Kultur

Dylan (C) Cover von Love and Theft

Bob Dylan for Literaturnobelpreis?

6. Oktober 2011 • Kultur

Literaturnobelpreis für Bob Dylan. Bob Dylan ist erneut für den Literaturnobelpreis nominiert. Völlig verdient, sagen die einen. Völlig absurd, die anderen. Das ganze aus der subjektiven Metaebene eines Redakteurs, der Bob toll findet, es ist aber auch schon egal, ob man ihm den einen Orden mehr umhängt oder nicht.

Bob Dylan hat ein Lied, das heißt Wigwam. Da singt er wie ein Schlagersänger, durchgehend – und es hat keinen Text. Nur „ladadada“. Es kann sein, dass das eine Zen-Übung war, vielleicht war es ein erneuter Versuch einer Elvis-Metamorphose, vielleicht wollte er aber auch einfach nichts sagen. Weils ihm zu blöd war, oder weil er vielleicht gar nichts zu sagen hatte. Eigentlich völlig scheiß – egal. Überhaupt sagt Bob Dylan gerne im Gespräch nichts, da gibt es viele Mythen, die sich darum ranken. Dass er mit Ryan Adams beim Abendessen saß und einen ganzen Abend lang nicht redete, nur einmal schaute er von seinem Suppenteller hoch und fragte „But Ryan, what is a Winding Wheel?“, anspielend auf ein gleichnamiges Lied von Adams. Wahrscheinlich völliger Bullshit, Seemansgarn, hat nie stattgefunden – wie das meiste was man Bob schon angehängt hat.

Stell dir vor es ist Greil Marcus und keiner geht hin

Die ewige Maskerade und deren Dekonstruierung zum Beispiel, oder den Klerus am Stuhl der Anarchie. Oder das mit dem Sprachrohr sein, für Leute, die ihm wahrscheinlich recht wurscht waren. Hatten wir alles, hundertfach, tausendfach. Die Dylanologen und die Akademisierer, die, die alles was er tut ironisch sehen. Stell dir vor, es ist Greil Marcus und keiner geht hin.

Kennen wir alles, alles popkulturell belegt, zu Marmorstatuen gemeiselt. Das mit Königen speisen, Flügel angeboten kriegen, mit den Beatles Marihuana rauchen, kein Sprachrohr sein wollen für jene, die keine Haare am Kopf haben und nicht mehr jung sind, wo er doch am jung sein solang gearbeitet hat. Pennebaker, Scorsese, wir kennen es eh in und auswändig.

Wigwam, ladadada!

Früher wollte man ihm die Kabel mit einer Axt durchschneiden und ihm die Akustische umhängen, weil Blowing in the Wind mehr Folk war als Maggie’s Farm oder so, heute finden wir ihn toll, weil er so schrullig alles dekonstruiert um den Katalog am Leben zu erhalten, oder wir sagen, dass er nicht singen kann. Wird ihm alles ziemlich egal sein mittlerweile. Wenig hofiert wird er eh nicht, und viel Zeit zum darüber nachdenken bleibt bei all dem Touren und der Malerei (angeblich klaut Bob ja von Fotos, so wie er immer gern geklaut hat angeblich. Das nennt man Folk-Ethik, oder so).

Umgehängt hat er Orden und Preise schon oft bekommen, für den Literaturnobelpreis hat es noch nicht geklappt, nominiert war er schon. Nächste Runde, vielleicht schlägt er diesmal ja Haruki Murakami.

Antidimensional.

Ach scheiße, das mit Dylan. Vielleicht vorher nochmal die Chronicles lesen, tolles Buch, tolle Beobachtungsgabe, lustig, viel ausgelassen auch. Oder die Diskographie, die guten wie die argen Alben. Die mit Jesus und, dass man ja wem dienen sollte, ach was sag ich.

Dylan ist sowieso über- und antidimensional. Sollen sie ihm den Preis geben, vielleicht freuts ihn ja. Nachdem Obama ja den Friedensnobelpreis bekommen hat, so eng nimmt man das ja nicht mehr. Den Polar Prize und den Academy Award hat er ja schon.

Die Dylanogen freuts sicher auch, die Literaturpäpste werden sich ärgern. Anderen, auch denen die Bob toll finden, wird’s egal sein.

(Brandstetter)

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