Wien – Debatte

(c) A. Fernandez Fernandez
(c) A. Fernandez Fernandez

Ausverkauf eines Wiener Kulturguts? Die Initiative Steinhof

25. Juli 2012 • Debatte

Die Initiative Steinhof ruft zu kollektivem Protest gegen die intransparente Bebauung der Flächen des Otto-Wagner-Spitals am Steinhof auf. Wir besprechen die Kontroverse rund um die Bauvorhaben und die Forderungen der Initiative Steinhof

Die Diskussion um die weitere Nutzung des Otto-Wagner-Spitals ist keine neue – ist aber nach wie vor aktuell. Das Architekturjuwel, das direkt an die Steinhofgründe angrenzt, ist mittlerweile fast schon Symbol für Stadtpolitik, wie sie eigentlich nicht sein sollte. Statt Bürgerbeteiligung setzte man bei der Umwidmung des Areals auf Bürgerinformation, was Initiativen auf den Plan rief. Eine Petition seitens der Initiative Steinhof sorgt derzeit wieder einmal für Öffentlichkeit und setzt sich für die Erhaltung des Jugenstiljuwels trotz Umwidmung ein.

"Der schönste Ort zur Genesung der aller Ärmsten" – Otto Wagner

Das ehemalige Spital am Steinhof ist mit einer langen und bewegten Geschichte verbunden. Als es Kaiser Franz Josef 1905 erbauen lies, war es eines der modernsten Spitäler Europas und gilt auch heute noch als eines der herausragendsten öffentlichen Bauten des Jugenstils. Der Bau wurde damals vom  Otto Wagner entworfen. Während der NS-Zeit kam der Spiegelgrund zu trauriger Prominenz, da in jener Zeit an hunderten Kindern und Jugendlichen Euthanasie verübt wurde. Das Lichtermeer gegenüber des Theaters im Otto Wagner Spitals gedenkt den Opfern.

Die Gründe für die Suche nach neuen Nutzungen für das Otto Wagner Spital waren vielfältig. Seine momentane Nutzung als Spital ist auf Grund des demografischen Wandels der Wiener Bevölkerung nicht sinnvoll, weswegen nach neuen Nutzungs-Optionen gesucht wurde. 2006 wurde das Areal an private und öffentliche Bauträger verkauft – ob das die richtige Entscheidung war, bzw. ob dies im Sinne der WienerInnen ist, bleibt fraglich. 

Eine Privatklinik statt Bürgerbeteiligung 

Schon vergangenes Jahr starteten die Arbeiten am Rehab-Zentrum für Orthopädie der VAMED, einer privaten Investorgruppe, welche ohne öffentliche Präsentation und Bürgerbeteiligung mit dem Bau der privaten Klinik mit 160 Betten und einer Wohlfühloase mit Hallenbad begonnen hat. Die Vorangehensweise der VAMED hat die Gemüter der BürgerInnen nicht nur erhitzt, sondern auch dazu geführt, dass man sich bei der Bürgerinitiative Steinhof für einen Baustop und einen offenen Diskurs einsetzt. Mittlerweile fokussieren sich die Bemühungen der BürgerInnen auf den geplanten Bau der GESIBA am selben Areal. Dabei steht Transparenz und Mitbestimmung im Vordergrund, was übrigens Tradition hat. Schon schon vor 30ig Jahren hat die Initiative „Zur Rettung der Steinhofgründe“ Wirkung gezeigt und die Steinhofgründe als Naherholungsgebiet erhalten. 

Erhalt des Otto-Wagner-Spitals trotz Umwidmung 

Dass auf dem Gelände des Otto-Wagner-Spitals Luxuswohnungen entstehen werden, erbaut von der GESIBA, das ist mittlerweile sicher. Jedoch die damit einhergehenden Probleme in den Bereichen Umwelt, Verkehr oder Denkmalschutz werden kaum diskutiert, obwohl sich mehrere Initativen um einen lebhaften Diskurs bemühen. Mit dem Unterschreiben der Petition erhöht man den Druck auf die GESIBA, die BürgerInnen miteinzubeziehen. 

Forderungen der Initiative Steinhof 

Kein Aufweichen des Denkmalschutzes. Keine Zerstörung des Jugendstiljuwels

Weiterhin Nutzung für medizinische und soziale Zwecke. Was über hundert Jahre der Wohlfahrt diente, darf jetzt nicht dem schnellen Profit geopfert werden

Keine Stadterweiterung in das denkmalgeschützte Jugendstilensemble ohne jede Infrastruktur

Schutz dieses ökologisch wertvollen Randbereiches des Wienerwaldes. Keine neuen Verkehrserreger mitten hinein in das beliebte verkehrsberuhigte Naherholungsgebiet

Bau- und Planungsstopp zur Erarbeitung eines Gesamtkonzepts. Erstellt durch Fachleute, transparent für die Öffentlichkeit, um diese großartige Anlage ihrer Gestalt und ihrem Geiste nach der Gesellschaft zu erhalten.

Bild: (c) A. Fernandez Fernandez

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