Kultur

Andreas Ogris

Anlässlich des Andreas-Tages

1. Dezember 2010 • Kultur

Namenstage

Namenstage sind für mich in der sozialdarwinistischen Ordnung der Feiertage ungefähr eine geschenkte Flasche Pitralon unter dem Vatertag. Während andere Festivitäten, kausalisch wie schwindlig auch immer, zumindest noch eine Bruttoinlandsprodukt bezogene Relevanz vorweisen oder vielleicht ein paar Tage schulfrei bringen, ist der Namenstag so etwas wie der dritte Teil von „The Crow“: man fragt sich einfach beim besten Willen, warum das existiert und wer das wirklich braucht.

Namen sind aber an und für sich schon in Ordnung, wenngleich für Outlaws und Cowboys nur etwas für Grabsteine. Wenn einem langweilig ist, kann man beispielsweise einen Namen so oft wiederholen bis er völlig absurd klingt. „Holger Holger Holger Holger Holger“. Oder man kann sich über Etymologien schlau machen. Mein Name stammt beispielsweise vom Kriegsgott Mars ab, mit dem ich als ehemaliger Zivildiener alleine schon kriegstechnisch wenig zu tun habe. Benannt bin ich aber nach dem biblischen Markus, zu dem ich als Mindestens-Agnostiker auch wieder nur wenig Bezug finden kann. Ich dachte ja immer, dass mein Name eine gewisse Nähe zu „Mabus“, dem vom guten alten Nostradamus vorhergesagten Anti-Christen hat, allerdings lässt sich das ob meiner katholischen Altlast eher bezweifeln.

Namensvetter…

Oder man macht sich Gedanken über berühmte Namensvettern. Das kann bei manchen Namen natürlich weniger sexy sein, gottseidank heißen heutzutage beispielsweise nur wenige junge Leute „Adolf“, „Ivan der Schreckliche“ oder „Mariah Carey“.

Heute, am 30.11., haben wie jeden Tag ein paar Leute Namenstag und wie es bei Namen so ist: der eine hat viele berühmte Namensgenossen, der andere wenige. Den heutigen Ehrentag feiern Andreas, Grisold, Gerwald und Volkert. Ohne jetzt Leser verunglimpfen zu wollen, die eventuell so heißen (wenn ihr wirklich so heißt und Euch beleidigt fühlt bekommt ihr was zur Wiedergutmachung): besonders viele Junge werden nicht Grisold oder Gerwald heißen. Es sei denn die Eltern sind den germanischen Heldensagen affin oder sind Teil der Familie der ehemaligen Bundespräsidentschafts-Anwärterin, Sie wissen, die mit dem leicht rechtslastigen Ehegatten.

Andreas, Andreas!

Bei Andreas ist das wieder anders, Andreas heißen viele, viele gute Leute, sicher auch viele nicht gute Leute. Andreas können sowohl ganz böse Menschen heißen wie auch nette, Rockstars, Architekten, Heilige, Fleischhauer. Mein geschätzter Bruder heißt beispielsweise Andreas, ein von mir sehr hochgeschätzer Musikerkollege heißt Andreas. Die „San Andreas“-Linie bürgt für einen nicht so positive Bedeutung des Namens.

Bei den Toten Hosen gibt es nur wenige Leute, die nicht Andreas heißen. Zum Beispiel heißt Campino Andreas Frege, bei Gitarrist Kuddel steht Andreas von Holst im Pass und Bassist Andi heißt Andreas Meurer. Scheint ein guter Name für Stadionpunk zu sein. Bis zum bitteren Andreas!

Ein falscher Andreas! Schlagergott Andy Borg heißt eigentlich Adolf Meyer, wollte sich aber mit dem Ruhm des Namens Andreas (nach dem ja auch das Andreas-Kreuz, das aber keine Konnotation zum Apostel Andreas hat, benannt ist)
 
„Endlich folgen die Leute wieder Zlatko und Jürgen, und nicht mehr Bader und Ensslin“, sang Jan Delay einst auf seinem famosen Debütalbum. Andreas heißt man also auch in der RAF, so wie Andreas Bader.

Der Erzbischof von Caesarea hieß genauso Andreas wie der Bischof von Samsota, nicht unerfolgreich war auch Andreas von Griechenland, oderAndreas Palaiologosseines Zeichens byzantinischer Titularkaiser. Auch Erwähnung finden sollte Andreas, Jünger Christi. Kollege Andi Barth heißt auch Andreas, Sportjournalist und mit folgendem Andreas wohl on top of the game:

Der coolste österreichische prominente Andreas aber ist wohl ANDREAS OGRIS, das Ogerl – Fußballurgestein und berühmt durch das Ikonenbild wo er Nase an Nase mit Didi Kühbauer steht. "Wenn i am Spüfeld so wär wie daham, miassat i beim 1 FC Nivea spün", sagte er einst. Unsterblich, der Mann.

Grund genug, heute das Glas zu erheben und auf Euch anzustoßen – auf Euch, Andreas!

Foto: Austria Archiv

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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