Kultur – Musik

Oasis

Beady Eye, Liam Gallaghers neue Band ist da

4. Dezember 2010 • Musik

Beady Eye sind da, aber wo ist Noel?
 
Seit einiger Zeit ist ja das aktuelle Video von „Beady Eye“ draußen, produziert von Steve Lillywhite, einem der besten Produzenten die unsere Populärmusik derzeit zu bieten hat. Und auch wenn das jetzt sehr früh kommt, ich sage es dennoch, mein Fazit: ich will Oasis wiederhaben. Oder zumindest ganz schnell ein Album von Noel.
 
Ich habe das hier glaub ich schon mal an einer anderen Stelle geschrieben: ich mochte die Megalomanie, die Arroganz, die (zumindest bei Liam) völlig ironiefreie Selbstgefälligkeit. Ich korrigiere mich: ich mochte sie nicht nur, ich habe das bei Oasis immer geliebt. „Liam how are you“ – „Godlike“. Einer, der sich selbst sich selbst für eine Reinkarnation von John Lennon und John Lydon hält (reinkarnieren auch Lebende?), mit Kaugummi im gebeugten Winkel vor dem Mikrophon steht, das Wort shine „sheeeayne“ singt als wäre ein Frequenzmodulator dazwischengeschalten und dazu noch ein Tambourin in der Hand hat, das aber wahrscheinlich nicht mal mikrophoniert ist dafür stylt wie die Sau: so einer kann kein schlechter Kerl sein. Liams Antworten waren Hausweisheiten wie sie lustiger nicht hätten sein können. Liam, was würdest du machen wenn Außerirdische auf die Erde kämen: „I’d tell them to fuck off and mind their own business“, ein solches Kaliber nach dem anderen in den Interviews, zum Akzent gesellte sich noch der obligatorische Kaugummi und die prinzipielle Unwilligkeit, sich in punkto Artikulation oder Schimpfwörterbegrenzung allzu anzustrengen.
Noch lieber mochte ich allerdings Noel. Der stand Liam in großkotzigen Aussagen um Nichts nach, hatte aber immer dieses Funkeln in den Augen, dieses schelmische Grinsen, man hat immer gesehen, dass er das zwar alles wirklich fürs Allergrößte hält, sich aber nebenbei einen dezenten Karl macht, einfach als Teil seiner Rock’n’Roll Dekadenz. Und Image gehört halt zum Rock’n’Roll, soweit ich das verstanden habe.
Und über allem: diese verdammten Songs, einfach ganz, ganz dicke Statements. „Live Forever“, „Wonderwall“, „Don’t Look Back In Anger“, „Some Might Say“, „Champagne Supernova“, „Roll With It“, „Morning Glory“, „Stop Crying Your Heart Out“. Und geschrieben hat diese Songs eben Noel. Das waren keine einfachen Popsongs von den netten Buben von Nebenan, das waren einfach grandiose großgoscherte Hymne, die genauso gespielt wurden wie sie gemeint waren. Mit britischen Gitarrenwänden und einem nölenden Lead-Sänger, der sich auf der Bühne keinen Meter bewegt weil er meint, er sei eben weder Clown noch Tänzer. Völlig ironiefrei und niemals Plattitüden, weil es immer genau so gemeint war. Nicht immer mit Humor glänzend, aber immer dicke Eier.
 
Klar sagt Liam jetzt, dass Beady Eye ein viel besserer Name ist als Oasis und dass sie den besseren Rock’n’Roll machen, es wäre nicht Liam. Ich aber nehme mir die Frechheit dieser Plattform, und das möge mir der widersprechende Leser verzeihen und muss ein wenig nölen. Weihnachtsmann, du alter bärtiger Hund, gib uns entweder Oasis wieder, oder ganz schnell ein Solo-Album von Noel.

Was meint ihr?

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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