Kultur

Arnulf Rainer: Face Farce, Schwarzstift auf Foto, 17,9 x 23,8 cm, entstanden 1970 - 74

Arnulf Rainer – 25.700,54 cm²

30. November 2011 • Kultur1 Kommentar zu Arnulf Rainer – 25.700,54 cm²

Die Galerie Richard Ruberl zeigt aktuell eine Reihe jener Selbstportraits Arnulf Rainers, die durch ihre Übermalungen zum Markenzeichen des Künstlers wurden. Face Farces heißen die Bildnisse, auf denen Rainers fratzenhaft verzerrtes Gesicht abgebildet ist, und die in verschiedener Hinsicht die gängige Kunstauffassung der damaligen Zeit konterkarierten.

Angeregt durch die Beschäftigung mit der Kunst der Geisteskranken, begann sich Arnulf Rainer ab 1968 mit der Physiognomie seiner Mimik zu beschäftigen. Stundenlang schnitt er Grimassen und dokumentierte diese mimischen Verzerrungen und Verrenkungen mittels eines Foto-Automaten, der sich am Wiener Westbahnhof befand. Diese Portraits unterliefen das traditionelle fotografische Selbstbildnis in der Hinsicht, als sie mit dem Ausgeliefert-sein des Künstlers gegenüber dem Automaten spielen, der sich in dem unvorhersehbaren Moment der Aufnahme, dem plötzlichen Blitz, äußert.

Gestische Übermalungen

Wiederholt hatte Rainer mit (meist fotografischen) Motiv-Vorlagen gearbeitet, die er im Sinne einer Verbesserung bearbeitete, beipielsweise in Malexperimenten oder durch Drogeneinfluss. Als er einmal im Rauschzustand zu entfesselt malte, brach sein Pinsel entzwei, woraufhin er die Farbe mit den bloßen Händen auf das Bild auftrug. In den Face Farces kombiniert und verfremdet er schließlich das fotografische (ebenfalls verfremdete) Selbstbildnis mit der Fingermalerei, indem er es mit Schwarzstift und Graphit bearbeitet. In dieser Zeit entstanden mehrere Serien dieser überarbeiteten Fotografien, mit Vorlagen von unter anderem Franz Xaver Messerschmidt, Leonardo da Vinci oder Gustave Doré, wodurch eine Art historische Typologie physiognomischer Studien entstand.

Die Face Farces konterkarieren das Portrait zudem in einer weiteren Hinsicht, denn sie zeigen Rainers Gesicht nicht ruhig-entspannt, sondern geben seinen Gesichtsausdruck in seiner eigentlich unidealsten Weise, nämlich in höchstem Erregungszustand, wieder. Das Passfoto, dessen zentraler Sinn es ist, Individualität abzubilden, wird zu einer Typologie abseits der Norm. In seinem Spätwerk beschäftigt sich Rainer intensiv mit der Fotografie, anfangs, um diese als Vorlagen für seine Überarbeitungen zu verwenden, später gibt er die Übermalung auf und gesteht ihnen eigenständigen künstlerischen Wert zu.

(Barbara Pflanzner)

Arnulf Rainer – 25.700,54 cm²
Galerie Richard Ruberl
bis 23.12.2011
Eintritt frei.

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Galerie Richard Ruberl

Himmelpfortgasse 11
1010 Wien
+43-1-513 19 92
http://www.ruberl.at/

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Eine Antwort auf Arnulf Rainer – 25.700,54 cm² – Verstecken

  1. tk sagt:

    verlängert
    Die Ausstellung ist bis Ende Februar verlängert!

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