Kultur

Bettler und Hase

Buchtipp: Bettler und Hase

27. September 2013 • Kultur

„Natürlich hätte unser Held auch andere Optionen gehabt, er hätte Autor oder das Kupfer aus Telefonkabeln stehlen oder eine Niere verkaufen können. Aber von allen schlechten Angeboten war das von Jegor Kugar das beste.“

Rosig sind sie nicht, die Aussichten von Vatanescu, einem in Rumänien lebenden Roma. Und so macht er sich auf ins reiche Finnland, um dort für den Russen Jegor in einer organisierten Bettlergemeinschaft zu arbeiten. Vatanescus Antrieb: Seinem Sohn endlich die ersehnten Stollenschuhe kaufen zu können.

Doch erst einmal heißt es vom Regen in die Traufe: Die Zustände im kalten Finnland sind unerträglich, vom erschnorrten Geld bleiben den Berufsbettlern nur 25 Prozent. Schließlich begehrt Vatanescu auf, schlägt Jegor nieder und flieht. Schon bald hat er einen neuen Weggefährten: ein Kaninchen namens Hase mit gebrochenem Bein, das er vor skrupellosen Tierquälern rettet. Was nun folgt, ist eine wundersame Odyssee durch Finnland, in deren Verlauf Vatanescu sich u.a. als Beerensammler verdingt, als Arbeiter auf dem Bau, als Zauberer im Zug – nicht ahnend, dass er ganz allmählich zu einer Internet-Berühmtheit wird, an deren Schicksal das ganze Land Anteil nimmt.

Es kommt, wie es kommen muss: Die Politik wird auf ihn aufmerksam. Für Simo Pahvi, Ministerpräsident der „Partei der Gewöhnlichen Menschen“, der eigentlich nur seinem spirituellen Berater Jeesus vertraut, ist Vatanescu im Wahlkampf ein Geschenk des Himmels…

Mit seinem märchenhaften Schelmenroman „Bettler und Hase“ gelang Tuomas Kyrö in seiner Heimat ein riesiger Erfolg. Zu Recht: Der Roman, eine Mischung aus Odyssee und Forrest Gump, beeindruckt durch präzise Beobachtungsgabe, liebevolle und detailgetreue Personenzeichnung auch kleinster Nebenfiguren, fantastischen Einfallsreichtum und allerlei skurrile Plot Turns.

Doch unter all den humorigen Begebenheiten lugt immer wieder die Realität durch: Menschenhandel, Armut, politische Wendehals-Taktiken, Gewalt und Skrupellosigkeit werden geschickt thematisiert und mit Vatanescus unbeabsichtigter Irrfahrt verwoben. Gott sei Dank lässt Kyrö seinen traurig-naiven Anti-Helden immer wieder auf Menschen treffen, die es gut mit ihm meinen und durch ihre Gutherzigkeit mit allem Unbill versöhnen.

Ob Vatanescus Sohn am Ende seine Stollenschuhe bekommt? Lassen Sie sich überraschen!

Tuomas Kyrö
Bettler und Hase
Hoffmann & Campe, 20,60,- €

Porträt (c) Laura Malmivaara

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