Kultur – Musik

Ryan Adams "Heartbreaker"

Aus dem Plattenregal: Ryan Adams „Heartbreaker“

2. Mai 2013 • Musik

Ab und zu greifen wir ins Plattenregal, ziehen ewig grandiose Alben raus und hören wieder einmal rein. Heute: Ryan Adams‘ großartiges Debüt "Heartbreaker".

"To be young is to be sad is to be high" – wer den Opener (nach einem kurzen Intro, in dem Adams mit David Rawlings über Morrisey´s Song „Suedehead“ diskutiert) so nennt, der gibt schon eine gewisse Marschrichtung vor. Wenn das Album noch dazu „Heartbreaker“ heißt, umsomehr. Nachdem Ryan Adams einige Alben mit der Band „Whiskeytown“ veröffentlicht hatte, gab es im September 2000 sein Solo-Debüt. In gut zwei Wochen hat Adams das Album in einem Studio in Tennessee aufgenommen – ein Album, mit dem sich Adams in kürzester Zeit in die vorderste Reihe der US-Amerikanischen Songwriter-Acts katapultiert hat.

Love is hell.

Hyperkreativ ging es in den folgenden Jahren zur Sache, es schien als würde Adams Kreativität keinen Schlaf und keine Pause kennen. Später hat er zugebenen, dies nicht ohne die eine oder andere Substanz härterer Natur zustande gebracht zu haben. Album für Album hat Adams danach auf den Markt gebracht, mit „Gold“ so richtig nachgelegt, „Love Is Hell“ aufgenommen, das die Plattenfirma nicht releasen wollte. Danach ist er mit dem rotzigen aber supereingängien Rock´n´Roll-Bastard „This Is It“ aufgetaucht, von dem das Label begeistert war. Adams aber konterte mit dem Fuck-You-Finger und meinte, er würde es nicht auf den Markt bringen, wenn das Album „Love Is Hell“ nicht ebenfalls rauskommen würde. Danach folgte die Zeit im Bandformat mit den Cardinals und obskure auf myspace veröffentlichte Songs: scheiße, hat sich Adams ausgetobt in der letzten Dekade! Nicht immer in Bestform, immer aber gut.

„Heartbreaker“ ist und bleibt dennoch ungeschlagen. Ein derart großartiges, trauriges Debütalbum – das muss Adams so schnell erst einmal nachmachen. Jung und high und traurig, one-two, one, wheeew und der treibende County-Beat. Vom ersten Song an ist klar, wohin die Reise geht. Und dennoch steigert es sich immer weiter.

Man, I ended up with pockets full of ´caine.

Auf "Heartbreaker" kommt Songperle nach Songperle: „My Winding Wheel“ wird gefolgt vom zärtlichen „Amy“, dann das mit Emmylou Harris als backing vocals gesunge Duett „Oh My Sweet Carolina“. Ein Brocken von einem Song, der klingt als wäre er unendlich alt, als wäre er bei Erscheinen längst ein Standard, etwas aus dem Songbook der von Generation zu Generation rumgereichten Songs.

„Was spending money like the way it likes to rain / man I ended up with pockets full of ´caine“ singt Adams. “Oh my sweet Carolina / what compels me to go / oh my sweet disposition / may you one day carry me home”. Ein Song, gebeutelt, geschunden: no direction home: “I miss Kentucky, and I miss my family / all the sweetest winds, they blow across the South”.

Song für Song, Zeile für Zeile macht “Heartbreaker” seinem Namen alle Ehre: “Bartering Lies”, “Call Me On Your Way Back Home”, “Damn Sam (I Love A Woman That Rains)” oder “Why Do They Leave” – die Titel sprechen für sich.

Mit dem war zu rechnen.

Denen, die ihn von seiner Zeit mit Whiskeytown noch nicht kannten, wurde spätestens mit dem ersten Hören von "Heartbreaker" klar: mit Ryan Adams muss man fortan rechnen. Man hat sich nicht getäuscht.

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »