Kultur – Musik

U2

Bono und die Erbse

12. Dezember 2010 • Musik

Neulich saß Bono beim Abendessen. Der Fair Trade Champagner schmeckte der Bilderberger- und Illuminatengrande wieder einmal besonders gut – schade nur, dass sein guter Freund Barack nicht dabei sein konnte, aber der war beruflich wieder einmal verhindert. Auch sein Kumpel Tenzin, von Amerikanern gerne auch Mr. Lama oder von seinen Verehrern Gottkönig genannt konnte nicht anwesend sein, der verhandelte gerade ein Wellness-Tibet-Hotel in den Kärntner Alpen und bezauberte die Kärntner Landeshauptmannschaft mit seinem Dauerkichern. „Da könnte ich eigentlich auch wieder einmal hinfahren“, dachte sich Bono, „das letzte Mal als ich auf der Vorstandsfirmenfeier von BMW Grasser auf Einladung gemeinsam Chris Martin für ein wenig Taschengeld amerikanische Arbeiter-Lieder aus den 1930er Jahren gesungen habe, hat das viel Spaß gemacht“.
 
Überhaupt war Bono sehr langweilig in letzter Zeit. Seit sein Freund Schröder bei der Nordstream AG angefangen hatte (früher hatten sie sich gerne einen in die Pipeline gekippt) und Tony nicht mehr Premier war, waren die Männerabende nicht mehr das Selbe. Und mit den Amis, naja: mit Clinton konnte man wenigstens noch saufen, mit Bush noch obszöne Witze machen – aber seit Obama den Job angetreten hatte und die Inauguration-Parties vorbei waren, scheiße noch Mal, dachte Bono, früher war’s lustiger.
 
Was also mit soviel Freizeit machen – und da fiel Bono etwas ein: neben seiner Tätigkeit als Stellvertreter Christi, Politaktivist, Entrepreneur und Präsident des Dachverbandes der weltweiten Lobbyisten war er ja, quasi als Nebenerwerb, auch noch Sänger in seiner Dubliner Band, den Dubliners, nein, Sie wissen, die mit der 360 Grad Tour, U2. Nachdem die Band aber enttäuscht darüber, dass bühnentechnisch mit 360 Grad der gesamte Radius eines Kreises ausgeschöpft war und ein Ikosaeder als Bühnenform zwar eine Herausforderung, aber weder logisch, logistisch machbar noch customer friendly wäre, die Tour beendete, ging nicht viel weiter. Diese Scheißplattenfirma nörgelte seit letztem Jahr, das ein neues Album sein müsse. „Hm“, dachte sich Bono, „vielleicht wär’s jetzt an der Zeit“.
 
Mit Lanois und Eno war es aber immer so mühsam aufzunehmen. Die wollten immer wieder am Klang rumbasteln, Sachen ausprobieren, an Details feilen. Sogar seinen Blackberry musste er abschalten, und das ging schon einmal gar nicht. Immer die alte Leier: „Dein Scheiß Blackberry ist nicht synchron mit dem Gitarrendelay von The Edge“, „Bono, jetzt hör auf mit Al Jazeera zu telefonieren wir müssen Backing Vocals aufnehmen“. Das war alles ein wenig mühsam geworden, diese Lillywhites, Enos, Lanois. Dann noch lieber Rick Rubin, der einfach nur auf der Couch liegt und seine Meinung in seinen Rauschebart murmelt. Nein, Spaß sollte es machen, crazy sollte es sein. Diese monumentalen, sphärischen Songgebilde waren ein wenig mühsam geworden. Es Edge produzieren zu lassen war keine Option, das würde alleine wegen dem Delay zu lange dauern – nein, es sollte gleichzeit FUN aber auch DEEP sein, dachte sich Bono, was zum Bootyshaken aber mit Anspruch auf Seelenrettung.
Weil Bono ein wenig langweilig wurde beim Nachdenken, schaltete er seinen Bang & Olufsen Fernseher ein und zappte durch die Kanäle. Und da erschien ihm dann ein göttliches Zeichen: auf MTV spielten sie gerade ein Video von einer „ur-crazien“ Band wo drei verrückte Typen und eine gutaussehende Frau („Adam would be all over her“, dachte sich Bono) performten als wären sie Zirkusaffen. „Sehen ja superfunky aus“, dachte sich Bono, und begann mit dem Fuß mitzuwippen.
 
My hump my hump my lovely lady lump“: das ist deeper Shit, sagte Bono, das ist was für Beine, Herz und Hirn, check out my trunk. „So etwas hätte ich gerne, das ist ja textlich noch deeper als unsere letzte Single mit den Boots, sexy Boots, get off your boots“, dachte sich Bono und rief seinen Manager Paul McGuiness an. „Paul, der crazy Typ mit der Frau mit dem junk in the trunk und den lovely lady lumps, wie heißt der“. „Das ist WillIam“, sagte sein Manager. „Der macht unsere nächste Platte, der ist leiwand“, sagte Bono.
 
„There’ll be some delay with the new U2 Record“, richtete Edge daraufhin der Presse aus. „Das neue crazy bootyshaking viagrataking lovemaking U2 Album“, sagte Bono, „out soon“.
Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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