Kultur

Cover_Das große Los

Buchtipp: Das große Los

15. August 2013 • Kultur

Ich habe gerade 500.000 Euro bei „Wer wird Millionär?“ gewonnen. Glaube ich jedenfalls. „Da geht’s raus“, sagt Günther Jauch.

Meike Winnemuth steht unter Schock. Unter positivem Schock. Aus Spaß – warum auch sonst? – hatte sie sich in der Spielshow beworben, und ist mit einem Schlag um eine halbe Million Euro reicher. Und jetzt? Die Fragen kommen schnell: Was bedeutet das? Was will das Geld von mir? Winnemuth geht in sich – und verwirklicht das, was sie schon zu Günther Jauch sagte: auf Weltreise soll es gehen.

Nur drei Monate nach ihrem Gewinn macht sich die Journalistin Winnemuth auf. Der Plan: immer ein Monat Zeit für eine Stadt. Und so führt sie ihre Reise von Sydney nach Mumbai, von Shanghai bis San Francisco, von Kopenhagen bis Addis Abeba.

In Briefen erzählt sie FreundInnen, Reisebekanntschaften, Eltern von ihren Erlebnissen – und die sind zum Lesen ein reines Vergnügen. Man taucht mit Meike Winnemuth ein in das entspannte Leben in Australien, genießt das Essen in Buenos Aires, läuft irritiert durch Mumbai, wohnt bei Carl Djerassi (ja, DEM Carl Djerassi, dem Erfinder der Pille), ändert Reisepläne und Gewohnheiten, fragt sich zwischendurch, wo das wohl hinführen soll.

Das Tolle an Winnemuths Buch: Sie stürzt sich ohne Netz, ohne Sicherungen in ein völlig neues Leben. Ha, sagt der Ottonormalverbraucher, geht ja auch gut, mit einer halben Million auf dem Konto. Doch Winnemuths Erkenntnis: Das ganze Geld hätte es nicht gebraucht – und eine Reise wie die ihre ist eigentlich jederzeit möglich. Was einen zurückhält, ist nicht das Geld, nicht die Zeit, sondern einzig und allein man selbst. Noch schöner: Schon bei Winnemuths Aufbruch ist man ganz bei ihr, ihr sehr persönlicher, ehrlicher Stil nimmt einen mit, löst aber – und das ist vielleicht ein kleiner Wermuthstropfen – ganz große Sehnsucht und Fernweh aus.

Was bleibt nach einem Jahr um die Welt jetten? Meike Winnemuth erspart dem Leser auch das Ankommen nicht. Unruhe, Rastlosigkeit, plötzlich ist alles zu groß, zu gewohnt, zu eingefahren. „Es ist was in Bewegung geraten“, schreibt Winnemuth. „Hat mich die Reise also verändert? (…) Nicht ich habe die Reise gemacht, die Reise hat mich gemacht.“

Übrigens: Wer nach dem Buch noch nicht genug hat vom großen Los, dem sei auch Winnemuths Blog empfohlen, der ihre Reise dokumentiert. Nachzulesen unter www.vormirdiewelt.de

Meike Winnemuth
Das große Los
Knaus, 20,60 €

Foto (c) Knaus Verlag

Die empfohlenen Bücher kommen direkt aus
der Buchhandlung BUCHKONTOR.

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »