Kultur – Literatur

Bad Fucking, Kurt Palm

Bad Fucking

10. Juni 2010 • Literatur

Bad Fucking ist ein Ort in Österreich, in dem der grenzenlose Wahnsinn des österreichischen Kleinorttums seinen Höhepunkt findet. Außerdem ist es der Titel von Kurt Palms neuestem Werk, ein österreichischer Krimi, getragen von Palm’schem Charme. Wir haben Kurt Palm getroffen, um mit ihm über sein Buch, sein Werk, über Gott und die Welt zu sprechen. In zwei Teilen präsentieren wir euch die Ergebnisse, hier eine Buchrezension, da ein spannendes Gespräch.

Zu aller erst, woher kam eigentlich die Idee, einen Krimi zu schreiben?

Kurt Palm: „Die Motivation? Also das ist vielfältig zu beantworten. Es gab mehrere Impulse, die zu dem Buch geführt haben.“ Im Gespräch betont der Künstler besonders die Serie „Twin Peaks“ als Einfluss, viele Ideen, die verarbeitet wurden, sind schon über 10 Jahre in seinem Kopf. Unter anderem entwickelte Palm in den 90ern ein Konzept zu einer Fernsehserie, die den Namen „Bad Fucking“ getragen hätte, wäre sie umgesetzt worden. Ein leeres Hotel in Bad Gastein und ein Hoteldiener wurden ebenfalls weiterverarbeitet, viele Ideen sind jedoch relativ spontan hinzugekommen.

Getragen von mehreren Impulsen ist nun im Schreibprozess ein Krimi entstanden, der, wie Palm ebenfalls erwähnt, in sich stimmig ist. Wahnsinn und Banalitäten treffen in der kleinen Ortschaft Bad Fucking zusammen, kombiniert mit Mord & Totschlag – also ein österreichischer Kriminalroman, wie er spannender nicht sein könnte. Folgendes Szenario: Die Ortschaft Bad Fucking ist durch einen Steinschlag zur Einbahn geworden, über die Hauptstraße kommen also keine BesucherInnen mehr in die Ortschaft, außer die, die sich verlaufen haben. Aus diesem Grund steht das große Hotel auch meistens leer und die BewohnerInnen bleiben unter sich. Außer einer Gruppe Cheerleader, die zwecks Trainingslager in Bad Fucking weilt, gibt es somit wenig Abwechslung für die EinwohnerInnen. Der Bürgermeister Hintersteiner hat das Geld der Gemeinde verspekuliert, der Gendarm Wellisch wichst in das selbst gemischte Aalfutter (pardon), die Pläne der Innenministerin Sperr zur Erbauung eines Asylantenheims in Bad Fucking werden durchkreuzt, nämlich durch eine Entführung. Der Sonderling Schallmoser liegt Tod in seiner Einsiedlerhöhle, der Bürgermeistersohn versucht die Besitzerin des Fotoladens mit Fotos von penisförmigen Pilzen zu erregen (pardon) und die Vienna Honeybees – Cheerleader – kriegen einen hysterischen Anfall, als sie von der nonexistenten Netzabdeckung in Bad Fucking erfahren. Der Zahnarzt Dr. Ulrich verwickelt sich in eine verhängnisvolle Affäre mit seiner Putzfrau, die Einbrecherin Ludmilla fotografiert Höhlenmalereien in Bad Fucking und der Hoteldiener rettet den Schallmoser’schen Hund, während der Tod mit den Wiener Philharmonikern aus Übersee anreist.

Ihr seht, Wahnsinn trifft es ganz gut. Der Hang zu Obszönitäten ist nicht zu überlesen, Kurt Palm selbst ist das erst im Rahmen seinen Lesungen aufgefallen – auf die Frage, ob obszöne Szenen ein Palm’sches Stilmittel seien, antwortet er wie folgt:

Kurt Palm: Ja das kann sein, das müsste man einmal analysieren, ich kann das nicht. Das mit dem Obszönen ist keine Absicht, aber mir ist das jetzt auch aufgefallen beim Lesen. Da habe ich mir auch ein paar mal gedacht, „ups“. (…) Also ich setz mich nicht hin und denk mir, jetzt schreibe ich „jetzt onaniert der in den Kübel rein“. Ich habe Bilder vor mir, beim Schreiben, und denk mir, das ist der Typ, der sich denk, „dass ist super für die Aale“. Also jetzt bei den Lesungen ist mir das aufgefallen, das ist dann schon immer sehr direkt und ein wenig grauslich – und auch ein wenig unappetitlich. (…) Die Leute glauben immer, bestimmte Dinge beim Menschen kann man ausblenden (…) warum das so ist, ich weiß es nicht.

Soviel zu Setting und Stil, nun haben wir Kurt Palm natürlich nach den Reaktionen gefragt. Die waren zum größten Teil sehr positiv:

Kurt Palm: Ich habe gute Kritiken bekommen, auch aus Deutschland, z.B. eine Kritik auf Focus-Online, die hat mich sehr gefreut. Das Buch gibt es jetzt in der 2. Auflage, der Verlag macht Gewinn damit und das freut mich natürlich. Komischerweise, von allen Rezensionen, die erschienen sind, war keine einzige wirklich negative dabei. Also es waren zwei, drei verhaltene dabei, die vom Kurier war verhalten, tendenziell negativ, aber nicht einmal wirklich negativ.

Achja, vielleicht sollte ich erwähnen: Die Innenministerin Sperr trägt den hübschen Spitznamen „Sperrmüllmizi“… Wie wird wohl die reale Mizi darauf reagiert haben?

Kurt Palm: Ich hatte gleich eine Woche später ein Gespräch mit der Fekter, die ja schon geschluckt hat, als sie das gelesen hat, die war natürlich etwas konstatiert. Aber die hat das auch zur Kenntnis genommen. Und sie hat das auch sehr clever gemacht, weil sie hat sich nicht aufgeregt, sondern hat gesagt, ein bisschen wild ist es schon. Wenn über mich jemand in einem Buch so etwas geschrieben hätte, mit dem hätte ich nix mehr geredet. Ich war mit der Fekter 3 Jahre in der Schule, sie war schon immer konservativ, nicht so reaktionär wie jetzt, und ich war immer links. Sie hat gesagt, sie war immer unter meiner Wahrnehmungsschwelle, was ich nicht so glaube, aber vielleicht hat sie recht.

Keine Sorge müssen die haben, die Bad Fucking schon längst gelesen haben, denn Kurt Palm schreibt schon wieder an einem neuen Buch. Uns hat er sogar verraten, worum es dabei gehen wird:

Kurt Palm: Ich schreibe gerade an einem neuen Buch. Es heißt „Die Besucher“ und es geht darum, dass ein Journalist aufs Land fährt, um seine sterbende Mutter zu besuchen. Es regnet viel, der Journalist recherchiert zusätzlich wegen einer Geschichte, es geht dabei auch um Rechtsradikalismus. Das ist jedenfalls Science Fiction – es geht um einen Staat im Staat, in einem Wald. Dort tauchen dann plötzlich aus dem Wald etwa tausend Menschen auf, keiner weiß woher die kommen, aber sie sind harmlos. Diese Menschen können aber nicht fotografiert werden, die sind zwar da, aber die kann man nur sehen. Ich weiß noch nicht woher die kommen, vielleicht aus einem Zeitloch oder so. Im Kopf ist es schon recht weit, der Kopf ist immer viel weiter, als das, was geschrieben wurde. Das dauert sicher noch, bis 2012 oder so.

Bad Fucking ist jedenfalls eine gelungener Kriminalroman, bzw. eine Politsatire, die sich durch Blut, Rache und Erpressung als Krimi qualifiziert. Die unterschiedlichen Erzählstränge, Geschichten und Verwirrungen werden geschickt zusammengeführt und bereiten jedenfalls Vergnügen.

Uns hat es gefallen und wir verlosen 2 Exemplare, damit ihr euch dieses Vergnügen nicht entgehen lässt, einfach unten auf den TEILNEHMEN Button klicken.

Teilnahmeschluss ist der 15.7. 2010. GewinnerInnen werden per Email verständigt. Pro TeilnehmerIn wird ein Gewinn versandt. Eine Barauszahlung oder Tausch der Gewinne ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interview: Daniel Steinlechner; Therese Kaiser
Text: Therese Kaiser

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