“ ist: Dann, ja dann noch einmal herzlich willkommen in Jenny Lawsons Welt!

Jenny Lawson
Das ist nicht wahr, oder?
Metrolit, 20,60 €

Foto (c) The Bloggess / Cover Metrolit

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