Kultur

(c) Galerie Christine König
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Blood – Sex – Magick

26. Oktober 2011 • Kultur

  • (c) Galerie Christine König
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Wer gerne und regelmäßig Ausstellungen besucht, der ist vermutlich schon einiges an Radikalem gewohnt. Die Galerie Christine König präsentiert aktuell einen Überblick über das Gesamtkunstwerk des englischen Performancekünstlers und Musikers Genesis P-Orridge – die verstörendste und faszinierendste Ausstellung seit Langem.

Genesis P-Orridge ist ein Gesamtkunstwerk. Als Neil Andrew Young geboren stilisiert der Künstler sich seit den 60er Jahren zunehmend als Kunstobjekt und agiert an der vordersten Front des ästhetischen Extremismus, sei es mit seiner Band Throbbing Gristle, Urväter des klassischen Industrial-Sounds, dem Folgeprojekt Psychic TV oder vor allem mit seiner künstlerischen Arbeit in Form von kompromissloser Performancekunst.

Zusammen mit der Künstlerin Cosey Fanny Tutti gründete Orridge 1969 die Performancegruppe COUM Transmissions mit dem Ziel jegliche Grenzen des bis dato geltenden Kunstverständisses, der gesellschaftlichen wie sozialen Konventionen sowie deren Ästhetik radikal in Frage zu stellen. Dies löste – wenig überraschend – auf der Insel auch bald einen nationalen Skandal aus. In der Aktion „Prostitution“, die 1976 im Londoner Institute of Contemporary Arts stattfand, kamen neben eindeutig pornografischen Bildern und Videos auch blutige Tampons, Fäkalien, Maden und Ähnliches zum Einsatz – in der Verwendung der Materialien wie auch der künstlerischen Umsetzung eine Reminiszenz an den WIener Aktionismus.

Zerstörer der Zivilisation

Die Aussage der Aktion – „Prostitution war als ein Paradigma der allgemeinen Zustände unter dem Kapitalismus gedacht, sowohl für Männer wie für Frauen“ –, die auf die Grundwerte der konservativen englischen Gesellschaft abzielte, handelte der Gruppe von Seiten des britischen Parlaments die Bezeichnung „Wreckers of Civilization“ (Zerstörer der Zivilisation) ein, die Genesis P-Orridge alsbald für sich übernahm.

Von Transgender zu „Pangender“

Als eine Art von „Zerstörung der Zivilisation“ lässt sich auch in dem Projekt „Genesis Breyer P-Orridge“ deuten, das gleichzeitig der Höhepunkt der Zusammenführung Kunst und Leben ist: Durch eine Vielzahl an Eingriffen und Operationen der plastischen Chirurgie veränderten P-Orridge und seine 2007 verstorbene Lebensgefährtin Lady Jaye Breyer ihr Äußeres so lange, bis sie sich wie ein Spiegelbild glichen. Dabei geht es nicht so sehr um die Form der Synthese von Kunst und Leben, wie etwa EVA & ADELE  sie praktizieren, oder das Thema des Transgender, sondern um das sogenannte „Pangender“ – eine Art drittes, hermaphroditisches Wesen, geschaffen aus der Kombination von beiden Körpern. Fotografien zeigen denn auch die Transformation P-Orridges zum „S/HE“.

Stargast der Viennale 2011

Die Ausstellung, die alle oben geschilderten Stationen im Werk P-Orridges in Form von Fotografien, Plattencovern, Collagen und Videos überblicksmäßig versammelt, ist Teil einer Hommage an den Avantgarde-Künstler der diesjährigen Viennale. Eigentlich wäre Genesis P-Orridge auch nach Wien gekommen, leider erkrankte er vor kurzem er schwer und musste sich einer Nierenoperation unterziehen, bedauert (Ex-Kunsthallen-)Kurator Thomas Mießgang. Auch das für Sonntag geplante Konzert im Porgy&Bess muss vorläufig abgesagt werden.

Die Ausstellung jedenfalls ist eine der verstörendsten und faszinierendsten zugleich. Insbesondere das abrupt beendete Lebensprojekt mit Lady Jaye beeindruckt in der Konsequenz, wie weit die beiden für ihre Kunst gingen. Im Kosmos des Gesamtkunstwerks Genesis P-Orridge erscheint aber auch diese extreme Selbstverwandlung schlüssig. Denn: „Nothing has to be accepted that I was given“ (P-Orridge).

(Barbara Pflanzner)

Genesis Breyer P-Orridge: Blood – Sex – Magick
Galerie Christine König
bis 5.11.2011
Eintritt frei.

Viennale 2011
Die Film-Vorführung von The Ballad of Genesis and Lady Jaye finden wie geplant und in Anwesenheit der Filmemacherin Marie Losier statt.

Homepage Genesis P-Orridge
LINK


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Galerie Christine König

Schleifmühlgasse 1A
1040 Wien
+ 43 1 585 74 74
www.christinekoeniggalerie.com

Dienstag bis Freitag, 11 – 19 Uhr
\r\nSamstag, 11 – 16 Uhr
\r\nEintritt frei.

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