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Beastly

Beastly

8. Mai 2013 • Film / TV4 Kommentare zu Beastly

Mit der Teenie-Fantasy-Romanze "Beastly" entdeckt Hollywood die Geschichte von "Die Schöne und das Biest wieder. 

Kyle Kingson (Alex Pettyfer) ist der King an seiner High School. Gutaussehend, erfolgreich und arrogant behandelt er die meisten seiner Mitschüler äußerst grausam und herablassend. Freundschaftlichen Umgang pflegt er nur mit Freundin Sloan (Dakota Johnson) und Kumpel Trey (Erik Kundsen). Er lässt sich allein durch sein blendendes Auftreten und ohne irgendein Interesse an der Sache zum Vorsitzenden eines Schülerkomitees für Umweltschutz wählen, um seinen Lebenslauf aufzupolieren. Dabei sticht er Kollegin Kendra (Mary-Kate Olsen) aus, die ihrerseits seine Kampagne sabotiert. Um sich an ihr zu rächen, macht er sie auf einer Party vor der versammelten Schule lächerlich.

Gleichzeitig schenkt er in einem kurzen Moment der Liebenswürdigkeit Mitschülerin Lindy (Vanessa Hudgens), die schon seit längerer Zeit für ihn schwärmt, eine Rose.

Wütend von der finalen Demütigung belegt ihn Kendra mit einem Fluch, woraufhin er sich er sich vom makellosen Schönling in eine entstellte Kreatur verwandelt. Bis zum Ende des Winters muss er nun trotz seiner abstoßenden Gestalt die Liebe einer Frau erringen, ansonsten soll er für immer so entstellt bleiben. Bald erkennt er, dass diese Frau nur Lindy sein kann. Mit der Hilfe von Privatlehrer Will (Neil Patrick Harris) und Haushälterin Zola (Lisa Gay Hamilton) versucht er ihre Liebe zu erringen.


Unsterbliche Geschichten

Alt aber gut, das scheint das Motto vieler Teenie-Filme der vergangenen Jahre zu sein. War es um die Jahrtausendwende vor allem Shakespeare in dessen Garten man wilderte (10 Dinge die ich an dir hassen/Der widerspenstigen Zähmung, O – Vertrauen, Verführung, Verrat/Othello, Romeo und Julia) und dessen Klassiker man kontemporär verwurstete, so ist nun einmal ein Märchen dran. "Beastly" erzählt wenig überraschend das Märchen "Die Schöne und das Biest" in neuem Mäntelchen.

Doch im Unterschied zu den Shakespear’schen Beispielen, die mit recht viel Liebe zum postmodernen Detail verfilmt wurden, ist es in "Beastly" vor allem das große Gefühl, worauf man setzt. Und wie so oft, wenn man auf die dicke Romantiktube drückt, fließt leider nur allzuviel Kitsch heraus. Zu stereotyp winden sich der High-School-Prinz, der vermonstert wird, die Goth-Hexe und die schöne Unschuld durch die teils eintönige und dann wieder stark geraffte Handlung.


Wer ändert sich hier?

Es spricht nichts dagegen eine Geschichte zu erzählen, deren Handlung altbekannt und das Ende absehbar ist, doch wäre es schön diesem Stoff doch ein paar interessante, neue Facetten abzugewinnen und ihn in eine stimmige Umgebung einzubetten. Versucht hat man dies hier in einer High School aus naheliegenden Gründen, wie Daniel Barnz erklärt: "An der High School fühlt sich jeder in gewisser Weise verflucht. Das Gefühl anders als die anderen zu sein, sich nicht als zugehörig zu empfinden, ist immer präsent. Letzten Ende sind es diese Unterschiede, die einen stärker und zu einem besseren Menschen machen."

Das klingt furchtbar schön, hat nur leider mit dem vorliegenden Film wenig zu tun. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der verbiesterte Kyle, der sich, um seine wahre Identität nicht preiszugeben, Hunter nennt, versteckt sich vor dem Spott und der Verachtung der Welt. Erst um wieder der altbekannte Schönling zu werden, offenbart er sich und als solcher Augenschmaus lebt er auch anschließend weiter. Zu unglaubwürdig ist seine dargestellte innere Wandlung, die schließlich nur als Selbstzweck wirkt. Doch von Akzeptanz von Andersartigkeit in einem überzeichneten High-School-Mileu ist leider wenig zu sehen. So bleibt von der beschworenen Besserungshandlung leider eher ein fahler Nachgeschmack, als wirkliche Glaubwürdigkeit.


Und doch nur äußerlich

Recht gelungen wirkt die visuelle Inszenierung, insbesondere bei der Abbildung der Hochglanz-High-School. Metallische Kälte und scharfe Schnitte dominieren die Darstellung. "Für den ersten Akt entwickelte sich eine visuelle Welt voller glänzender, reflektierender Oberflächen. Wir benutzten dafür Spiegel und moderne, glatte und schnittige Kanten. Alles wirkt ein bisschen kalt", erklärt Regisseur Barnz seine Intentionen. Er wollte damit farblich und stimmungsmäßig illustrieren, wie sich Kyle von all dem Glanz und den Äußerlichkeiten täuschen lasse.

Diesen Kyle bringt Hauptdarsteller Aley Pettyfer auch recht gut rüber. Weniger überzeugend ist leider seine Performance als Biest, sowie dessen Entwicklung. Ein in seinem Ego verletzter Teenager vielleicht, jedoch sieht so kein gebrochener Mann aus, der sich erst wieder aufrichten muss. Er agiert eher wie der Schulschwarm, der einmal bis zum Ende des Unterrichts in einem furchtbaren Outfit gefangen ist. Wenig Kontur gewinnt leider auch sein Gegenüber Vanessa Hudgens. Ihre Schöne, Tugendhafte bleibt zu schwer greifbar. Von Zerrissenheit ist hier wenig zu spüren, zu übermenschlich mutet ihre Güte an, zu willkürlich entbrennt ihre Leidenschaft.

Einen kleinen Lichtblick bietet Neil Patrick Harris als blinder Hauslehrer, der mit seinen Unzulänglichkeiten recht locker umzugehen weiß.

Trotzdem bleibt "Beastly" leider auch als ein Märchen zu platt für die tieferen Einsichten, die man doch vermitteln wollte. Hier versucht man mit klebriger Teenie-Romantik über so einiges an storytechnischem Holpern hinwegzutragen. Wer jedoch ersteres schätzt und zweiteres verzeiht und sich vielleicht auch für die schwülstigen und doch enthaltsamen Vampire aus Twilight begeistern kann, der wird wohl auch hier Unterhaltung finden.

Filmtrailer:

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4 Antworten auf Beastly – Verstecken

  1. i<3movies sagt:

    wow
    diese rezension ist ja noch viel zu freundlich! nachdem ich den trailer gesehen habe, kann ich ehrlich behaupten noch nie etwas dümmeres gesehen zu haben, das sich selbst so ernst nimmt. und in so etwas spielt neil patrick harris mit…

  2. niki sagt:

    dieser trailer
    ist soooooo schlecht! und ich gebe i<3movies recht, was macht neil patrick harris in diesem film?!?

  3. sam sagt:

    and he’s not even ugly
    er hat diesen heroin-junkie-look der bei frauen den mutterinstinkt wecken soll… und dann noch dazu retter in der not und sensibler romantiker *würg*
    die rezension ist wirklich gut gelungen!

  4. Joe sagt:

    schmalz, schleim
    augenscheinlich leider wieder einmal ein schöner stoff ordentlich in den sand gesetzt. muss das sein?

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