Kultur – Musik

Shadows Collide With People

Aus dem Plattenregal: „Shadows Collide With People“ von John Frusciante

14. Jänner 2013 • Musik

John Frusciantes Solo-Katalog ist bekanntlich relativ umfassend, und nicht alles ist emotional schön anzuhören: bei seinem ersten Ausstieg bei den Chili Peppers nach der Tour von "Blood Sugar Sex Magic" diente ein Release offiziell dazu, um Geld für die Heroinrechnung des genialen, damals aber völlig zerstörten, Gitarrengenies aufzutreiben. Ein auf YouTube anschaubares Video unterstreicht das auf eine sehr hässliche Weise. Das Album hat Frusciante, mittlerweile seit anderthalb Dekaden wieder bei allen Sinnen und rauschgiftfrei, auch vom Markt nehmen lassen.

1999 kehrte er dann zurück zu den Chili Peppers – und zeigte nicht nur, wie essentiell er für die Band war, die mit Dave Navarro einen gehörigen Griff ins Klo gemacht hatte, sondern veröffentlichte quasi nebenbei einen erneuten Solo-Output. "To Record Only Water For Ten Days" hieß das ganze, und damals dachte man noch, dass das für Frusciante sowas wie ein Ausgleich zum Rockstardasein sei, alles im Wohnzimmer aufgenommen, Lo-Fi mit Vincent Gallo Video.

"Shadows Collide With People" sticht aus dem Backkatalog hervor – auch wenn Frusciante das Album mittlerweile vielleicht überproduziert findet. Aus mehreren Gründen: einerseits weil das Album wirklich sehr produziert klingt: war es früher ein Multitracker und ein Wohnzimmer, gab man dieses Mal den einen oder anderen Euro für ein großes Studio und einen Sound aus, der mit Lo-Fi nur bedingt zu tun hatte.

Das wichtigste an "Shadows" ist aber, dass Frusciante zwei Dinge bewies: erstens, dass er ein verdammt großer Songwriter ist. Und zweitens, dass er als Sänger immer besser wurde, nicht nur als Background Vocalist, ohne den Anthony Kiedis recht verloren wäre.

Vom ersten bis zum letzten Song ist "Shadows" ein Ausnahmealbum – das es auch als Solo-Akustik Demoversion auf Frusciantes Homepage gab. Zugänglich und doch zum Teil völlig verschroben, mit viel Synth, exzessiv und doch aufs wesentliche reduziert.

"Carvel", "Omit" und die großartige Abschlussnummer "The Slaughter": Shadows ist vielleicht John Frusciantes bestes, mit Sicherheit aber zugänglichstes Solo-Werk, aus einem umfassenden und vielschichtigen Albumkatalog eines Ausnahmekünstlers. Und dürfte ich nur ein Frusciante-Album behalten, es wäre dieses. Hörprobe anbei!

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »