Kultur

(c) Metroverlag
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Buchrezension: Wiener Ansichten

30. Dezember 2011 • Kultur

Erschienen im Metroverlag von Barbara Mader!

Auf welche Art möchte man eine Stadt für sich entdecken? Die Antworten darauf sind vielfältig, besonders wenn sich dabei um unbekanntes Terrain handelt. Geht es dabei um die Stadt, in der man lebt, in der man vielleicht sogar aufgewachsen ist, engt sich das Interesse an Wien Büchern dahingehend ein, das man sicherlich nicht an touristischen Wienführern interessiert ist. Wohl aber daran, die Stadt durch Blickwinkel neu für sich zu entdecken, die einem bislang verborgen geblieben sind.

Auf Entdeckungsreise durch die Mikrokosmen Wiens

Wiener Ansichten nimmt die LeserInnen mit auf die Entdeckungsreise durch die unterschiedlichsten Mikrokosmen der Stadt mit, so dass man für sich bislang unbekanntes Terrain erkunden kann. Auf den Streifzügen durch Wien, gibt es subjektive Einblicke in die unterschiedlichsten Lebenswelten, in die man eintauchen kann: Vom Stadtführer, Architekten, Architekturkritiker, dem Dompfarrer, einem Barkeeper, Schauspieler, Marktstandlern bis hin zur Filmemacherin.

Stadtbekannte Persönlichkeiten und ihre Geschichten

Je nach Lust und Laune können sich LeserInnen eine der Kurzgeschichten, Portraits oder Streifzüge herauspicken und in die Lokalszene rund um den Naschmarkt eintauchen, mehr über Wiens DesginerInnen oder über die Liebe der Protagonisten zu den Ecken und Kanten Wiens erfahren. In den Erzählungen über Wien – hier von Edek Bartz – erfährt man mehr über die Geschichte von Bars und Cafés, wie dem heute stadtbekannten kleinen Café am Franziskanerplatz, das schon seit den 60ern ein Treffpunkt für die lokale Künstlerszene ist.

Bei dem Stadtspaziergang mit Wolfgang Kos – dem Direktor des Wien Museums – erfährt auch man mehr darüber, warum der Karlsplatz sich im kollektiven Gedächtnis der Stadt als „Gegend“ eingeschrieben hat und nicht als Platz, womit er das etwas überstrapazierte Zitat von Otto Wagner aufschlüsselt. Der Karlsplatz war nämlich um die Jahrhundertwende noch Teil der Wiener Vorstadt und damit wirklich eine Gegend, weil man dort eine offene Landschaft vorfand. Ganz nebenbei werden einem Einblicke in die Lebenswelten von stadtbekannten Persönlichkeiten gewährt, so erfährt man mehr darüber wer in den letzten dreißig Jahren das kulturelle Leben Wiens geprägt hat.

In dem kleinen Buch sind sowohl Kurzportraits wie jenes über den Gemüsestand der Familie Kuczera am Naschmarkt und ihre Gärtnerei versammelt, aber auch Stadtspaziergänge an symbolträchtige Orte, wie dem Judenpaltz, den Barbara Mader gemeinsam mit András Pálffy unternommen hat.

Stadtbekannt meint

Der Reiz des Buches liegt aus meiner Perspektive vorallem darin, dass Barbara Mader ein besonderes Gespür dafür hat, wie sie ihren GesprächspartnerInnen Geschichten über Wien entlockt, die nicht jedermann weiß, die aber diese Orte erst zu dem gemacht haben was sie sind. Man erfährt bei den Erzählungen mehr über die Geschichten, die hinter den Cafés, Plätzen und Wiener Institutionen liegen. Es scheint, dass die Autorin weiß, wie man für sich „beim Reden kommen die Leut` zam“ dahingehend nutzen kann, um mehr über jene WienerInnen zu erfahren, die Wien ein Stück weit zu dem gemacht haben, was es heute ist: Eine Melange aus Alt und Neu, ein Anziehungspunkt für Kreative, neuen lokalen Traditionen, Lebensweisen und Institutionen, die sich in den letzten 30ig Jahren etabliert haben. Das Buch beinhaltet einige Puzzelsteine um ein stückweit zu verstehen, wie Wien zu der Stadt geworden die wir heute kennen.

Über die Autorin

Barbara Mader lebt und arbeitet als Journalistin in Wien. Sie ist der an Wien interessierten Leserschaft, u.a. durch das mit Brigitte Biedermann herausgegebene Buch Floridsdorf, bekannt. Studiert hat die Autorin Romanistik und Literaturwissenschaft.

Infobox:

Das Buch Wiener Ansichten ist beim Metroverlag erschienen und im Buchhandel für 16,90 Euro erhältlich.

signatur_cornelia.jpg Cornelia Dlabaja

Verloren in der Stadt: Auf Entdeckungsreise im Asphaltdschungel

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