Lifestyle – Reise

Böse Brücke

Berlin – Amüsement mit dem Stadtplan

16. Mai 2011 • Reise

So uninteressant und langweilig eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln manchmal auch sein kann, mit Hilfe musikalischer Untermalung oder einer geistreichen Lektüre – und der gleichzeitigen Ausblendung der oftmals der guten Laune weniger bekömmlichen Gespräche der ringsum Stehenden oder Sitzenden – kann sie auch zu einer kurzweiligen Begebenheit und kurze Pause vom Alltagsstress avancieren.

Nicht bloß kurzweilig, sondern durchaus auch witzig kann eine solche Fahrt dann werden, wenn man sich und seinen Aufmerksamkeitsradius nicht bloß auf das am Schoß liegende Buch fokussiert, sondern sich die, anscheinend vor allem in Berlin, durchaus lohnenswerte Mühe macht, die Namen der an einem vorbei ziehenden Haltestellen ein wenig genauer zu betrachten.

Hier meine persönlichen Highlights, bei denen ich mir teils Verwunderung, teils Schmunzeln und teils auch lautes Herausplatzen nicht verkneifen konnte:

Bösebrücke

Mein absoluter Favorit in Sachen Namensgebung ist die Bösebrücke, die die beiden Ortsteile Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen miteinander verbindet und als erste Nickelstahlbrücke Berlins sogar unter Denkmalschutz steht. Überlegungen bezüglich einer Umbenennung zu Bornholmer Brücke wurden zum Glück nicht umgesetzt, über die Bösebrücke zu spazieren sorgt nämlich auch bei der schlechtesten Laune für stundenlang anhaltende Lachfalten um Mund und Augen.

Gesundbrunnen

Der Ortsteil im Bezirk Mitte und gleichzeitig die S-Bahn-Station, die neben Ostkreuz, Südkreuz und Westkreuz folgerichtig eigentlich Nordkreuz heißen müsste, erlangte den klingenden Namen Gesundbrunnen aufgrund einer dort entdeckten, mineralhaltigen Quelle, der heilende Kräfte nachgesagt wurden. Auch wenn das Gefühl beim Verlassen der S-Bahn eher Gegenteiliges vermuten lässt, wurde der Name dennoch beibehalten.

Onkel Toms Hütte

Onkel Toms Hütte, welche die Endstation der Linie U3 darstellt, ist nicht etwa der um 1850 veröffentlichte und verfilmte Roman von Harriet Beecher Stowe, und sie ist auch nicht eine aus Holz erbaute, eher baufällige Baracke, in der ein Männchen namens Tom haust – nein, Onkel Toms Hütte ist vielmehr ein ganzer Ortsteil im Berliner Bezirk Zehlendorf. Faszinierend ist, dass durch Onkel Toms Hütte gar ganze Straßenzüge verlaufen und sie mehreren tausend Einwohnern Platz bietet.

Thusnelda-Allee

Auch der Name der mit rund 50 Metern Länge kürzesten „Allee“ Berlins bereitet mir immer wieder aufs Neue Probleme bezüglich meiner Selbstbeherrschung, und auch wenn man den Namen eigentlich kommentarlos so stehen lassen könnte, so stellt die zusätzliche Information darüber, dass die Heilandskirche das einzige Gebäude der Allee und gleichzeitig die Kirche mit dem höchsten Turm Berlins ist, irgendwie doch noch eine Art I-Tüpfelchen dar.

Fauler See

Faule Seen gibt es in Berlin gleich dreimal, einen im Bezirk Pankow, einen im Bezirk Mitte und einen im Bezirk Spandau. Wieso die Seen so heißen, ist mir nicht ganz klar, viel wichtiger ist jedoch die Information, dass das Naturparadies Fauler See in Pankow unter anderem Teichhühner, Stockenten und Krickenten beherbergt.

Und viele mehr…

Weitere Schmankerln in Form von Adlerhorst, Rummelsburg, Biberbau vs. Dachsbau oder Krumme Lanke vs. Scharfe Lanke sind zwar durchaus noch in rauen Mengen vorhanden, würden an dieser Stelle jedoch den Rahmen sprengen beziehungsweise wären der Vermeidung eines lachbedingten Bauchmuskelkaters nicht unbedingt bekömmlich.

Eva Felnhofer

ist noch länger in Berlin.

, , , , , , , , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »